Donnerstag, 28. Februar 2019

Hallo hier!



























Verlorene Handschuhe sind ein Sammelthema, mit dem sich schon viele Fotografen beschäftigt haben, aber sie sind nicht die einzigen. Bevor ich zu diesem Thema recherchierte, dachte ich, es handle sich um ein typisch deutsches Phänomen, einen Ausdruck unserer vielbeschworen Ordentlichkeit.  Weit gefehlt!
Wenn dem so wäre, dann würden wir uns auch um weggeworfene Plastikbecher und anderen Müll kümmern. Nein, es sind überwiegend Handschuhe, die unser Mitgefühl wecken, denn von diesen Bekleidungsstücken gibt es stets zwei. Sie sind ein Paar, sie gehören zusammen. Werden sie getrennt, dann fehlt jemandem etwas Wichtiges. Kindersocken erfahren dieselbe liebevolle Behandlung, nicht aber verlorene Herrensocken oder gar Unterhosen. Sie glauben gar nicht, was man auf der Straße alles finden kann, wenn man etwas genauer in den Bordstein guckt.


Besonders im Winter, aber auch zu anderen Jahreszeiten begegnen uns im urbanen Raum allenthalben wundersame Arrangements. Die nutzlos gewordenen Einzelstücke werden sorgsam auf Zäunen oder Zweigen drapiert, damit man sie schon von weitem sehen kann. Der unglückliche Verlierer nimmt vielleicht jeden Tag denselben Weg, so der Gedanke, und könnte das getrennte Paar wieder vereinen, wenn man das verlorene Teil nur auffällig genug arrangiert.

Dass es sich um kein rein deutsches Phänomen handelt, erfährt man bei Spiegel Online: In Amerika gab es ein Kunstprojekt im Internet, das sich anschickte, verlorene Handschuhe über eine Onlinegalerie zu ihren Eigentümern zurückzubringen. Wie oft das geklappt hat, lässt sich nach zehn Jahren nicht mehr herausfinden, diese Galerieseite gibt es nicht mehr. 
Ich erinnere mich auch an einen Beitrag im NDR-Regionalfernsehen, in dem über eine Fotoausstellung berichtet wurde. Der Fotograf hatte mehr als fünfhundert Fotos von verlorenen Handschuhen gemacht und sich bei seiner Bildauswahl auf die skulpturale Wirkung der verdrehten und von Autoreifen plattgedrückten Objekte konzentriert. Für Fotomotive wie diese gibt es womöglich einen Markt, denn in Bildagenturen kann man nach "verlorene Handschuhe" suchen und erhält erstaunlich viele Treffer. Wenn sich ein Künstler oder Fotograf dieser Objekte annimmt, erhalten sie wenigstens noch die Aufmerksamkeit, an der es der Träger des Bekleidungsstücks zuletzt hat mangeln lassen.

Berühmte verlorene Handschuhe gibt es meines Wissens noch nicht. Da muss erst ein Banksy kommen, oder ein anderer Street-Art-Künstler, der sich mit Handschuhskulpturen einen Namen machen könnte. Ich befürchte jedoch, dass es die unangenehmen und mitunter unappetitlichen Umstände sind, die den Objekten den Einzug in die Welt der Kunst erschweren. Wenn so ein Handschuh erst mal im braungrauen Schneematsch gelegen ist, und sich so richtig schön mit der kalten und nassen Umgebungsfeuchtigkeit vollgesogen hat, mag man ihn eigentlich nicht mehr ohne Greifzange anfassen.
Und so enden die Geschichten fast immer tragisch: Irgendwann kommt die große Kehrmaschine, oder die orange gekleideten Männer von der Straßenreinigung sammeln die potenziellen Kunstwerke einfach ein. Die haben dafür die richtigen Handschuhe an. Aber ja, auch von denen geht manchmal einer verloren.
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In meiner Sammlung gibt es nicht nur verlorene Einzelstücke, sondern auch Paare. 

Siehe auch: Schnappi, Man muss lernen, mit seinen Schlappen umzugehen, #LostThings

Weiterführende Links
Spiegel online: Webseite der verlorenen Handschuhe
Bildagentur alamy: Fotos von verlorenen Handschuhen
Eins meiner kuriosesten Fundstücke




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