Freitag, 26. Oktober 2018

Denkste...?















































#Veränderung #Denken #SichNeuErfinden

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Des Kaisers neue Kleider

Kennen Sie das Märchen von Hans Christian Andersen? Es handelt von einem Kaiser, der sich von zwei Betrügern für viel Geld neue Gewänder weben lässt. Diese machen ihm vor, die Kleider seien nicht gewöhnlich, sondern könnten nur von Personen gesehen werden, die ihres Amts würdig und nicht dumm seien. Tatsächlich geben die Betrüger nur vor, zu weben und dem Kaiser die Kleider zu überreichen. Aus Eitelkeit und innerer Unsicherheit erwähnt er nicht, dass er die Kleider selbst auch nicht sehen kann und auch die Menschen, denen er seine neuen Gewänder präsentiert, geben Begeisterung über die scheinbar schönen Stoffe vor. Der Schwindel fliegt erst bei einem Festumzug auf, als ein Kind sagt, der Kaiser habe gar keine Kleider an. Diese Aussage verbreitet sich in der Menge und das ganze Volk eilt herbei, um sich das anzuschauen. Der Kaiser erkennt, dass das Volk recht zu haben scheint, entscheidet sich aber, die Sache durchzuziehen. Er und der Hofstaat setzen die Parade fort. 


Als ich letztes Wochenende an zwei Kästen mit Münchner Tageszeitungen vorbeilief, wurde ich an dieses alte Märchen erinnert. Die grandiosen Schlagzeilen der TZ und der BILD München priesen die Vorteile des Stadtwanderns an, ein ganz neuer Trend, der ähnlich genial ist wie das Waldbaden, über das ich vor kurzem berichtet hatte. Früher nannte man das Spazierengehen oder zu Fuß gehen, aber das ist wohl nicht gemeint. Stadtwandern richtet sich offenbar an ein Zielpublikum, für das Wandern uncool und altmodisch ist. Wer Joggen zu anstrengend findet und keine Lust auf Nordic Walking hat, kann jetzt Stadtwandern. Eine bisher unentdeckte Nische im Reigen der gesunden Freizeitaktivitäten hat sich aufgetan!

Der geneigte Leser erfährt deshalb aus der Tageszeitung, dass er sich beim Stadtwandern bloß nicht überfordern soll, lieber mit kurzen Strecken anfangen möge, dazu gutes Schuhwerk braucht - wetterfeste Kleidung natürlich auch. Absolut wichtig: die Wettervorhersage beachten! Wer hätte das gedacht.

Wenn ich jetzt Harry G. wäre, würde ich ein Youtube-Video drehen und in die Kamera plärren, ob's dene ins Hirn gschiss'n ham?! 

Sind die Leute wirklich so blöd, dass man ihnen per Tageszeitung das Zu-Fuß-Gehen als neuen Trend verkaufen kann? Oder sind moderne Menschen so gelangweilt, dass sie auf wirklich jedes noch so banale Allerweltsthema aufspringen, nur weil es in der Zeitung steht? Gibt es wirklich nichts Wichtigeres als Aufmacher für eine Tageszeitung? Nun ja, am Wochenende sind Themen wie "Die schönsten Ausflüge ins Umland" oder "Münchens beste Biergärten" immer schon beliebt gewesen.

Ich wechsle deshalb zu den Verschwörungstheorien: Könnte dies der Auftakt für eine neue Marketingkampagne sein, deren eigentliches Sinnen und Trachten darin besteht, dem unsportlichen Stadtbewohner Fitnessschuhe und Stadtwanderbekleidung anzudrehen? Oder haben sich die Krankenkassen verbündet, um die übergewichtigen und faulen Couch-Potatos vom Sofa zu holen und die Volksgesundheit mit einfachen Mitteln zu verbessern? Sind hier etwa verkappte Umweltaktivisten am Werk, die das Autofahren subtil bekämpfen? Vielleicht ist es auch ein strategischer Schachzug der Münchner Verkehrsbetriebe, die ihre übervollen öffentlichen Verkehrsmittel entlasten wollen? 

Als ich meiner Mutter von diesen Schlagzeilen berichtete, lachte sie amüsiert. "Weißt du, als die Straßenbahnlinie 1 noch über den Marienplatz fuhr, war sie oft so voll, dass man gar nicht mehr reinkam. Ich bin damals nach Feierabend immer vom Marienplatz bis zum Ostbahnhof gelaufen."

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin absolut dafür, dass viel mehr Menschen viel mehr zu Fuß gehen. Das ist ziemlich gesund, wenn man nicht gerade am Mittleren Ring oder die Sonnenstraße entlangspaziert. Wenn man dazu einen Trend kreieren muss - meinetwegen. Der Zweck heiligt die Mittel. Die Frage ist nur: wer profitiert wirklich vom Stadtwandern?

