Mittwoch, 14. September 2016

Wiesn 2016: Nein danke.















"Wir dürfen uns das Oktoberfest nicht vermiesen lassen", sagt der Wiesn-Chef.
In den letzten Jahren war ich immer mindestens einmal auf der Wiesn, oft sogar mehrmals. Einmal nur zum Fotografieren, einmal zum Eintauchen in den alljährlichen Wahnsinn, und einmal ganz gemütlich mit der Mama auf der Oidn Wiesn für die Nostalgie. Früher waren wir auch mal mit Kollegen zum Feiern dort, wenn eine Firma für uns reserviert hatte.

Letztes Jahr war ich pünktlich zum Wiesnstart eine Woche lang im Krankenhaus und danach weder fit noch geneigt für einen Wiesnbummel. Heuer gibt's ein neues Sicherheitskonzept: Rucksackverbot und Zäune rund ums Festgelände.
Rucksackverbot heißt: "Richtig" Fotografieren mit mehreren Objektiven und Stativ dürfte problematisch werden. Das ist nicht gar so schlimm, weil es gute kleine Kameras und Gorillapods gibt. Wir werden 2016 also vor allem Handyfotos zu sehen bekommen.

Ein eingezäuntes Festgelände geht für mich gar nicht. Ich erinnere mich noch an eines der ersten Jahre, als die Oide Wiesn eingeführt wurde. Die ist auch eingezäunt. Wir wollten zum Auftritt der Unterbiberger Hofmusik, kamen aber nicht rein. Überall drängelten sich die Leute, warteten auf Einlass, keiner wusste, ob und wann es vorwärts gehen könnte - es war der pure Horror. Das Oktoberfest ist auch ohne Zaun schon irre genug mit all den Depperten und Besoffenen, da braucht's gar keine "abstrakte Terrorgefahr" obendrauf.

Für mich gilt ab sofort: Wenn's schön ist, setze ich mich lieber in einen gepflegten Biergarten. Wenn ich mal wieder Fotos von Karussells und bunten Lichtern brauche, finde ich auf kleineren Veranstaltungen etwas Passendes. Insgesamt ist es auch ganz gut, wenn es nicht jedes Jahr eine "Rekordwiesn" gibt. Die Wirte und Hoteliers werden jammern. Schon im Vorfeld sind die Buchungen deutlich zurückgegangen. Für mich ein leiser Hoffnungsschimmer: Vielleicht muss ich heuer am Bahnhof ausnahmsweise keinen Slalomlauf um die ganzen Kotzhaufen machen?

[For English readers: Google translate does not know what "Kotzhaufen" means = clusters of barf]

Freitag, 9. September 2016

Always look on the bright side of life

Mein buddhistischer Gleichmut wird manchmal schwer auf die Probe gestellt. Wenn das passiert, frage ich mich als erstes: Liegt's an mir? Bin ich in letzter Zeit aggressiver geworden und wenn ja: Woran liegt das?















Seit über siebzehn Jahren übe ich Zen-Meditation. Ich kann mich fast jederzeit bewusst entscheiden, ob ich mich über etwas aufregen will, oder ob ich es einfach sein lasse. Ich kann das Gefühl des Ärgers beobachten, zuschauen, wie es in mir aufsteigt. Ich spüre, wie das Adrenalin in meinen Adern kocht, wie es die Atmung beeinflusst und die Muskeln zum Zittern bringt. Ich spüre auch, wenn dieser Effekt wieder nachlässt. Ich kann tief durchatmen, um den Entspannungsprozess zu beschleunigen, und ich kann mich aus Situationen entfernen, die meinen Gleichmut beeinträchtigen.

Ich weiß, wo der Schalter in meinem Kopf ist, den ich umlegen kann, wenn ich mich nicht echauffieren will. Auf diese Weise kann ich mich aus fast allem raushalten, was mich ansonsten in Rage bringen würde. Dummerweise kommen manche Situationen - sogenannte Schlüsselszenen - immer wieder. Es sind die Momente, in denen mich "das Leben" mit Aufgaben konfrontiert, die allein durch Gleichmut nicht zu lösen sind.

