Dienstag, 21. Januar 2020

Mit der Zeit gegangen


Es ist wieder einmal an der Zeit, Ihnen ein Meisterwerk der Digitalromantik 4.0 vorzustellen. Falls es Sie entfernt an unser erstes Werk "Kunst To Go" erinnert, dann liegen Sie nicht ganz falsch. Allerdings handelt es sich hier um eine Weiterentwicklung, die den Bedürfnissen der Fridays-for- Future-Bewegung Rechnung trägt. 

"Mit der Zeit gegangen" ist der Eigentümer eines Lastenfahrrads, als er sich angesichts der drohenden globalen Katastrophe entschlossen hatte, fürderhin nicht mehr mit einem motorisierten Vehikel von A nach B zu fahren. Die Entscheidung für das solide und zukunftsweisende Modell L.100 kg H.120 cm sollte zum Ausdruck bringen, dass man allein durch Muskelkraft auch größere Lasten CO2-neutral transportieren kann. Doch damit nicht genug. Es reicht nicht, nur mit einem Fahrrad durch die Gegend zu fahren. Hier wurde ein Zeichen gesetzt!


Wie die Stadt München auf Anfrage zu verstehen gab, handelt es sich bei diesem Objekt nicht etwa um eine apokalyptische Fahrradleiche. Da ist kein Velo mit der Zeit gegangen, weil etwa diebische Passanten Teile davon haben mitgehen lassen. Der Anschein trügt! In Wirklichkeit sehen Sie in diesem Meisterwerk einen zeitgemäßen Abfalleimer, der mit dem Designerpreis "Future 2020" ausgezeichnet wurde. Die altmodischen Müllbehälter, die überall in unseren Städten aufgestellt wurden, haben große Defizite: sie sind zu unscheinbar, werden leicht übersehen und sind zudem immer voll. Dieser unkonventionelle Behälter ist anders und zukunftsorientiert. Er ist groß, er ist offen und er zieht die Blicke magisch an. Mehr noch: er nimmt alle Abfälle großzügig in sich auf. Niemand muss sich darum bemühen, seinen Müll in einen viel zu engen Schlitz zu pressen, oder ihn gar nach unverständlichen Kriterien zu sortieren!

Die offene Gestaltung des eckigen Gefäßes regt Passanten unmittelbar dazu an, ihre Verpackungen aus den umliegenden ToGo-Stationen im Vorbeigehen zu entsorgen. Dadurch fördert das clever konstruierte Objekt den spielerischen Umgang mit Umweltthemen, ohne mit erhobenem Zeigefinger daherzukommen. Es ist gleichzeitig funktional, künstlerisch und pädagogisch wertvoll. Wurfspiele trainieren die Motorik der Vorbeigehenden. Dabei kommt das offene und großzügige Design all jenen entgegen, deren Feinmotorik weniger ausgeprägt ist. Auch Personen, die unter Mülltrennungs-Legasthenie leiden, können sich spontan einbringen.

Das rund um das Müllbehältnis angebrachte Kunstobjekt, das entfernt an ein Fahrrad erinnert, dient lediglich als visueller Anker. Es bestätigt und bestärkt die Passanten in ihrem neu erwachten Umweltbewusstsein: Ja, auch wir nutzen Fahrräder mehr und mehr! 
Auch die elegant geschwungenen metallenen Federn des Sattel-Unterbaus betonen die spielerische Leichtigkeit. Niemand muss sich genötigt fühlen aufzusitzen oder gar in die Pedale zu treten. Es geht um das gute Gewissen, den mehr oder weniger leergetrunkenen ToGo-Becher nicht auf den Boden, sondern in den bereitgestellten Kasten geworfen zu haben. Das sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, wie es aus informierten Kreisen heißt.

Verwechseln Sie die Kugel links am Lenker übrigens nicht mit einer mechanische Klingel. Im Zuge eines Pilotversuchs stellt dieses supersmarte Phon eine Direktverbindung mit der Hotline des Abfallwirtschaftsbetriebs her. Betätigt man es, kommen die fleißigen Männer in Orange vorbei, und leeren den Behälter - auch nachts um drei oder am Sonntagmorgen um fünf. So wird sichergestellt, dass auch morgen, übermorgen und in Zukunft alles Menschenmögliche getan wird, um die Vermüllung des Planeten zu stoppen.Was hier im Kasten landet, landet garantiert nicht im Meer, und das ist schon der zweite Schritt in die richtige Richtung.

Die strahlend schönen PkW am oberen Bildrand mögen neidisch auf das scheinbar geschundene Objekt im Vordergrund herabschauen. Pläne zu deren Umgestaltung in futuristische Abfalleimer liegen dem Bundestag bereits vor. Freuen Sie sich deshalb auf weitere Meisterwerke der Digitalromantik 4.0 -  hier in diesem Blog.

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