Sonntag, 14. Juni 2026

Schattensponsoring

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#Bäume 

Diese beiden Stadtbäume stehen nicht weit voneinander entfernt, auf einem "ganz normalen" Grünstreifen. Sie sind mir schon mehrfach aufgefallen, weil sie, im Gegensatz zu den meisten anderen deutlich erhöht, und regelrecht auf einem Wurzelpodest stehen. Im direkten Vergleich mit einem dahinter geparkten Kleinwagen ist das besonders gut zu sehen und einigermaßen eindrucksvoll. Ob dieser Wurzelhügel ein gutes Zeichen in Sachen Baumgesundheit ist, ist wieder eine andere Sache. 😟


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#Größenvergleich  #Gegensätze  #Auto  #Baum 

Dass ausgerechnet diese beiden so aussehen, mag daran liegen, dass es sich um Eschen handelt, die anderen Bäume entlang der Straße sind Spitzahörner oder Linden. 

Die zweite Ursache kann sein, dass diese Eschen seit Jahrzehnten weniger Platz für ihre Wurzeln haben und obendrein viel aushalten müssen: Dieses Baumpaar säumt eine Zufahrt, die früher zum öffentlichen Parkplatz am Candidplatz führte. Heute steht auf einem Teil der ehemaligen Fahrzeugabstellfläche eine KiTa, und in der - immer noch bestehenden - asphaltierten Zufahrt halten all die Fahrzeuge, mit denen viele der Kinder morgens an- und abends wieder abtransportiert werden. Viele Kinder kommen aber auch zu Fuß oder im zeitgemäßen Lastenfahrrad. 😉 Die Eschen scheinen sich mit ihrer Lage arrangiert zu haben. 

Bereits vor einiger Zeit hat die Stadt München geprüft, ob sich in der Altstadt  - also in dieser von mir als absolut trostlos empfundenen "City" - mehr Bäume unterbringen lassen. In dieser Altstadt und der Fußgängerzone sind "mehr als 100.000 Passant*innen am Tag unterwegs, und damit liegt München an der Spitze der meistbesuchten Fußgängerzonen Deutschlands. Schatten spendende Bäume gibt es jedoch sehr wenige", heißt es auf der Aktionsseite von schatten-spenden-muenchen.de

Wohl wahr. Man kann sich natürlich auch von einem voll klimatisierten Geschäft zum nächsten durcharbeiten, und kommt am Ende gut gekühlt von A nach B. 😏 Das dabei ausgegebene Geld kommt in Form von Gewerbesteuer der Stadt zugute, und wenn die Haushaltslage wieder besser wird, kann der Stadtrat - vielleicht - doch noch ein paar Verschönerungsmaßnahmen in Angriff nehmen. 

Erfreulicherweise ist man bei der Prüfung zum Schluß gekommen, dass in der City bis zu 150 neue Baumfreunde möglich wären. Um das zu realisieren, wurde die Schatten-Spenden-Aktion ins Leben gerufen. Nachdem wir in Weisswurst City so viele gut Betuchte und Superreiche haben: Könnte man die nicht mal fragen, ob sie eine Baumpatenschaft übernehmen wollen? 😁 

"Ab einer Spende von 5.000 Euro fertigen wir für Sie kostenfrei ein Stifterschild an, mit dem Text „Dieser Baum wurde realisiert mit finanzieller Unterstützung von …. Das Schild wird auf einer Stele vor dem gespendeten Baum angebracht." (muenchen.de, Baureferat

Letzten Endes bestimmt der Stadtrat darüber, wieviel Geld das Baureferat für Baumpflanzungen bekommt, und ich habe schon sehr erzürnte Stimmen gehört, dass der neue Bürgermeister angeblich auch die Allee der Trostlosigkeit zwischen Feldherrnhalle und Siegestor mit Bäumen umsäumen will! 😡 Diese Idee und den Plan sind definitiv nicht neu, siehe weiterführende Links. 😕 

Und was das kostet!
"Eine Baumpflanzung inklusive Herstellung der Pflanzgrube, eines Klimabaums mit einem Stammumfang von 20 bis 30 Zentimetern (gemessen in 1 Meter Höhe) und der mehrjährigen Anwuchspflege kostet ca. 5.000 Euro. Während der Anwuchspflege wird der Baum über einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren nach Bedarf gewässert, bis er ausreichend viele Wurzeln ausgebildet hat und sich eigenständig versorgen kann." (muenchen.de, Stand Juni 2026) 

