Donnerstag, 20. Oktober 2016

Als ich zehn war (Blogparade)

Zwetschgenmann Lutz Prauser lädt ein zur Blogparade "Als ich zehn war"... Es war Raimund Verspohls Beitrag über seine Zeit als "Analogue Native", der mich zu diesem Beitrag inspiriert hat.
    Mit zehn Jahren fängt – fast – ein anderes Leben an. War das so?, fragt Lutz Prauser.
      Absolut: Ein radikaler Einschnitt.
      Als ich zehn war, änderte sich in meinem Leben so ziemlich alles. Zwei Wochen vor meinem zehnten Geburtstag kam mein Bruder* auf die Welt. Aus war's mit der Ruhe. Ich bekam zwar das größere der beiden Kinderzimmer, aber die Lärmquelle direkt nebenan wurde für mich in den darauffolgenden Jahren zu einer permanenten Folter. Sorry, Bruder, du konntest nichts dafür. Dass du heute Musiker bist, freut mich übrigens sehr :-) Das Timing damals war unglücklich und die Rahmenbedingungen eher schlecht.
      * Korrekt formuliert müsste ich "Halbbruder" schreiben, aber wir sind zusammen aufgewachsen, also ist er mein Bruder. Fertig, aus.

      Es heißt, dass die Babyboomer Glückskinder seien. Solche Verallgemeinerungen schätze ich nicht so sehr. 1964 war der geburtenstärkste Jahrgang mit durchschnittlich 3718 Geburten in Deutschland pro Tag. Folglich wurde diese Monster-Generation auch gleichzeitig eingeschult. 1974 besuchte ich die vierte Grundschulklasse einer Schule, die nur 100 Meter von unserer Wohnung entfernt lag. Wir lebten in Haar bei München in einem aus dem Boden gestampften Neubaugebiet der "Neuen Heimat" - Wohnblöcke im Stil der frühen Siebziger. Das hatte damals noch keinen unangenehmen Beigeschmack, es waren die modernsten Wohnungen im Ort, groß und bezahlbar.

      37 Schüler - beim Fototermin fehlten einige.
      Während des Jahres kamen neue dazu, andere gingen.

      In der neu eröffneten Grundschule waren Klassenstärken mit vierzig Schülern und mehr ganz normal. Der Lärmpegel und die bedrückende Enge in den Klassenzimmern waren sicher auch Ursachen dafür, dass ich nicht gern zur Schule ging. Jedenfalls meldete ich mich so oft wie möglich wegen Übelkeit und Kopfschmerzen krank. Meine schulischen Leistungen waren entsprechend mittelprächtig. Dass ich den Übertritt ins Gymnasium trotzdem schaffte, war nur der sehr engagierten Klassenlehrerin zu verdanken, aber auch dem Druck, den meine Mutter damals auf mich ausübte. Es war der Klassiker: Den Kindern soll es später besser gehen, als den Eltern, also ab aufs Gymnasium!

      Donnerstag, 6. Oktober 2016

      #marketingfuzzidummsprech
















      Als ich dieses Plakat sah, hatte ich fertig.

      Unlängst habe ich gelernt, dass man heutzutage kein Angebot mehr abgibt, sondern an einem "Pitch" teilnimmt. Das ist wieder so ein Wort, bei dem mir die Haare zu Berge stehen. Ja, ich benutze auch englische Wörter, und das nicht zu knapp. Computer, Tablet, Smartphone - alles Englisch. Ich bin wirklich die Letzte, die damit ein Problem hat.

      "Pitch" und "Bitch" klingen ziemlich ähnlich, ob das ein Zufall ist? Also nicht verwechseln und deutlich sprechen! Googeln Sie mal nach der Übersetzung, falls Sie des Englischen nicht mächtig sind...

      Da fällt mir Leonardo di Caprio in Bestform ein: The Wolf of Wall Street. In diesem Film gibt es eine Szene, bei der Sie an das schöne Marketingwort "Elevator Pitch" denken und es nie mehr vergessen werden. Im Trailer sieht man diese Szene nicht, der ganze Film dauert knapp drei Stunden. Wer ihn bis zum Ende durchhält, wird womöglich ganz laut "Tschakka!" rufen und zum nächsten Pitch rennen. Ich wollte daraufhin meine Motivationsbücher aus den 1990er Jahren im Altpapier entsorgen, aber wie sich im Herbst 2018 herausstellen wird, wäre das keine gute Idee gewesen. Die Motivationstrainer sind wieder im Anflug. Hoffentlich richten Sie diesmal nicht den gleichen Mist an wie vor zwanzig Jahren!


      Nicolai Goschin schreibt auf medium

      Fuck off, Pitches!