Am besten trifft es dieses Zitat, bei dem ich das Wort "Gott" bewusst weglasse:

Gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. 


Okay, die Gelassenheit ist prinzipiell vorhanden und ich weiß, wie ich sie "einschalte".
Den Mut, Dinge zu ändern, habe ich grundsätzlich auch.
Was jetzt noch fehlt, ist die Weisheit der Unterscheidung.

Worüber sollte ich mich gerechterweise aufregen und worüber nicht?
Was kann ich ändern, was nicht?

Ein Experiment

Vor gut einem Jahr habe ich mich über die vollgestopften Briefkästen echauffiert. Inzwischen habe ich dafür gesorgt, dass die unbenutzten Briefkästen zugeklebt wurden.
"Anzeigenblätter dürfen auch in Briefkästen geworfen werden, die per Aufkleber Werbung verweigern."  (wochenblatt.de)
Für meine eigenen habe ich also erst mal die richtigen Aufkleber besorgt, und E-Mails an die Redaktionen geschrieben, die mir trotzdem noch unerwünschtes Papier ins analoge Postfach geschoben haben. Das ist mühsam und kostet Zeit, aber das Fazit: Es funktioniert zu 90%

Einige Nachbarn im Haus haben sich ebenfalls die Aufkleber geholt, die ich gleich im Zehnerpack bestellt hatte.







Was bleibt, sind Nachbarn, die weiterhin nur eine Handbewegung kennen: Kostenlose Zeitung im Briefkasten? Rausziehen, auf den Boden schmeißen und sich darauf verlassen, dass sich ein anderer um ihren Müll kümmert. Gutes Übungsfeld, tief durchatmen. Ein Nachbar, den das genauso stört wie mich, trägt jeden Tag das Altpapier hinaus. Wenn er es nicht tut, mache ich es (gestern waren es wieder 20 Ausgaben). Hier könnte der Beitrag enden, mein lokales Problem ist gelöst, der Rest muss mich jetzt nicht mehr interessieren. Ich beobachte jedoch mein kleines Ego, das wutschnaubend mit den Hufen scharrt.

Weiterhin landen große Stapel ungelesener Wochenblätter zuerst am Fußboden, anschließend im Altpapier und werden schließlich von der Müllabfuhr weggekarrt. Die Papiercontainer sind jede Woche voll bis an die Kante. Jeder Container kostet Gebühren, die zahlen Mieter und Eigentümer in Form von Nebenkosten, bei uns sind das ca. 8 EUR monatlich für die Müllentsorgung. Kein großes Ding für den Einzelnen, aber in Summe wird's interessant.

Mir fehlen die absoluten Zahlen, um einmal hochzurechnen, wie groß der Berg sinnlos bedruckten Papiers jede Woche ist. Allein in Ostbayern sind es eine Million kostenlose Zeitungen, die verteilt werden, während Zeitungen mit journalistischen Inhalten seit Jahren den Bach runtergehen.

Die Arbeitsplätze! werden jetzt viele rufen.
Ja genau, da steckt eine Menge Energie drin:
  • die Forstwirtschaft, die das Holz produziert
  • die Industrie, die das Papier herstellt
  • die Logistik, die das Holz, das Papier und am Ende die Zeitungen von A nach B bringt
  • die Verlage, die Redakteure, die Werbeagenturen, die Grafiker, Fotografen, Autoren (ups, ich!), die davon leben, dass
  • Firmen Werbung machen und ihre Produkte verkaufen
  • die chemische Industrie, die die Druckerschwärze und Farben liefern
  • die Druckereien, die Papier bedrucken müssen, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen
  • die Zusteller - Rentner, Schüler, arme Schlucker, die sich ein mageres Zubrot verdienen, weil es sonst kaum Jobs für sie gibt
  • die Leute von der Müllabfuhr und zuletzt
  • die Recycler, die aus dem Altpapier etwas Neues machen.
Habe ich jemanden vergessen?

Ja! Nachtrag!
Vater Staat kassiert bei allen Leistungen, die in dieser Wertschöpfungskette erbracht werden, ordentlich mit: Umsatzsteuer, Lohn-/Einkommenssteuer, Gewerbesteuer und noch ein paar mehr...

