Montag, 12. März 2018

Buchgestöber

Haben Sie auch ein oder mehrere große Bücherregale, die aus allen Nähten platzen? Meine Regale waren immer schon reichlich bestückt. In zwei Reihen hintereinander tummeln sich vor allem Sach- und Fachbücher, Bildbände, ein paar Klassiker in grellem Gelb und ein wenig Belletristik. Von Romanen kann ich mich relativ leicht trennen, weil dann wieder Platz im Regal wird. Die gesammelten Werke von Jules Verne habe ich genauso verschenkt wie das 24-bändige Meyer'sche Lexikon, das mit der schnell wachsenden Wikipedia nicht mehr Schritt halten konnte. Auch die technischen Fachbücher veralten, das geht heute noch viel schneller als vor zwanzig Jahren. Besonders schlimm ist es bei Software-Handbüchern, die meist schon nach einem Jahr aktualisiert werden müssen.

Aber da gibt es noch all diese anderen schönen Bücher, denen etwas Zeitloses anhaftet. Manchmal greife ich ins Regal und blättere die "alten Schinken" durch. Michael Ende's Momo ist für mich dabei genauso zeitlos wie Grimm's Märchen oder Die Lehren des Buddha, die mein Mann vor etwa zwanzig Jahren mit in den Haushalt gebracht hat. In den frühen Nullerjahren hatte ich einige tolle Bücher auf meiner damaligen Homepage empfohlen, und ich war neugierig, ob es diese Titel noch gibt. Ja, einige Exemplare sind - gebraucht - sogar noch zu einem günstigen Preis* erhältlich. Mit einem zeitlichen Abstand von etwa fünfzehn Jahren finde ich dieses Buch immer noch empfehlenswert:

Atlas der Erlebniswelten

Wer den "Atlas der Erlebniswelten" aufschlägt, denkt zunächst, er habe einen ganz normalen Atlas in der Hand. Landkarten, wie man sie aus dem Schulunterricht kennt. Doch die Reisen, die man mit diesem Atlas unternimmt, führen in eine andere, eine neue und doch unbekannte Welt - die Welt unserer Gedanken und Erlebnisse. Unsere innere Welt wird auf einmal darstellbar: Namen von Orten, Flüssen, Bergen und Tälern sind ersetzt durch vertraute Begriffe aus unserem Denken, Handeln und Erleben: Topographische Begriffe bekommen eine symbolische Bedeutung.


Berge von Arbeit müssen überwunden werden, um ans Meer der Möglichkeiten zu gelangen - vielleicht durchqueren wir aber auch das Meer der Ruhe, wandern durch geheimnisvolle Wälder und gelangen in eine Stadt des Wissens, wo wir alles finden, was uns bisher gefehlt hat... So alt wie die Menschheit ist der Wunsch zu wissen, wo wir uns befinden, wo wir hergekommen sind und wo unser Weg hinführt. Der Atlas der Erlebniswelten kann Wunder wirken - oder einfach nur Spaß machen, weil er die Phantasie beflügelt.

Eine derartige Landkarte läßt sich beispielsweise im Firmenkontext einsetzen. Eine Übung ist es, im Team eine Landkarte zu entwerfen, wo sich die Abteilung/Firma (im Geiste der Mitarbeiter) befindet: 
  • Wie sieht der (imaginäre) Firmensitz aus? Ist es ein großer repräsentativer Palast oder eine kleine Hütte mit Strohdach, wo es hineinregnet? 
  • Ist die Firma auf einem Hügel lokalisiert oder in einem engen Gebirgstal, in das die Sonne nur zweimal im Jahr vordringt? 
  • Wie ist die Verkehrsanbindung?
  • ...
Natürlich geht es bei solchen Visualisierungsübungen nicht um die reale Firma, die sich vielleicht im Zentrum Frankfurts befindet, sondern darum, wie die Leute sie imaginieren. Wenn die Mitarbeiter ihre Firma als finstere Bruchbude am Ende der Welt lokalisieren, die von einem obskuren Finsterling geleitet wird, der immer nur bei Vollmond durch die eisigen Hallen geistert, dann  kann man sich überlegen, welche Maßnahmen so einen Laden wieder auf Vordermann bringen...

Derlei Trainings gibt es im Unternehmensumfeld kaum noch, aber die Übungen sind heute genauso wertvoll wie damals. Wie steht es um Ihre Vorstellungskraft? Wenn Sie den "Atlas der Erlebniswelten" nicht mehr bekommen, können Sie auch Ihre eigenen Landkarten skizzieren.
  • Wo befindet sich Ihr Haus in diesem Atlas? 
  • Würden Sie gerne umziehen und wenn ja: wohin?
  • Welcher Weg liegt vor Ihnen? 
  • Wenn der kürzeste Weg zu beschwerlich oder unmöglich ist, welche Umwege könnten interessant sein?
Begeben Sie sich auf eine phantasievolle Entdeckungsreise!

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*Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch kurz erklären, warum manche Bücher zu einem unglaublich hohen Preis angeboten werden. In Deutschland gilt prinzipiell die Buchpreisbindung, das heißt, Bücher dürfen nicht über (und eigentlich auch nicht unter) dem vom Verlag festgesetzten Preis verkauft werden. Diese Preisbindung gilt nicht für sogenannte Mängelexemplare, die man immer schon sehr günstig erwerben konnte. Die Preisbindung kann aber auch vom Verlag aufgehoben werden, zum Beispiel wenn das Buch schon länger als 18 Monate im Handel ist, oder wenn es nicht mehr nachgedruckt wird. Besteht eine große Nachfrage nach so einem Buch, wird es zu einer Rarität und sein Wert und der Preis gehen nach oben.

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