Eine kurze Recherche zeigt, dass das Thema nicht brandneu ist. Schon vor zwei Jahren hat man versucht, Stadtwandern anzupreisen. "Das Wandern ist des Müllers Lust war gestern. Heute ist Urban Hiking ein Trend", heißt es da auf einer Seite für junge Leute. Medial gestützt wird der Trend von herunterladbaren GPS-Karten fürs Smartphone, damit man sich unterwegs nicht verläuft. Willkommen im 21. Jahrhundert! 

Das Wanderlust-Magazin bringt es schließlich auf den Punkt: "Der Outdoor-Kunde von heute ist technisch wesentlich versierter als früher. GPS-Navigationsgeräte und Actioncams gehören heute zur Ausrüstung dazu. (...) Den typischen Wanderer gibt es nicht mehr – die Zielgruppe ist vielschichtiger geworden. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum die Outdoor-Branche in den letzten Jahren diesen Boom erlebt hat." Diese Marketingleute sind sowas von genial... Hans Christian Andersen könnte ein modernes Märchen schreiben! Ich könnte derweil meine als Schnapsidee klassifizierten Fotofitnesskurse wieder aus der Schublade holen. Frühsport mit der Kamera ist auch ausgesprochen gesund! Kaufen Sie sich dafür eine Actioncam, das macht (Ihren Geldbeutel) garantiert schlank und Sie können beruhigt auf dem Sofa liegenbleiben, weil Sie die Wirtschaft angekurbelt haben.

Des Kaisers neue Kleider: Märchen beim Projekt Gutenberg lesen geht leider nicht mehr, es musste seine Pforten schließen - wieder mal einer dieser unsäglichen Vorgänge...
Der Text ist bei maerchen.com verfügbar.

Freitag, 19. Oktober 2018

Nützlich



























#UrbanGardening  #Upcycling

Samstag, 13. Oktober 2018

Weltverbesserungsquatsch

„Im Kampf gegen den Plastikmüll in unseren Meeren unterstützt uns fast die gesamte Bevölkerung“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze. „Die Vermüllung gefährdet Ökosysteme auf dem ganzen Planeten. Wir müssen daher weltweit überflüssiges Plastik vermeiden und den Rest im Kreislauf halten und recyceln.“ (Quelle: Bild der Wissenschaft)

Als ich das Statement der Ministerin las, drängte sich mir sofort der Begriff "kognitive Dissonanz" auf. Darunter versteht man grob ausgedrückt einen Zustand, in dem Menschen anders handeln als sie eigentlich wollen würden. Oft sind sie sich darüber im Klaren, reden sich die Sache aber irgendwie schön. Am besten erklärt man diesen Fachbegriff aus der Sozialpsychologie mit Beispielen: Eigentlich mögen wir Tiere, aber wir essen sie auf und nehmen es billigend in Kauf, dass sie unter erbärmlichen Bedingungen gehalten und getötet werden. Dass es neuerdings immer mehr Vegetarier und Veganer gibt ist erfreulich und löblich, aber Fleischkonsum ist nur ein Beispiel von vielen. Kognitive Dissonanz ist nichts Böses, sie bewahrt uns im Prinzip erst einmal davor an einem moralischen Dilemma zu verzweifeln.

Beim Plastikmüll läuft es ähnlich: Viele trennen sorgsam die Plastikverpackungen für den gelben Sack oder den Plastikcontainer, "wir Deutsche" sind aber trotzdem Weltmeister im Einkaufen von Waren, die in  eben diesem Plastik verpackt sind. Unlängst gab es deshalb auch eine Initiative, bei der eine Gruppe von Leuten noch im Supermarkt demonstrativ anfing, alles aus- und in mitgebrachte Behälter umzupacken. Mangels sinnvoller Alternativen ist es in einigen Bereichen wirklich schwer, Lebensmittel ohne Plastik zu bekommen. Die sogenannten abbaubaren Bioplastik-Materialien sind noch schlimmer, also auch keine Alternative. Was tun? Omas Einkaufskorb reaktivieren und Glasbehälter mitnehmen, um ökologisch korrekt einzukaufen? Das müsste dann jeden Tag geschehen, weil allein die Behälter so schwer und sperrig sind, dass wir gar nicht so viel kaufen können. Das würde uns der Lösung einen Schritt näherbringen, ist aber völlig unrealistisch. Dazu reicht es, einmal mit offenen Augen durch eine Großstadt zu laufen.

Menschlich mit System
Als die McDonalds Filiale in unserer Straße drei Wochen wegen eines vollständigen Umbaus geschlossen war, waren die umliegenden Straßen so sauber wie noch nie. Meinetwegen hätte der Laden ganz dichtmachen können, aber die meisten Leute lieben es einfach, ihr Fast Food von dort mitzunehmen und den Verpackungsmüll hundert Meter weiter einfach fallenzulassen. Die Mitarbeiter der Filiale rücken auf Geheiß der Anwohner immer wieder mit Eimer und Besen aus, um die Hinterlassenschaften einzusammeln. Auch für die städtische Straßenreinigung ist die ToGo-Kultur ein geniales Beschäftigungsprogramm. Das gleiche gilt für die Wochenzeitungen, die zu 98% ungelesen im Altpapier landen. Wie viele Arbeitsplätze würden verlorengehen, wenn wir das alles nicht hätten...
Es mag schon sein, dass "fast die ganze Bevölkerung" gegen die Vermüllung der Meere ist. Der gute Gedanke wird meist so erfolgreich in die Tat umgesetzt wie die guten Vorsätze, die man fürs Neue Jahr hat. Es ist ja nur dieser eine Kaffeebecher, andere holen sich jeden Tag drei. Kognitive Dissonanz.