Der Zweck, den eine kostenlose Wochenzeitung einstmals erfüllen sollte (= Informationen, Kleinanzeigen und Werbung an alle Haushalte liefern) wird vielleicht noch zu 20% erfüllt, das ist jedenfalls meine subjektive Beobachtung. Ja, es gibt diese kleine Minderheit von Menschen, die diese Blätter lesen und auf die Werbung reagieren. Und ja: alte Zeitungen eignen sich wunderbar für alles Mögliche, z.B. wenn man umzieht, Schuhe trocknen muss, oder eine Malunterlage für den Kinderschreibtisch braucht. Aber Millionen von Zeitungen... jede Woche? Da müssen viele Wanderschuhe nass werden ;-) Die Aussage des Wochenblatts, man würde vor allem "die junge Zielgruppe" erreichen, treibt mir Lachtränen in die Augen. Ich sage nur: Pokémon-Go!

Erfolgreich zugestellt!

















Mit diesen 80% Müll, den es eigentlich gar nicht geben müsste, halten wir einen Kreislauf im Gang, der unseren Wohlstand sichert. Er erzeugt eine fantastische Wertschöpfungskette, von der viele Leute absolut profitieren. Informationen per E-Mail oder im Internet abrufen ist auch nicht besonders umweltfreundlich. Wenn ich eine Alternative wüsste, würde ich sie hier verraten, von Herzen gern! Vielleicht eine Kooperation zwischen Wochenblatt und Niantic, dem Entwickler von Pokémon-Go? Eine App, die den Kunden zum nächsten Supermarkt lockt, weil er an der Kasse anstatt Bonusklebeherzen (Rentner!) oder Payback-Punkten (Sparfüchse!) niedliche kleine Monster gratis dazu bekommt? Das klingt wie ein böser Scherz, ist aber längst Realität.

Wir stecken in einem Dilemma und der Zeitungsmüll ist nur ein Beispiel von vielen. Bei genauer Betrachtung diverser Zusammenhänge entsteht bei mir der Eindruck, dass wir uns in einer gigantischen Blase bewegen, und dabei insgeheim hoffen, dass diese Blase niemals platzt. Es ist angenehmer, nicht darüber nachzudenken, sich in buddhistischem Gleichmut zu üben, und die Dinge so laufen zu lassen, wie sie sind. Das schont die Nerven und somit die Gesundheit. So werden wir am Ende alt. Dann werden wir das Desaster, an dem wir täglich mitbasteln, selber noch erleben.

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun,
sondern auch für das, was wir nicht tun.



Das ist ein Zitat von Molière. Dem ist es gelungen, "die Komödie zu einer der Tragödie potenziell gleichwertigen Gattung zu machen". Nicht ärgern, lieber schmunzeln oder wenn's geht sogar darüber lachen. Always look on the bright side of life... (?) Das möchte ich an dieser Stelle auch tun:



Die frische Ausgabe Altpapier der Kalenderwoche 36 in München Giesing wartet auf Auslieferung. Frau Fotografin freut sich über das tolle Fotomotiv.

Wer die Hoheit über seinen eigenen Briefkasten zurückgewinnen möchte:
Hier geht's zu den RICHTIGEN Aufklebern. Wird die Zeitung trotzdem eingeworfen: Beschwerde an die Redaktion, die Mailadresse steht jeweils im Impressum. In besonders hartnäckigen Fällen: Meldung an die Verbraucherzentrale.

Das nagende Gefühl von "irgendetwas stimmt hier grundsätzlich nicht" ist schwer abzuschütteln, also werde ich weiter meditieren, und meine Beobachtungen beizeiten hier kundtun.

Montag, 18. Juli 2016

#webseidank


Nach fast einem Jahr Sendepause ist die Blogparade von unserleben.digital ein wunderbarer Anlass, mal wieder etwas hier zu posten.

Die Seite betrachtenswert.de war mein großes nichtkommerzielles Internet-Herzensprojekt, das in den letzten Jahren unter die Räder gekommen ist.

Bei der Frage "Was hat mir das Web (menschlich) Gutes getan?" sind sofort viele Erinnerungen hochgekommen.


