Sonntag, 26. April 2026

Visuell orientiert

27 mm | 1/1500 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone

#Architektur #Spiegelungen 
auf #Auto #Lack als #Streetfotografie

Ein Auto ist prinzipiell ein Fortbewegungsmittel, nicht selten ein Statussymbol, und manchmal auch Gegenstand politischer Diskussionen. Für mich sind Autos sehr oft interessante Hingucker: Im Winter werden sie eis- oder schneebedeckt als Leinwand für WinterKunstWerke benutzt, dann sind sie eine Form von StreetArt. Ihr grundsätzliches Design kann man ebenfalls interessant finden, und bei bestimmten Wetterlagen verwandeln sie sich in faszinierende Zerrspiegel. Gut, dass die meisten Fahrzeuge so blitzblank und gut gepflegt am Straßenrand herumstehen. Ist das typisch deutsch? 😉

Während ich gestern wieder einmal verschiedene Spiegelmotive entdeckte, und feststellte, dass jede noch so kleine Veränderung des Aufnahmewinkels neue und andere Variationen des Motivs hervorbrachte, lief im Hintergrund eine Passantin in die Szene. Zuerst wollte ich warten, bis sie aus meinem Bild verschwindet, dann dachte ich daran, sie später einfach raus zu retuschieren. Am Ende habe ich mich für genau dieses Motiv entschieden, obwohl ich das "Bildelement Passantin" lieber an einer anderen Stelle gehabt hätte: exakt vor dem dunklen Bereich des Garagentors. Ein absolut perfektes Timing ist mit dem Smartie aufgrund der Auslöseverzögerung leider nicht immer möglich. 😔

Warum erzähle ich Ihnen all das? Weil der Prozess des Fotografierens ausgesprochen komplex ist, und meistens weitgehend intuitiv - also teilweise unbewusst - abläuft.

Dieser Prozess beginnt bereits eine ganze Weile bevor man auf den Auslöser drückt, oft auch bevor man die Kamera überhaupt zur Hand nimmt, und anfängt, das spätere Bild bewusst zu gestalten. Von der den technischen Kameraeinstellungen reden wir an dieser Stelle gar nicht. 😏

Fotos sind "eingefrorene Fragmente der individuellen Wahrnehmung", darum bezeichne ich das Fotografieren gerne auch als Achtsamkeitstraining. Diese "Achtsamkeit" gilt nicht nur dem, was ich sehe und möglicherweise als schönes oder interessantes Fotomotiv ins Auge fasse, sie kann sich auch nach innen richten: Warum ist es schön oder interessant, oder was genau fasziniert mich an dieser Szene? In diesem Fall war es nicht nur die bunte ("formalistische") Spiegelung, sondern die Komplexität der gesamten Szene. Das "schwer zu kontrollierende Zufallselement", die Passantin, geriet zufällig mit hinein. Ein unerwartet im Motiv erscheinender Mensch macht die Szene dann auch zu einer Streetfotografie. 

"Wahrnehmung (auch Perzeption genannt) ist bei Lebewesen der Prozess und das subjektive Ergebnis der Informationsgewinnung (Rezeption) und -verarbeitung von Reizen aus der Umwelt und aus dem Körperinneren. Das geschieht durch unbewusstes (und beim Menschen manchmal bewusstes) Filtern und Zusammenführen von Teil-Informationen zu subjektiv sinn­vollen Gesamteindrücken. Diese werden auch Perzepte genannt und laufend mit gespeicherten Vorstellungen (Konstrukten und Schemata) abgeglichen.

Inhalte und Qualitäten einer Wahrnehmung können manchmal (aber nicht immer) durch gezielte Steuerung der Aufmerksamkeit und durch Wahrnehmungsstrategien verändert werden." (Wikipedia)

Beim Fotografieren passiert genau das: Wir steuern unsere Aufmerksamkeit und dadurch verändern sich im Lauf der Zeit auch die Wahrnehmungsstrategien > Was ist ein gutes Motiv? So entwickelt sich der "fotografische Blick". 😎

"Wahrnehmung im psychologischen Sinn ist ein selektiver Prozess, der sich vor allem auf die Informationsmenge richtet, die im Motivationskontext eines Individuums als relevant betrachtet wird." (DocCheckFlexikon

Auch spannend. 😊

Die visuelle Wahrnehmung, auf die es generell und beim Fotografieren ganz besonders ankommt, ist Teil der Grundlagenforschung: "Ein Hauptinteresse der Neurowissenschaft dient dem Verständnis der Funktion der dem Sehsinn dienenden neuronalen Substrate, welche erstaunliche 30 bis 40 Prozent der Gesamtoberfläche des zerebralen Kortex einnehmen. Dabei spielt auch die Hoffnung eine Rolle, dass sich Erkenntnisse aus Untersuchungen des visuellen Systems auf andere neuronale Systeme des Gehirns übertragen lassen." (Max Planck Institut

Was ist in Ihrem Motivationskontext gerade relevant? 
Anders gefragt: Was haben Sie zuletzt fotografiert? 😊

Siehe auch: Noch sind alle Latten am Zaun, Spiegelkabinett,  StillstandSonnenschutzStraßenschlucht, Einblick, Farbliches ViererleiFormalismus#Wahrnehmung#Spiegelungen#Auto, #Lack, #StreetfotografieSelektiv wahrgenommen, Scherbenfotosophie, o. T.

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