Freitag, 18. September 2026

Hexennuss

26 mm | 1/120 s | f2,2 | ISO 100 | Smartphone

#Haselnuss  #Botanik  #minimalistisch
#Bäume  #Stadtbaum  #Früchte
#Herbst2026

Ich weiß nicht, ob Sie so ein wild geformtes Ding schon einmal gesehen haben. Es wirkt fremdartig, vor allem, wenn mitten auf einem grauen Straßenpflaster plötzlich Dutzende dieser Aliens herumliegen. 👽 
Dass sich in deren Innerem Haselnüsse befinden, wissen vermutlich die Wenigsten. Mir war so ein seltsames Wesen schon vor Jahren am Rande eines Kleingartens begegnet. Was so spannend aussieht, verdient eine genauere Untersuchung, und ist mir natürlich immer ein Foto wert. 📷😃
Anhand der damals deutlicher sichtbaren und eindeutig als Haselnuss identifizierbaren Kerne musste ich nicht im Internet recherchieren. Heute habe ich es getan, denn als Gscheidhaferl wollte ich es genauer wissen, und mich zudem schlau machen, damit ich Ihnen keinen Quatsch erzähle. 😅

KI sei Dank: Es handelt sich um die Früchte einer Baum-Hasel, die auch als Türkische Hasel (Corylus colurna) bezeichnet wird.  

Unsere heimische Haselnuss wächst als Strauch und hat meist größere Früchte, die man auch sofort erkennt. Die Baum-Hasel wiederum besitzt einen stattlichen, geraden Stamm mit einer dichten, kegelförmigen Krone und kann zwanzig Meter hoch werden. Darum erkennt man sie im Sommer auch nicht als Hasel. Nun stehen diese Bäume vermehrt auf urbanen Plätzen und an Straßen, und dafür gibt es gute Gründe: Die Baum-Hasel gehört zu den wichtigsten „Zukunftsbäumen“ für den städtischen Raum. 😲🌳

Coole Pflanze! 😎

"Hitzebeständig und trockenheitsresistent: Im Zuge des Klimawandels leiden viele klassische Stadtbäume (wie Linden oder Ahorne) unter den heißen, trockenen Sommern. Die Baum-Hasel stammt ursprünglich aus Südosteuropa und Kleinasien. Sie übersteht lange Dürreperioden und starke Hitze problemlos, da sie tiefe Wurzeln schlägt und Wasser gut erreichen kann. 

Robust gegen Abgase und Streusalz: Urbane Böden sind oft verdichtet, nährstoffarm und im Winter mit Salz belastet. Die Baum-Hasel ist extrem anspruchslos, verträgt die schadstoffreiche Stadtluft (Immissionstoleranz) und kommt mit den schwierigen Bedingungen am Straßenrand zurecht.

Kein „Ausläufer“-Wuchs: Im Gegensatz zum heimischen Haselstrauch neigt die Baum-Hasel nicht dazu, ständig neue Triebe aus dem Boden zu bilden. Sie wächst von Natur aus einstämmig, was sie ideal für Gehwege und Verkehrsinseln macht, da sie die Sicht nicht versperrt. 

Schatten und Lärmschutz: Mit ihrer sehr dichten, dunkelgrünen Belaubung wirft sie an heißen Tagen tiefen Schatten, kühlt Plätze ab und dämpft den Umgebungslärm. 👍

Übrigens: Die kleinen Nüsse im Inneren der fransigen Hülle sind essbar und schmecken sehr gut – allerdings ist die Schale extrem dick und hart, weshalb sie von Menschen in der Stadt selten gesammelt werden, aber für Eichhörnchen und Vögel eine tolle Nahrungsquelle sind. (In der Tat konnte ich das vor Ort beobachten, obwohl die abgefallenen Früchte noch nicht ganz ausgereift waren. 😊)

Der Name „Hexennuss“ leitet sich von der auffälligen, wilden Optik der Fruchthüllen ab. Wenn die Fruchtbecher im Spätsommer und Herbst austrocknen, verholzen sie und verfärben sich braun. Die tief eingeschnittenen, extrem langen und oft wild durcheinandergebogenen Hüllblätter erinnern dann an zerzauste Haare oder Krallen, was den Menschen in der Volksmythologie sofort Assoziationen zu Hexen, Fabelwesen oder kleinen Monstern bescherte. 👾

Spannenderweise gibt es im Volksglauben noch zwei weitere Gründe, warum der Name so gut passt: Der magische Haselstrauch: Schon unsere heimische Haselnuss galt im alten Volksglauben als Schutzbaum gegen Hexen, Blitze und böse Geister. Traditionell wurden aus Haselzweigen auch Wünschelruten gefertigt. Die Baum-Hasel hat diese „magische“ Verbindung durch ihren Namen und ihr bizarres Aussehen quasi im Doppelpack geerbt. 

27 mm | 1/210 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone

Der Name wurde vor allem durch die Aquaristik Szene 😲🐠 richtig populär gemacht, denn diese getrockneten Fruchtstände sind eine beliebte, natürliche Dekoration für Aquarien, insbesondere für Garnelen- und Nano-Becken. Sie dienen kleinen Tieren als Versteck und Klettermöglichkeit und geben zudem wertvolle Huminstoffe an das Wasser ab, die das Wohlbefinden der dort gehaltenen Wasserbewohner unterstützen. 
Händler suchten nach einem griffigen, fantasievollen Namen für diese bizarren Deko-Objekte, wodurch sich der Begriff „Hexennuss“ im deutschen Sprachraum fest etabliert hat." (Google KI)

Natürlich gibt es auch Kritik an der Pflanzung dieser Haselbäume, weil es sich nicht um eine einheimische Art handelt. NaturaDB schlägt unter anderem den klassischen Haselstrauch, die Hainbuche oder Eiche als Alternativen vor, die in Wäldern oder Parks sicher gut aufgehoben sind. Auf einem glühend heißen Platz mitten in der Stadt ist der Alien wohl doch die bessere Wahl. Nachdem es heuer keine Kastanien gibt, sind die Hexennüsse - ebenso wie die Bucheckern, die gerade von den Bäumen fallen - ein willkommenes Fressen, unter anderem für Eichhörnchen. 😋

Welche Baumfrüchte kennen Sie? Haben Sie solche Hexennüsse auch schon irgendwo entdeckt? 👀

Siehe auch: Kastanienstreik?, Baustellenbaum, Verschattung, SchattensponsoringBaumriese!? 🌳, Unten licht, #BaumRaum, Ein Ahorn kommt selten allein, Es war die Flügelnuss und nicht die EscheHerangereift,  #Bäume

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