Als erstes fiel mir ein, dass ich in den späten 90er Jahren auf unglaublich viele tolle Internetseiten gestoßen bin, die mir geholfen haben, mich persönlich weiter zu entwickeln. Ganz vorneweg war das die Seite zeitzuleben.de, die ich bis heute sehr schätze.

Aus diesem Umfeld heraus bin ich über Foren und Diskussionsgruppen auf viele Menschen mit ähnlichen Interessen gestoßen: Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Fotografie. Aus einigen online Begegnungen wurden reale Treffen, es entwickelten sich echte Freundschaften, die bis heute fortbestehen. Motiviert durch andere "Web-Amateure" haben wir noch vor der Jahrtausendwende angefangen eigene Gruppen aufzubauen und eigene Seiten ins Netz zu stellen - ohne kommerzielle Hintergedanken. Dabei haben wir unglaublich viel gelernt, jeder für sich und wir von einander. Das Umfeld habe ich immer als unterstützend, fördernd und hilfsbereit empfunden. Schließlich hat mir das Web dann auch ermöglicht, beruflich neue Wege einzuschlagen.

Über die sogenannten "sozialen Medien", insbesondere Facebook, hatte ich neulich in meinem fotonanny-Blog schon einmal geschrieben. Das Web hat die Welt kleiner werden lassen: Nachrichtenübermittlung beinahe in Echtzeit per Mail oder Skype erlaubt es mir, mit Freunden am anderen Ende der Welt in einer engeren Verbindung zu sein, als per Luftpostbrief.

Was ich wirklich toll finde: Man findet auf fast jede Frage eine Antwort - oder zumindest fünfundzwanzig verschiedene Meinungen. So habe ich gelernt, Forums-Threads eher zu meiden, weil die Diskussionen allzu oft abgleiten und im Sande verlaufen. Das direkte (Internet)Gespräch von Mensch zu Mensch erlebe ich meist zielführender als eine Gruppendiskussion, zumindest wenn es um Fotografie geht. Bei den Psychologen funktioniert es besser, die haben eher den Menschen im Blick ;-)

Youtube liebe ich, weil ich dort Information und Zerstreuung finde: vom lustigen Katzenvideo bis zu Musik oder TV-Serien, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gehört oder gesehen hatte. Ich kann mir Dokumentationen und Vorträge anschauen, wenn ich Zeit und Lust dazu habe - oder stoße auf Dinge, die ich ohne das Web völlig verpasst hätte. Dass man nicht alles glauben darf, was im Brustton der Überzeugung vor Kameras erzählt wird, habe ich auch durch das Web gelernt. Heute übertrage das auch zurück auf die klassischen Medien und bin kritischer geworden.

Ich stamme aus einer Ära, in der es überhaupt kein Internet gab. Darum weiß ich, dass ein Leben ohne Web prinzipiell möglich ist. In meiner Freizeit muss ich nicht ständig online sein. Ich weiß aber auch, dass man heute "ohne Web" ein ziemlich eingeschränktes Leben führt. Zwei Wochen ohne Internetzugang zum Abschalten - das geht, aber wehe man öffnet danach seinen Posteingang! Die Erwartungshaltung, dass jeder jederzeit erreichbar sein sollte, ist einer der negativen Nebeneffekte des Internet (und Mobiltelefon)Zeitalters.

Meine Generation ist vermutlich diejenige, die die Vor- und Nachteile beider Welten bestens kennt. Für mich ist das Web eine Offenbarung, aber keine Selbstverständlichkeit. Bei aller Begeisterung sehe ich die negativen Entwicklungen: Informationsflut und Beschleunigung, fortschreitende Kommerzialisierung, ständige Überwachung, extreme Technikabhängigkeit und Onlinesucht. Das sollten wir immer im Auge behalten, wenn wir uns in dieser "schönen neuen Welt" bewegen. Unter'm Strich möchte ich mich aber den Worten von Annette unbedingt anschließen:

Meiner Erfahrung nach bekommt man das zurück, was man selbst gibt. Genau wie offline auch. Und je mehr das Digitale Einzug in die ehemalige Offlinewelt hält, umso mehr kommt es auch darauf an, wie wir es nutzen. Oder wie Johannes sagt: „Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es dazu machen!“

