Wir wollen Sie gesund...























In München/Obergiesing gibt es auf einer Strecke von ca. 800 Metern sage und schreibe zehn (!) Apotheken. Man muss rein rechnerisch nicht weiter als 80 Meter laufen, um sich mit legalen bzw. verordneten Drogen einzudecken. Das ist GUT, wenn man vor sich hin kränkelt oder dringend eine Nachtapotheke sucht. Zum Bäcker ist es weiter. Leider. Der letzte selbständige Bäckerladen, der nicht Teil einer größeren Bäckerei-Kette ist, hat vor ein paar Monaten zugemacht - hat sich nicht mehr getragen. Aber dafür können sich drei bzw. vier Apotheken im Radius von weniger als 200 Metern halten. Wie geht das???

Vor ein paar Monaten wurde wieder mal ein Laden frei. Ganz früher war dort ein Waschsalon, dann kam eins dieser dubiosen Matratzengeschäfte. Auch die Frage, wie viele Matratzen der Durchschnittsdeutsche in einem Leben kauft, hat mich angesichts der vielen einschlägigen Läden oft beschäftigt. Es hat mich beruhigt, dass sich dieses Matratzenlager nicht lange halten konnte. Mein Verdacht, dass es sich um eine Geldwäscheanlage handeln könnte, hat sich also nicht bestätigt. Natürlich war ich tierisch neugierig, was nach mehreren Monaten Leerstand in den schönen großen Laden einziehen würde. Jetzt ist es raus:

Ja! Es ist die elfte Apotheke, auf die wir alle gewartet haben. Die zwölfte bekommen wir, wenn der AGFA-Park fertig wird. Natürlich bekommen wir dann auch ein drittes Ärzte-Zentrum. Die einzige Branche, die da noch mithalten kann, sind die Friseure. Davon gibt's ähnlich viele. Das kann noch irgendwie verstehen, denn beim Waschen - Föhnen - Legen gibt's dramatische Qualitätsunterschiede. Aber bei Medikamenten?

Muss ich aus der Apothekendichte die dramatische Schlussfolgerung ziehen, dass sich die Mehrheit aller Menschen von Arzneimitteln ernährt? Sind Apotheken wichtiger als Bäckereien? Offensichtlich.

Vielleicht hat sich aber auch der Slogan "Wir wollen Sie gesund" bewährt. Je mehr Arzneien, desto gesünder? Was würde wohl passieren, wenn alle so gesund wären, wie der Slogan es preist? Bräuchten wir dann noch Medikamente?
Nein, 90% der Apotheken müssten dichtmachen. Wir hätten noch mehr leerstehende Läden und arbeitslose Akademiker. Das kann natürlich niemand wollen. Deswegen müssen wir weiterhin viele Medikamente kaufen, damit wir gesund bleiben... Wohl bekomm's!

Hübsche kleine Läden - Wunschdenken!?
Bei den irrsinnigen Ladenmieten sind kleine Geschäfte mit individuellen Ideen kaum noch möglich. Meine/unsere Kaufgewohnheiten erledigen den Rest. Ich streue also auch Asche auf mein eigenes Haupt und gelobe Besserung. Ich werde wieder häufiger in der Käse-Alm vorbei schauen. Der abgepackte Supermarktkäse kann da eh nicht mithalten. Die Beratung ist immer genauso exzellent wie die Produkte. In den Seitenstraßen der Apotheken-Allee gibt's außerdem ein paar tolle Cafés, z.B. das Kaffee Sonnenschein und Café Edelweiß. Die beste Pizza in Obergiesing gibt's bei Cannova und von März bis Oktober ist Eis essen ein MUSS bei Riviera. Im kleinen Obstladen neben dem Stadtteilladen kosten die frischen Vitamine etwas mehr als im Supermarkt, aber auch hier zählt etwas anderes: Persönliche Beratung, individuelle Mengen.

Besonders schön finde ich auch den Flohmarkt-Trödel Hoibe-Hoibe. Von so etwas dürfte es mehr geben... Dafür hätte ich auf die elfte Apotheke liebend gern verzichtet.

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