Dienstag, 2. Mai 2017

Cat Content geht immer

Entschuldigung: Cat Content ist ein englisches Wortkonstrukt. Beim Schreiben versuche ich unnötige Anglizismen zu vermeiden, Werbesprache und Marketingkampfbegriffe sind mir ein Graus. Trotzdem habe ich mich diesmal ganz bewusst dafür entschieden, von Cat Content zu sprechen. Damit sind Inhalte (content) gemeint, die sich um Katzen (cat) drehen, vornehmlich Videos und Fotos. In den sozialen Medien und auf Youtube gibt es davon jede Menge. Meistens sind es grottenschlechte Fotos und ebenso schlechte Videos, aber sobald eine Katze auf der Bildfläche erscheint, wird der Verstand ausgehebelt. Die sind ja sooooo süüüüß! Der Inhalt wird angeklickt, angeschaut, geteilt und der Gefällt-Mir-Knopf läuft heiß. Bei Katzen wird offensichtlich eine Art Kindchenschema aktiviert, auch bei mir.

Interessanterweise gibt es auch Dog Content, also Inhalte mit Hunden, aber es gibt keinen Horse Content (Pferde) und erst recht keinen Kid Kontent als Begriff. Man findet lediglich "Content for Kids". Damit sind Inhalte gemeint, die für Kinder geeignet sind. Nun würde ich eigentlich annehmen, dass es genauso viele Menschen geben müsste, die Kinder ebenso süß finden wie Katzen. Trotzdem haben die samtpfötigen Vierbeiner im Internet die besseren, nein, die besten Karten. Das mag daran liegen, dass es unverfänglicher ist, Katzen beim Spielen zuzuschauen. Wer sich Kindervideos anschaut, gerät schnell in Verdacht, nicht ganz sauber zu sein.
Ob man eher auf Hunde- oder Katzenvideos steht, hängt davon ab, ob man im realen Leben ein Haustier der einen oder anderen Sorte besitzt. Ich hatte früher zwei Katzen und somit ist klar, welcher Fraktion ich angehöre.

Wenn ich mal schlechte Laune habe, oder eine Aufheiterung brauche, weiß ich, wo ich fündig werde. Meine Lieblings-Internetkatze ist Maru (Mumogu) aus Japan. Im September 2016 hatte diese Katze bei Youtube 325,704,506 Aufrufe angesammelt und erhielt einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. 



Berühmte Katzen gab es schon vor dem Internetzeitalter: Aristocats, Tom und Jerry, Felidae... Ich habe mit den Garfield Comics angefangen, jetzt schlägt mein Herz mehr für Simon's Cat. Der gestiefelte Kater aus dem Zeichentrick-Film Shrek hat die Zuschauer so begeistert, dass er einen eigenen Film bekommen hat. Grumpy Cat ist ein sogenanntes Internet-Phänomen. Die Katze mit mürrischem (grumpy) Gesichtsausdruck hat einen eigenen Agenten, wurde zum Hollywoodstar und ist in einem Wachsfigurenkabinett verewigt.
Gemeinsam haben all diese Katzenfiguren nicht nur, dass sie niedlich oder lustig sind, sondern dass sie ihre Besitzer oder Erfinder unglaublich reich gemacht haben.

Hätten Sie es gewusst?
Bereits vor einigen Jahren machte eine Nachricht die Runde, dass ein selbstlernender Algorithmus von Google Katzen aus einer Liste von 20'000 verschiedenen Elementen wiedererkennen konnte. Dabei hat das Google-Gehirn keinerlei Hilfestellungen bekommen, wie Merkmale identifiziert werden. Diese Fähigkeit hatte es sich selber beigebracht und die Wissenschaftler wussten anscheinend selbst nicht, wie das gelungen war. Womöglich haben sich die Algorithmen an der allgemeinen Vorliebe für Cat Content orientiert. Mittlerweile wird deutlich, wie sehr die künstliche Intelligenz menschliche Programmierungen, also alle menschlichen Vor- und Werturteile übernimmt, und keinesfalls neutral ist.

Ob Sie Katzenvideos lieben oder hassen, ob Sie solche Inhalte oder diesen Artikel nützlich oder total überflüssig finden: es gibt weitaus Schlimmeres, und ein Verbot von Katzenvideos muss wirklich nicht diskutiert werden, oder? ;-)

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