Montag, 20. Juli 2015

Hauptsache drin















Beim Anblick mancher Briefkästen kommt mir das kalte Grausen. Natürlich, da ist kein Aufkleber drauf, der klarmachen würde, dass der Empfänger keine Werbesendungen oder Wochenblätter haben möchte. Irgendwann passt halt nichts mehr rein. Dass es offensichtlich niemanden gibt, der diesen postalischen Mülleimer leert, scheint gewisse Leute nicht weiter zu stören. Und so vergeht der Sommer, ein Gewitter nach dem anderen sorgt für schwülwarme Luft. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der Starkregen verwandeln das vergilbte Igittpapier im Briefkasteninneren allmählich zu einem Pappmaschee-Klumpen, und endlich ist wieder a bisserl Platz zum Nachschieben.

Grrrraaaahhh!
Ich weiß nicht, wem ich zuerst ins Kreuz springen soll:
Dem Vermieter oder dem Zeitungszusteller?
Oder sollte ich in buddistischer Gleichmut auch diese Zeitung ins Altpapier werfen und den Briefkasten eigenhändig zukleben?

Mittwoch, 1. Juli 2015

Im neuen Gewand

















Nach einer erneut langen Sendepause im betrachtenswert Blog ist es mir gelungen, der Seite ein neues Gewand zu verpassen. Ich bin den mahnenden Worten diverser Internetexperten gefolgt, habe die Stichwörter bereinigt und ein paar Layoutprobleme beseitigt.Wie es beim Aufräumen so ist, findet man auch eine Menge alten Schrott.

Weg damit.

Im Rückblick sehe ich das Projekt "52 Fotos im Jahr xxxx" mit anderen Augen. Jede Woche ein Foto hochladen ist eigentlich ganz leicht. Jede Woche ein gutes Foto machen, das man sich auch nach sieben Jahren noch anschauen mag, ist schwieriger. Trotzdem ist der Blick auf viele der fotografisch weniger wertvollen Bilder interessant. Das Fototagebuch bringt Ereignisse und Erlebnisse zurück ins Gedächtnis.

Beim großzügigen Entrümpeln der Posts sind mir versehentlich ein paar Beiträge abhanden gekommen, unter anderem das oben gezeigte Motiv. "Street-Fashion" fasziniert mich immer wieder. Darunter fallen für mich nicht nur interessant gekleidete Menschen, sondern auch die gehäkelte und gestrickte Straßenmode an Laternenmasten, Straßenschildern und Bäumen ... Nicht immer schön als Foto, aber ein Ausdruck unserer postmodernen Zeit. Großmaschig gestrickte Pullover wie man sie in den 80er Jahren trug, werden sicher wieder in Mode kommen. Bis dahin kann man ja seinen Gartenzaun damit schmücken ;-)


Mittwoch, 10. September 2014

Gentrifizierung

Ich habe einen Alien gesehen. Er sah aus wie ein Mensch!

Es war gestern Abend auf dem Heimweg. Da stand er, mitten im Grünen - ich wohne an einer verkehrsberuhigten Zone – mitten auf der Straße. Hellbeige gekleidet war er, von oben bis unten. Genauso schicke weiße Kopfhörer hatte er auf beiden Ohren, so teddybären-like. Ich sah ihn erst nur von hinten und er stand da, mit angewinkelten Armen, gedankenverloren konzentriert auf etwas vor seiner Brust. Muss ein iPhone sein, dachte ich.

Fotografiert er etwa mit dem Handy? Sucht er mit einer App den Weg?
Hat er sich verlaufen?

Ein Hipster – das ist ungewöhnlich für München-Giesing!
Ist das die Gentrifizierung, von der sich alle fürchten?
Als ich an ihm vorbei lief, sah ich, das er sich EINE ZIGARETTE DREHTE.

Wirklich ein Alien, dachte ich.

Was hätte mein Opa gesagt, wenn er so jemanden gesehen hätte?
Ich möchte es lieber nicht wissen.

Wie werden die Menschaliens aussehen, die in 20, 30, 50 Jahren durch unsere Straße laufen?

Mein Onkel vom Mars meint: Wart’s ab. Und halte die Kamera bereit. 
Ne, sage ich. In Zukunft gibt’s die MINDSHOT-Funktion. 
Da brauchen wir keine Kameras mehr.

Der Mensch der Zukunft ist voll vernetzt. Immer. Überall.

Mittwoch, 20. August 2014

Lebst du noch?

...oder warum schreibst du nichts mehr???

Solche Fragen finde ich gelegentlich in meinem Posteingang und es ist ALLERHÖCHSTE ZEIT, sie zu beantworten. Ich hatte mir eine Auszeit genommen, um mir endlich mal einen ganz großen Herzenswunsch zu erfüllen. Fachbücher sind was Feines, Blog-Artikel auch. Ich fotografiere wie eh und je, aber eine Sache ist bisher immer zu kurz gekommen. Um einen Roman zu schreiben, braucht man Ruhe und Abgeschiedenheit. Man darf sich nicht verzetteln. Also habe ich mich in meine Schreibstube zurück gezogen und bin einer Idee nachgegangen, die mich schon lange beschäftigt: Was wäre eigentlich, wenn jemand eine Kamera erfindet, die auf die Gedanken ihres Benutzers reagiert?

Das ist dabei heraus gekommen:

Zusammenfassung lesen?
> Hier geht's lang.

Momentan gibt es diesen ersten Teil der Roman-Serie ausschließlich als Kindle E-Book. Man braucht kein Kindle-Lesegerät, die Apps kann man sich kostenlos für PC, Mac, iPhone/iPad oder auch für Android Geräte herunter laden. Inzwischen habe ich selbst auch wieder angefangen Bücher zu kaufen - digitale Versionen. Ich weiß, dass viele Leute immer noch ein echtes Buch in die Hand nehmen wollen. Aber mal ganz ehrlich: Würdet ihr wirklich 20 EUR für eine gedruckte Ausgabe spendieren und mehrere Tage darauf warten, wenn ihr den Inhalt für 2,99 SOFORT haben könnt? Die Marge für mich als Autorin ist in beiden Fällen nahezu identisch.*

Die Diskussionen um den Untergang des "Kulturguts Buch", das Sterben der klassischen Verlage und den bösen Internetriesen Amazon verfolge ich sehr wohl. Meine Meinung dazu: Beides hat seine Berechtigung, es muss und wird auch in Zukunft gedruckte Bücher geben.  Wenn Amazon die Verlage (und später auch die Autoren?) plattmacht, werde ich mir für Folgeprojekte einen anderen Partner suchen. Trotzdem möchte ich eins festhalten: Die Einfachheit, mit der man dank Amazon so ein Projekt auf die Beine stellen kann, ist durch nichts zu überbieten.

Momentan freue ich mich auch darüber, dass ich den Spaß am Bücherkaufen wiedergefunden habe. Auf dem E-Book-Markt tummeln sich viele talentierte Autorinnen und Autoren. Außerdem muss ich mir jetzt nicht mehr überlegen, wo ich eine Ecke frei räumen könnte, um die vielen Print-Ausgaben zu lagern. Das übervolle Regal im Wohnzimmer sieht schön aus, aber es ist vor allem eins: verstaubt. Mit Schrecken denke ich an die letzten drei Umzüge! Meine Erben werden sich eines Tages freuen, wenn sie nicht kartonweise Müll aus der Wohnung entsorgen müssen. Angst vor einem digitalen Blackout habe ich nur bedingt. Kann schon sein, dass eines Tages alle digitalen Inhalte ins Nirwana verschwinden. Aber die Ideen, die Spannung, die Unterhaltung die ein (digitales) Buch beim Lesen bietet, sorgen automatisch dafür, dass man nicht so schnell vergisst, was man erlebt hat.

Ausprobieren? Der Probetext ist ausführlich und kostenlos :-)
Leuchtfeuer Teil 1: Alles wird anders.

* Nachtrag Januar 2015: Die EU-Gesetzgebung hat sich zum 1. Januar 2015 verändert. Seitdem werden auf E-Books anstelle von bisher 3% (Luxemburg) die Mehrwertsteuersätze erhoben, die im Land des Käufers gelten (Deutschland 19%). Der aktuelle Preis beträgt nun 3,49 EUR.

