Dienstag, 12. Mai 2026

Déjà-Vu?

27 mm | 1/340 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone

 #Kastanienblüten am Wegesrand als #Streetfotografie
#Wege  #Fotorätsel
#Frühling2026

Sind Sie gerade ein bisschen verwirrt, weil Sie heute das gleiche Motiv sehen wie gestern?
Hier kommt die Auflösung des Fotorätsels. 😊 

27 mm | 1/340 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone


#Originalaufnahme 

Das am 11.5. gezeigte Motiv Linienführung hatte ich horizontal gespiegelt, damit die Linie von links unten nach rechts oben verläuft, also in eine "positive" Richtung. Zu erkennen war das am spiegelverkehrten Textlogo www.betrachtenswert.de

Dadurch wird das Motiv von den meisten Bildbetrachtenden als 'angenehmer' wahrgenommen; der Blick wird stärker auf das eigentliche Hauptmotiv, die Kastanienblüten gerichtet, und erst danach auf den Radfahrer. Diese Wahrnehmung kann kulturell verschieden sein, aber auch davon abhängen, ob das Motiv von Rechts- oder Linkshändern betrachtet wird. 

Welche Bildvariante gefällt Ihnen besser? 
Bei welcher haben Sie das diffuse Gefühl, dass es Ihnen "gegen den Strich läuft"? 

Motive zu spiegeln ist ein Kunstgriff, der relativ häufig angewendet wird; den Trick gab es auch schon in den Zeiten der analogen Fotografie: Man legte das Negativ oder Dia einfach verkehrtherum in den Vergrößerungsapparat. Speziell beim Design von Logos ist die Linienführung wichtig:

"Der Einfluss der Schreib- und Leserichtung auf die Wahrnehmung wurde vielfach erforscht, auch in jüngerer Vergangenheit. Unter anderem konnte Usability-Pabst Jakob Nielsen nachweisen, dass Nutzer Webseiten von links nach rechts erfassen und dass diese mehr als zwei Drittel ihrer Zeit damit verbringen, auf die linke Hälfte einer Webseite zu schauen. Beim Schreiben beginnen wir stets auf der linken Seite, so auch beim Lesen bzw. Überfliegen von Webseiten. Auf die gleiche Art und Weise erfassen wir, die wir im westlichen Kulturkreis leben, Bilder und Gemälde. (...)

Letztendlich dient selbst eine so grundlegende, in unserer Kultur verankerte Prägung wie die Schreib- und Leserichtung lediglich als Orientierung. Um die Substanz eines Zeichens freizulegen, muss man zuweilen gegen den Strich bürsten." (designtagebuch.de)

Besuchen Sie dieses Designtagebuch, dort finden Sie eine Reihe sehr interessanter Praxisbeispiele. 

Abgesehen von der fotografischen Bildgestaltung ist die Frage, nach der Blickrichtung oder der Art und Weise, wie wir die Welt individuell wahrnehmen, äußerst komplex. 😅 Darum ist sie auch Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung. Abgesehen von den klassischen Optischen Täuschungen, von denen Sie viele wahrscheinlich kennen, gibt auch Studien, die nahelegen, dass es genetische Ursachen haben könnte, warum manche Menschen im gleichen Motiv etwas ganz anderes oder manches gar nicht sehen können. Probieren Sie es erst einmal selbst ganz praktisch aus, vielleicht mit Ihren eigenen Fotos und in Ihrem Freundeskreis. 😊

Siehe auch: Kalt-warmer Komplementärkontrast,  Erfahrungswerte?,  Visuell orientiert, Augenmerk, Déjà--Vu, (Un)Ruhig

Weiterführende Links

Keine Kommentare: