Mittwoch, 20. Februar 2019

Michelangelo, der Straßenkehrer





























Auf dem Weg ins Büro gab es heute mal wieder einen dieser besonderen Momente. Ich beobachtete einen älteren Mann, der sich am Straßenrand bückte, abgerissene Zweige aufsammelte und das Totholz in die Büsche warf. Ein Radfahrer raste auf ihn zu, legte eine Vollbremsung hin und rief ihm zu: "Unglaublich, wie toll Sie hier saubermachen - danke!" Dann wendete er sein Rad und fuhr in die Gegenrichtung davon. Er hatte also extra einen Umweg gemacht, um dem Straßenkehrer seinen Respekt auszudrücken. Das kleine Kehrfahrzeug stand zweihundert Meter weiter hinter einer Wegbiegung. Man kann in diesem Bild sehen, dass dieser Straßenkehrer wirklich richtig saubergemacht hat. 

Mir kam dabei ein Zitat von Martin Luther King in den Sinn:

Welcher Arbeit Sie auch in Ihrem Leben nachgehen, machen Sie sie gut. Wenn Ihre Aufgabe darin besteht, die Straßen zu fegen, dann fegen Sie, wie Michelangelo malte, wie Shakespeare Gedichte schrieb und wie Beethoven komponierte. Fegen Sie die Straßen so, dass all die himmlischen und auch die irdischen Heerscharen innehalten und sagen: Er lebte als ein großer Straßenfeger und er hat seine Arbeit gut gemacht.

Genauso #beeindruckend war der junge Mann auf dem Fahrrad, der das gesehen und sich ein Herz gefasst hat, diese Arbeit zu würdigen. Gerne mehr davon!

#Weltverbesserung   #Alltag  #Würde  #Respekt

Sonntag, 17. Februar 2019

Nervenzerreissend gruslig!

Ich seh Ich seh ist ein österreichischer Film aus dem Jahr 2015, den man wirklich als Horror-Schocker bezeichnen kann. Wenn Sie Shining kennen und diese Art von Psycho-Grusel mögen, dann ist das genau das Richtige für Sie. Schon in den ersten Minuten, in denen kein einziges Wort gesprochen wird, kriecht einem die Gänsehaut langsam aber sicher den Rücken hoch.


Worum geht's?
Die zehnjährigen Zwillinge Elias und Lukas verbringen den Sommer in einem einsamen Haus zwischen Wald und Feldern. Ihre Mutter kehrt von einer Schönheitsoperation nach Hause zurück, ihr Gesicht ist stark bandagiert und sie verhält sich sonderbar streng und abweisend. Die Zwillinge beginnen an der Identität ihrer Mutter zu zweifeln und werden immer misstrauischer. Schließlich sind sie fest davon überzeugt, dass ihre echte Mutter von einer Zwillingsschwester ersetzt wurde, und wollen die verhasste Fremde mit drastischen Mitteln dazu bringen, den Aufenthaltsort ihrer wahren Mutter preiszugeben.

Produziert wurde der Film von Ulrich Seidl, der selbst als Filmregisseur und Drehbuchautor einige abgründige Werke geschaffen hat. Sein Dokumentarfilm Im Keller war meine erste Begegnung mit Seidls Arbeiten. Darin zeigt er kommentarlos verschiedene österreichische Protagonisten in deren Kellern (...) und lässt nur sie vor der Kamera sprechen. In der Darstellung des Ambiente arbeitet er nach meiner Auffassung eher wie ein klassischer Fotograf: Jede Einstellung könnte auch ein Foto sein. Diese Ästhetik ist in Ich seh Ich seh nicht ganz so stark, aber deutlich wiederzuerkennen. 
Die Einstellungen sind sehr präzise und bildgewaltig, mit ihrer Symbolik dringen sie tief ins Unterbewusstsein des Zuschauers ein. Das geht wirklich unter die Haut! Verstärkt wird diese Wirkung durch die akustische Untermalung. Es gibt keine Action-Szenen, phasenweise wird kaum gesprochen. Man schaut einfach nur gebannt zu, wie sich das Drama allmählich zuspitzt und eine Brutalität entwickelt, die man den Protagonisten nicht zugetraut hätte. Die finale Auflösung ist schlüssig und letztendlich versöhnlich, wenngleich man den Figuren dieses Ende nicht gewünscht hat. 

Zusammenfassung
In meiner persönlichen Filmbewertung vergebe ich maximal fünf Sterne. 
Story: ist die Geschichte interessant, sind die Handlung und die Figuren schlüssig, gibt es unerwartete Wendungen? Action: Die hier gezeigten Sterne sagen etwas darüber aus, ob es viele Verfolgungsjagden, geschredderte Autos, Stunts und dergleichen gibt. Brutalität: je mehr Sterne hier zu sehen sind, desto mehr muss man sich auf Gewaltszenen wie Schießereien, Kämpfe, Blut, körperliche Gewalt, Folter einstellen. Nackte-Haut-Faktor: Sagt etwas darüber aus, ob es viele oder sehr explizite Erotikszenen gibt.

Story: * * * * *
Action:  -
Spannung: * * * * *
Gruselfaktor/Psychologie: * * * * *
Brutalität:  * * *
Nackte-Haut-Faktor: minimal

FSK16 ist angemessen. Der Film ist nichts für zarte Gemüter!

Wenn Sie den Film NICHT sehen wollen, weil Sie Horrorfilme generell nicht mögen, können Sie bei Wikipedia den gesamten Handlungsverlauf nachlesen

Falls Sie neugierig geworden sind, finden Sie bei Youtube den Offiziellen Filmtrailer.
Bei Youtube gibt es auch eine Bezahlversion, mit der Sie sich den ganzen Film online anschauen können (3,99 EUR).  

Wer eine DVD oder Blu-ray sucht, wird bei Amazon fündig. 

Weiterführende Links:



Freitag, 15. Februar 2019

Wegbegleitung





























#Entscheidungen  #Herz  #Lebenswege

Dienstag, 12. Februar 2019

Sleepshirt oder Businessjogger?


Ein sogenannter Smart Shopper ist ein Konsument, für den bei der Auswahl von Produkten sowohl Preisvorteile als auch Qualität wichtig sind. Damit unterscheidet sich dieser Typus vom  Schnäppchenjäger, der grundsätzlich nach Angeboten im untersten Preissegment sucht. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat herausgefunden, dass 25 % der deutschen Gesamtbevölkerung dieser für das Marketing wichtigen Zielgruppe angehören. 

Das Marketing ist es auch, das uns stets mit kreativen Wortneuschöpfungen beglückt, die meistens der englischen Sprache entlehnt sind. Deshalb klingt alles so modern, so neu und so einladend! Come in and find out... (Douglas). Der Muttersprachler bricht in schallendes Gelächter aus. Wenn Sie nicht wissen warum, folgen Sie dem Link am Ende der Seite. Bei so viel Begeisterung für die englische Sprache verstehe ich überhaupt nicht, warum es im deutschen Wortschatz immer noch kein Äquivalent für den Schnäppchenjäger gibt! Bargain hunter wäre eine korrekte Übersetzung, aber das ist wahrscheinlich zu schwierig.

Photo by Artem Bali on Unsplash

Besonders spannend sind für mich die wöchentlichen Newsletter der beiden großen Discounter-Ketten. Da kann man sich die ganzen lästigen Werbebeilagen, die der Hausmeister regelmäßig in die Altpapiertonne wirft, mit einem Mausklick auf den Bildschirm holen. Dort erfährt man wirklich, ob die Kartoffeln diese Woche günstiger zu haben sind, oder welches Obst gerade Saison hat. 
Allerdings sind derlei Banalitäten nicht das Hauptanliegen solcher Werbemails. Sie informieren vielmehr über die anderen schönen Dinge, die man bei den Discountern besonders günstig erwerben kann: Aktionsprodukte wie Matratzen, Aktenvernichter, Elektronikgeräte und dergleichen mehr. Schon seit längerem gibt es in diesen Superdupermärkten auch Bekleidung. Einer der beiden hat sich mit der Supermodel Heidi eine eigene, exklusive Modelinie zugelegt. Ob man das mag oder nicht ist jedem selbst überlassen. Was mich immer wieder fasziniert, sind die Produktbezeichnungen.

