Freitag, 6. Februar 2026

Nocturne

27 mm | 5 s | f1,6 | ISO 500 | Smartphone
05.02.26 18:06

#Ärztehaus  #Architektur  #Candidplatz  #München #Giesing
#Nacht  #Wege  #Mischlicht  #BlaueStunde
#Winter25/26

Den Begriff Nocturne gibt es eigentlich nur in der Musik, und dort beschreibt er eine Musikform, "die in ihrer Besetzung und Satzstruktur nicht festgelegt ist". Das lässt sich sinngemäß auf meinen heutigen assoziativen Beitrag übertragen, der mit einem nächtlichen Fotomotiv startet, und am Ende ganz woanders landet. 😉 Es ist wieder so ein Überraschungsei, wie ChatGPT den Stil dieses Blogs letztens beschrieben hatte. 

Die erfahrenen Fotobegeisterten werden sich heute vielleicht an den "stürzenden Linien" meines Nachtwegearchitekturmotivs stören. Mich stören sie auch, aber ich selbst bin nachsichtig mit mir. Das ist eine gute Übung für den "inneren Kritiker", der nach Perfektionismus strebt, und einem das Leben zur Hölle machen kann. 😠 
Weil ich beschlossen habe, dass ich nicht in der Hölle leben will, bekommt dieser innere Nörgler beizeiten eine Abfuhr. Gestern musste er sich in der Prioritätenliste hinter den leckeren Udon-Nudeln 😋 anstellen, die ich für meinen Mann und mich zum Abendessen besorgt hatte. Die schmecken am besten, wenn sie noch heiß sind, also sollte sich der innerfamiliäre Lieferdienst unterwegs nicht zu lange mit Unwichtigem aufhalten. 🏃

Fünf Sekunden Belichtungszeit mit der Nachtaufnahme-Funktion sind SEHR lang, und dass das überhaupt ohne Stativ funktioniert, ist für Menschen mit Erinnerung an die analoge Fotografie ein Segen, der einem technischen Wunder gleichkommt.  😎👍 

Die Glühbirnenkette im Innenhof des oft fotografierten Ärztehauses am Münchner Candidplatz und die verschiedenfarbigen Lichter in den Fenstern über einem mit roten Ziegelfliesen bedeckten Boden sind für mich immer wieder ein Farbspektakel. Die Atmosphäre, die dieser unerwartet ruhige Ort an einer der verkehrsreichsten Kreuzungen des Stadtviertels ausstrahlt, ist schwer zu beschreiben. Es sieht womöglich hässlich aus, wirkt auf mich aber jedes Mal so unerklärlich faszinierend, dass ich zur Kamera greifen muss, um die Szenerie als "emotionalen Erinnerungsanker" einzufangen. 

Ich vermisse dieses Gebäude schon jetzt, obwohl es noch gar nicht teil-abgerissen und zu einem spektakulären Hochhaus aufgestockt wurde. Vor etwa vier Wochen, als Fräulein Smilla in Begleitung von Schneegeistern durch den Schnee stapfte, sah es - von der anderen Straßenseite aus fotografiert - so aus:

27 mm | 1/15 s | f1,6 | ISO 1600 | Smartphone
08.01.26  18:27

Dieses Motiv erinnert mich wiederum an die Serie Twin Peaks. Unsere Nudeln 🍜 waren noch heiß, als ich zuhause eintraf, lecker wie immer, und wir konnten uns der dritten Staffel der Kultserie widmen. Wie weit sind Sie inzwischen, falls Sie die Serie auch gerade gucken? 

An die Folgen aus dem Jahr 2017 konnten wir uns kaum noch erinnern. Die Geschehnisse aus den 1990er Jahren setzen sich dort inhaltlich wie produktionstechnisch nach über 25 Jahren fort, zum großen Teil mit den gealterten Originalschauspieler*innen. Wow! Wir haben oft gerätselt und gestaunt, wer da gerade im Bild zu sehen ist. Wie hieß der oder die gleich noch? Es gibt so viele Figuren in Twin Peaks, das ist schon eine Denksportaufgabe. 😅
Mein Mann hat sich darüber beklagt, dass es "sehr viele Längen gibt, die man sich hätte sparen können", und die Musik gefällt ihm auch nicht mehr. 😒 
Zudem ist es wahrlich keine leichte Kost, wenn der gar nicht mehr so coole Agent Dale Cooper irgendwo hinter einem roten Vorhang in einer surrealen Parallelwelt gefangen ist, während sein fieser, verbrecherischer Doppelgänger frei in der 'Realität' herumläuft. Da gibt es nicht so viel zu lachen.

Ich finde die von meinem Mann beanstandeten Längen dramaturgisch wichtig, weil sie oft zu einer - zugegeben unangenehmen -  Spannung beim Zuschauer führen. Dadurch wird die quälende Ohnmacht der dargestellten Erlebniswelt im Film eindringlich vermittelt, und das ist schwer auszuhalten.
Momentan bin ich total beeindruckt vom Darsteller Kyle MacLachlan, der - zurück in der Twin Peaks Realität - zu einem dementen, infantilen alten Mann geworden ist. Wie der Schauspieler diesen körperlichen und geistigen Zustand 'spielt', ist einfach nur der Wahnsinn. 👍

Das kann ich ganz gut beurteilen, weil ich bei meinen Pflegeheim-Besuchen Menschen erlebe, die genau so sind: verwirrt, unbeholfen geistig komplett woanders, und manchmal ebenso steif trippelnd unterwegs, in einer Umgebung, die ihnen völlig fremd ist. 😓 Ich hatte sofort das Bild eines realen alten Mannes vor Augen, der oft von seinem Sohn in die Cafeteria begleitet wird, und ganz genau so auf mich wirkt, wie der demente Agent Cooper. Das berührt mich sehr, weil es mir ein weiteres Mal verdeutlicht, wie froh wir sein können, wenn / solange es uns und den Menschen um uns geistig und gesundheitlich halbwegs gut geht.  

Also "Carpe diem": Wer wird sich da noch über stürzende Linien in einem Foto oder eine verpasste Fotogelegenheit aufregen - oder all die sonstigen Kleinigkeiten, wie hysterisch hupende, ungeduldige Autofahrer!? 😉

Siehe auch: Weiter geht'sDa fehlt ein Licht am Horizont, Farbdesign, #Candidplatz, Fräulein Smilla stapft durch den Schnee, 13.11.2025 16:55:07.654Twin Peaks👍☕,  Sind Sie alt?, Sonne oder Mond?#Nacht, #Mischlicht, Überraschungsei

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