Montag, 24. März 2014

Wir wollen Sie gesund...























In München/Obergiesing gibt es auf einer Strecke von ca. 800 Metern sage und schreibe zehn (!) Apotheken. Man muss rein rechnerisch nicht weiter als 80 Meter laufen, um sich mit legalen bzw. verordneten Drogen einzudecken. Das ist GUT, wenn man vor sich hin kränkelt oder dringend eine Nachtapotheke sucht. Zum Bäcker ist es weiter. Leider. Der letzte selbständige Bäckerladen, der nicht Teil einer größeren Bäckerei-Kette ist, hat vor ein paar Monaten zugemacht - hat sich nicht mehr getragen. Aber dafür können sich drei bzw. vier Apotheken im Radius von weniger als 200 Metern halten. Wie geht das???

Vor ein paar Monaten wurde wieder mal ein Laden frei. Ganz früher war dort ein Waschsalon, dann kam eins dieser dubiosen Matratzengeschäfte. Auch die Frage, wie viele Matratzen der Durchschnittsdeutsche in einem Leben kauft, hat mich angesichts der vielen einschlägigen Läden oft beschäftigt. Es hat mich beruhigt, dass sich dieses Matratzenlager nicht lange halten konnte. Mein Verdacht, dass es sich um eine Geldwäscheanlage handeln könnte, hat sich also nicht bestätigt. Natürlich war ich tierisch neugierig, was nach mehreren Monaten Leerstand in den schönen großen Laden einziehen würde. Jetzt ist es raus:

Ja! Es ist die elfte Apotheke, auf die wir alle gewartet haben. Die zwölfte bekommen wir, wenn der AGFA-Park fertig wird. Natürlich bekommen wir dann auch ein drittes Ärzte-Zentrum. Die einzige Branche, die da noch mithalten kann, sind die Friseure. Davon gibt's ähnlich viele. Das kann noch irgendwie verstehen, denn beim Waschen - Föhnen - Legen gibt's dramatische Qualitätsunterschiede. Aber bei Medikamenten?

Muss ich aus der Apothekendichte die dramatische Schlussfolgerung ziehen, dass sich die Mehrheit aller Menschen von Arzneimitteln ernährt? Sind Apotheken wichtiger als Bäckereien? Offensichtlich.

Vielleicht hat sich aber auch der Slogan "Wir wollen Sie gesund" bewährt. Je mehr Arzneien, desto gesünder? Was würde wohl passieren, wenn alle so gesund wären, wie der Slogan es preist? Bräuchten wir dann noch Medikamente?
Nein, 90% der Apotheken müssten dichtmachen. Wir hätten noch mehr leerstehende Läden und arbeitslose Akademiker. Das kann natürlich niemand wollen. Deswegen müssen wir weiterhin viele Medikamente kaufen, damit wir gesund bleiben... Wohl bekomm's!

Hübsche kleine Läden - Wunschdenken!?
Bei den irrsinnigen Ladenmieten sind kleine Geschäfte mit individuellen Ideen kaum noch möglich. Meine/unsere Kaufgewohnheiten erledigen den Rest. Ich streue also auch Asche auf mein eigenes Haupt und gelobe Besserung. Ich werde wieder häufiger in der Käse-Alm vorbei schauen. Der abgepackte Supermarktkäse kann da eh nicht mithalten. Die Beratung ist immer genauso exzellent wie die Produkte. In den Seitenstraßen der Apotheken-Allee gibt's außerdem ein paar tolle Cafés, z.B. das Kaffee Sonnenschein und Café Edelweiß. Die beste Pizza in Obergiesing gibt's bei Cannova und von März bis Oktober ist Eis essen ein MUSS bei Riviera. Im kleinen Obstladen neben dem Stadtteilladen kosten die frischen Vitamine etwas mehr als im Supermarkt, aber auch hier zählt etwas anderes: Persönliche Beratung, individuelle Mengen.

Besonders schön finde ich auch den Flohmarkt-Trödel Hoibe-Hoibe. Von so etwas dürfte es mehr geben... Dafür hätte ich auf die elfte Apotheke liebend gern verzichtet.