Wir sind machtlos!?
Eigentlich wollen wir keine Kleidung oder Geräte kaufen, deren Herstellung unter menschenunwürdigen Bedingungen stattfindet, wir wollen keine Tiere quälen, wir wollen keinen Plastikmüll und keine Umweltverschmutzung, wir wollen keinen Krieg und so weiter - und trotzdem haben wir das alles. Die einen sagen "es liege einfach in unserer menschlichen Natur", andere fühlen sich schuldig, "weil wir als Verbraucher die Macht haben" - das wird uns jedenfalls suggeriert. Selbst wenn wir alles daran setzen, uns so korrekt wie möglich zu verhalten, werden wir das Gefühl nicht los, dass es nicht viel bringt. Ein Skandal jagt den anderen. Es fühlt sich an wie beim Märchen vom Hasen und vom Igel, ein Wettlauf, den wir anscheinend nicht gewinnen können.

 
Wir trennen den Müll, kaufen die teuren Bio-Eier nur um zu erfahren, dass sie womöglich gar nicht Bio sind und noch dazu  mit irgendeinem Gift verunreinigt waren. Dann decken findige Journalisten auf, dass die sogenannte zertifizierte Ware in den gleichen Fabriken hergestellt wird, wie die vom bösen No-Name Label  - das kann doch nicht wahr sein!

Sollen wir es einfach sein lassen?
Die ganzen Bewegungen, die sich um Verbesserungen bemühen, haben insgesamt dazu beigetragen, dass ein neues Bewusstsein entsteht und dass es immer wieder - wenn auch kleine - Fortschritte gibt. Die Politik wird unsere Probleme kaum lösen und es wird auch kein Retter auftauchen, der einmal mit dem Finger schnippt und alles ist perfekt. Wir sind und bleiben auf uns selbst gestellt. Wenn wir vor der eigenen Haustür mit dem Kehren anfangen, ist schon viel gewonnen. Wer kehren will, soll kehren und die anderen einfach sein lassen wie sie sind. Leicht gesagt, wenn wieder einer seinen Plastikbecher in den Garten schmeisst oder an den Zaun pinkelt.

Die Summe der Leiden in der Welt bleibt immer konstant,
so lautet ein Spruch aus dem Buddhismus. Nach langer und intensiver Beobachtung der Welt komme ich zum vorläufigen Schluss, dass er wahrscheinlich stimmt. Es tut sich viel Gutes, aber es passiert auch ganz viel Mist. Manchmal glauben wir Gutes zu tun und verursachen dadurch neue Probleme oder Leid, ohne es zu wissen. Atomkraft war auch mal der neue heiße Scheiß, bis man herausgefunden hat, welche Nebenwirkungen dabei entstehen. Die Elektromobilität ist beispielsweise auch eine wenig durchdachte Angelegenheit. Meist ändert der zeitliche Kontext die Perspektive auf negative und positive Entwicklungen. Unsere Lebenserwartung ist heute höher denn je, wir können dank moderner Medien weiter in die Vergangenheit schauen und wir haben mehr Informationen. Trotzdem können wir nicht alle Folgen unseres Handelns vorhersehen. Nach bestem Wissen und Gewissen handeln ist die einzige Richtschnur, an der wir uns jeden Tag orientieren können. Das ist immerhin gut fürs Gewissen - ob es die Welt besser oder schlechter macht, sei dahingestellt. Panikmache und Missionierungseifer brauchen wir nicht. Die Informationen, die wir erhalten, sind fast immer selektiv und / oder widersprüchlich. Es wird immer Menschen geben, die wirklich keine Ahnung oder eine komplett andere Meinung haben, und solche, denen alles am Allerwertesten vorbeigeht. Manchmal scheint es so, als seien die Zeitgenossen, die sich am wenigsten Gedanken machen, die besseren Lebenskünstler.

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt ist ein anderes Zitat, das mir immer gut gefallen hat. Mehr ist nicht zu tun. Und wenn es zum Mittagessen eine Leberkassemmel sein muss, oder ein Burger, dann mit vollem Bewusstsein. Sogar der Dalai Lama isst Hühnchen. Kognitive Dissonanz? ;-)

Utopia.de: 14 Tipps für weniger Plastik
Zeit online: Mythen rund um die Mülltrennung
 

Dienstag, 9. Oktober 2018

Am Wegesrand





















Und was machen Sie so, wenn Sie in einem Straßencafé sitzen?


#Kontemplation    #5Minuten   #vorher-nachher