Vor der OB-Wahl kam die Redaktion von BR24 im Januar 26 noch zu einer ganz anderen Rechnung: "Von den 150 geplanten Bäumen rund um die Fußgängerzone ist bisher gerade mal einer durch die Spendenaktion finanziert", weil ein Baum nicht 5.000 sondern 50.000 Euro kostet?! Ups, ist da ein Komma verrutscht?  Ist der Münchner Baumaufrüstungsplan etwa eine Art Elbphilharmonie? 😨 Ehrlich gesagt: 5.000 Euro für einen Stadtbaum erscheint auch mir ein wenig untertrieben. 😕 Die BILD-Zeitung berechnet sogar 95.000 Euro pro Stück, aber nach deren Rechnung wurden immerhin schon zwei Bäume neue Bdurch Spenden finanziert (Stand April 2026). 

Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! 😜

Wie teuer ist es wirklich, und warum? 
Laut Baureferat liegt es an der sehr aufwendigen Planung und Baudurchführung: "Die Münchner Altstadt sei voller unterirdischer Leitungen, Tiefgaragen, U-Bahn-Tunnel. Je Baum müsse eine Baugrube ausgehoben werden, die so groß ist wie eine Standard-Garage. Die werde dann mit einem Substrat gefüllt, das die Wasser- und Nährstoffversorgung des Baums sichert. Außerdem sei ein spezieller "technischer Wurzelschutz" notwendig. Denn jeden Tag fahren schwere Rettungs- und Lieferfahrzeuge durch die Altstadt und dabei auch über die Wurzeln." (BR24) Ah ja, da haben wir's: Dann sehen die neuen Stadtbäume beizeiten so aus, wie die heute fotografierten?

Angespannte Haushaltslage, und dann Geld für Bäume in den Sand setzen, obwohl es in den Isarauen oder im Englischen Garten schon so viele gibt? München ist insgesamt wirklich ziemlich grün, erfreulicherweise, nur die City hinkt hinterher. Logisch ist auch, dass man Spender*innen total verschreckt, wenn man ihnen verrät, wieviel so ein Stadtbaum wirklich kostet. 😓

Für überschaubare 1.000 Euro könnte man alternativ eine Parkbank stiften, auch nachträglich, wenn man seinen Namen irgendwo in der Stadt hochoffiziell auf Stadtmöblierung geschrieben sehen möchte. Weniger Zahlungskräftige greifen zur Sprühdose... 😒 Spenden und Sponsoring für Spiel- und Bolzplätze sind ebenfalls möglich, vorausgesetzt der Bolzplatz wird nicht vorher von einem Investor plattgemacht und zugebaut. 😏 So manches Schulgebäude wäre ebenfalls förderungswürdiger, und vielleicht ist City-Begrünung auch kostengünstiger zu haben als mit Tiefgaragenbohrungen für Bäume. 

Kennen Sie den Unterschied zwischen Spenden und Sponsoring?

"Sponsoring ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens. Ziel ist es, durch das Sponsoring auch eigene Interessen zu verfolgen und mit Hilfe der gesponserten Projekte medienwirksam an die Öffentlichkeit zu treten. Spender*innen hingegen verfolgen keine eigenen wirtschaftlichen Interessen. Es spielt keine Rolle, ob ihre Unterstützung öffentlichkeitswirksam bekannt wird."

Und somit wäre wieder einmal der Beweis erbracht, dass man in München echte Luxusprobleme hat? 😏 Mal sehen, was wir in fünf Jahren darüber lesen und denken. 

Was ist in Ihrer Stadt oder in Ihrem Ort gerade los? Wie schön oder öde ist das Stadtzentrum? Würden Sie für die Verschönerung etwas spenden, wenn Ihre Kommune klamm ist, und falls ja: welche Projekte würden Sie (zusätzlich zu den Steuern, die Sie ohnehin zahlen) unterstützen? 

Siehe auch: BaumRaum Obergiesing, BaumRaum Untergiesing (1)BaumRaum Untergiesing (2)Schattenspender#Bäume, Ehrenamt, Hübsch hässlichMünchen k(l)otzt, München im WandelBrutalistenpistenRealsatire, Chaos in der CityLanger SamstagMünchen 866FrauenplatzSo nah und doch so fern

Weiterführende Links

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