Während man über die impidimpi Kleinkinder-Nachtwäsche noch schmunzeln kann, wirft das Skin-to-Skin Langarm Sleepshirt doch gewisse Fragen auf. Was bedeutet Haut-zu-Haut und warum ist es kein Longarm Nachthemd? Würde es sich als Skin-to-Skin Longarm Sleepshirt schlechter verkaufen? Hat man deshalb das Wort Langarm dringelassen, oder hat ein unachtsamer Praktikant nur einen Tippfehler gemacht? Fragen über Fragen...

Nachthemd oder Jogginghose?
Welcher modebewusste Schläfer trägt heute noch ein Nachthemd? Das ist nur etwas für die Generation Ü80, das Wort ist echt peinlich. Ich weiß nicht, welches Bild Sie vor Augen haben, wenn Sie Nachthemd hören. Ich denke an die gezeichneten Figuren von Wilhelm Busch. In meinem Bild hat der alte Mann im Nachthemd eine Meerschaumpfeife in der Hand, trägt eine Schlafmütze auf dem Kopf und im Hintergrund sieht man einen Nachttopf. Um diese völlig überholten Vorstellungen aus dem vorletzten Jahrhundert aus den Köpfen zu vertreiben brauchen wir neue und modernere Ikonen. Deshalb trägt man heute ein Schlafshirt. Mit so einem einem Schlafhemd kann man die Schäfchen vor dem Einschlafen bestimmt viel besser zählen. Ob das Institut für Demographie schon mal erforscht hat, wie viele Menschen in Deutschland gänzlich unbekleidet schlafen? Einen Markt für Nachthemden aller Art scheint es jedenfalls noch zu geben, anders lassen sich die Skin-to-Skin Produkte nicht erklären. (Ich frage mich immer noch, was die damit meinen.)

Die Jogginghose hat ein ähnlich trauriges Schicksal erfahren wie das Nachthemd, dabei ist sie noch gar nicht so alt. Joggen geht mit so einer Beutelhose keiner mehr. Wie sieht das denn aus? Jogginghosen, vor allem die mausgrauen sind echt retro. Ich glaube die waren in den 1980ern modern? Sie werden es nicht glauben, aber diese Dinger gibt es immer noch! Einige sehen sogar genauso aus wie damals. Eine Zeitlang konnte man diese bequemen Hosen mit Gummizug unter Begriffen wie "Freizeithose" oder "Wellness-Hose" erwerben, aber auch das ist schon wieder out. In der Freizeit trägt man entweder eng anliegende Funktionskleidung, weil man ja super sportlich ist, oder man greift zur Outdoor- oder Kargo-Hose
Als ich einen der letzten Newsletter überflog und mir die ganzen hübschen Produktabbildungen anschaute, sah ich genau die Freizeithose, die ich grundsätzlich trage, wenn ich zuhause auf dem Sofa faulenze. Natürlich ist sie schwarz und das Material sieht vergleichsweise elegant aus. Zu meiner großen Überraschung las ich in der Überschrift, dass es sich bei diesem Produkt jetzt um einen "Businessjogger" handelt. Ja wow, wenn das kein angemessenes Upgrade für mein Couch Potato Outfit ist!

Sie verstehen gar nichts mehr?
Dann würde ich sagen: lernen Sie erst mal Englisch, sonst können Sie beim Shoppen überhaupt nicht mitreden! Falls Sie wissen, was Skin-to-Skin bedeutet, schreiben Sie mir bitte. Diese Wissenslücke muss geschlossen werden, ich habe hier schließlich einen Bildungsauftrag. Sollten Ihnen beim smarten Shoppen oder beim Schnäppchenjagen weitere wunderbare Wortkreationen begegnen, lassen Sie es mich ebenfalls wissen, damit ich meinen Wortschatz stets erweitern kann.

Wirtschaftswoche: Die absurdesten Werbesprüche (bis 2012)



Freitag, 8. Februar 2019

Manche mögen's wild


















































#Freiheit  #Angst  #Feigheit  #Losgeht's  #Lebenstraum