Freitag, 27. Februar 2026

Wahlmöglichkeiten

27 mm | 1/350 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone

#Kuchen #Augenweide #Foodporn
#Muttergeschichten #Pflegeheim

So inspirierend ein Ausflugstag in einen Möbel Flagship Store auch sein mag: Offlinezeit hinterlässt Unerledigtes. 😅 Die vielen Geschichten aus den Redaktionssitzungen im Pflegeheim stapeln und stauen sich allmählich, und bevor ich die Details vergesse, muss ich das eine oder andere etwas ausführlicher niederschreiben. 

Fangen wir mit diesem Kuchen aus der Pflegeheim-Cafeteria an, denn der ist besonders lecker. 😋 Obendrein und obendrauf war die Maserung der Maracujaschicht ein wahres Kunstwerk:  Das Auge isst ja immer mit. 😍  Letztes Jahr  hatte ich immer nur eine Portion am Tresen geholt, und mir die Leckerei mit meiner Mutter geteilt, weil sie nicht besonders viel gegessen hatte. Mittlerweile nimmt sie selber ein ganzes Stück, und diesmal hatten wir uns eine Belohnung verdient: Das Ausfüllen der Briefwahlunterlagen ist bei den Kommunalwahlen in München schon eine Herausforderung. Einer der Wahlzettel ist so groß wie eine Tapetenbahn, und passt gar nicht auf den Tisch. Damit will man nicht in einer engen Wahlkabine hocken... 😜

Meine Aufgabe als familiäre Wahlhelferin nehme ich nicht nur wahr, sondern auch ernst: Die Mutter-Briefwahl beginnt mit einer Aufklärung darüber, welcher der drei Wahlzettel für welche Instanz im Münchner Stadtzirkus ausschlaggebend ist, also Oberbürgermeister, Stadtrat und Bezirksausschuss. Ich versuche dabei, meine Erläuterungen kurz und simpel zu halten, weil meine Mutter den Unterschied nicht so genau kennt, und sich diese Details sowieso nicht merkt. Dass Herr Söder als Person diesmal nicht zur Wahl steht, war auf jeden Fall wichtig. 😅

Dass Helmut Schmidt und Franz Josef Strauß nicht mehr kandidieren, wusste sie selber. Ansonsten nimmt meine Mutter ihre Wählerinnenpflicht wieder sehr ernst, und ich habe ihre Kreuzchen an den Stellen gemacht, an denen ich sie auf meinem eigenen Wahlzettel nicht machen werde. So ist das nun mal mit der Demokratie und den Ansichten, die auch innerfamiliär recht unterschiedlich ausfallen können. 

Einen funktionierenden Kugelschreiber hatte ich diesmal dabei, auch dazu gäbe es drei weitere, noch nicht ausformulierte Mutter-Episoden, aber ich will Sie nicht überfordern. 😉 Nachdem ich die Wahlunterlagen versandfertig gemacht hatte, konnte mir meine Mutter endlich ihren neuesten Lagebericht aus dem Stationsalltag vortragen.

Ihre Zimmermitbewohnerin - "ich spreche jetzt schon seit zwei Monaten nicht mehr mit ihr!" - lässt sich die Mahlzeiten schon seit einer Weile aufs Zimmer bringen. Aktuell pocht sie vehement darauf, dass man ihr das Frühstück jeden Tag pünktlich um halb acht serviert, und speziell an diesem Morgen wollte sie ein dunkles Brötchen! All das muss den 'Schmetterling' einigermaßen genervt haben, schließlich ist Frau W. noch ausgeprochen mobil, und könnte sich ihr Sonderwunsch-Brötchen auch selber aus der zehn Meter entfernten Küche holen. Aber nicht im Schlafanzug! 😤,  wie der morgendlichen Diskussion zu entnehmen war. Wozu hat man Personal!? 
Für meine Mutter, die elementar auf die Hilfe der Pflegekräfte angewiesen ist, weil sie nicht alleine aufstehen kann, sind solche Diskussionen ziemliche Trigger. 😠

Bestellungen hat sie natürlich auch, und die gibt sie bei mir in Auftrag: Letzte Woche sollte ich für sie und die 'Oma' ein Glas Erdnussbutter Crunchy besorgen. Drei Tage später war von dieser Erdnussbutter nicht mehr viel übrig. 
"Die Oma hat mir ihr Rezept verraten", verriet meine Mutter mir, und die genaue Anleitung ebenso: Erst kommt das Brot. Darauf kommt eine Schicht Butter. Dann kommt die Schicht mit der Erdnussbutter, und obendrauf noch eine Schicht Erdbeermarmelade. 😳 

Ja, raten Sie, was jetzt auf meinem Einkaufszettel steht?! Mein Hinweis auf die Wirkung solcher Kalorienbomben erübrigte sich im weiteren Gesprächsverlauf, denn in letzter Zeit wird mittags wieder signifikant oft das falsche Gericht ausgeliefert. Die Seniorinnen und Senioren bekommen nicht das Menü, das sie auf dem kleingedruckten Menüplan mühselig angekreuzt haben, sondern genau die andere Speise, und manchmal bekommen alle das gleiche Essen: Ein Fehler im System, vermutlich bei der Übertragung der Daten vom Papierzettel in den Computer. Wenn das ohnehin überlastete Pflegepersonal diese Tätigkeit durchführt, und zwischendurch noch dunkle Brötchen exakt um halb acht servieren soll, wundert mich das Durcheinander gar nicht, aber wir klären das noch. 

"Habe ich schon mal Kaiserschmarrn bestellt?", fragte meine Mutter, und es war natürlich eine dieser rhetorischen Fragen: ein Vorwurf. Ich konnte meiner Mutter bestätigen, dass sie nach ihrer allerersten Begegnung mit dem Pflegeheim-Kaiserschmarrn nie wieder ihr früheres Lieblingsgericht angekreuzt hatte, "weil die das hier nicht zubereiten können". Wer sich die Kalorien beim Mittagessen spart, kann nachmittags getrost zu Kuchen und morgens zum Erdnussbuttertoast greifen. Man darf sich dann nur nicht wundern, wenn man beizeiten ein gar nicht leckeres Abführmittel dazu serviert bekommt. 😝  Zu diesem Themenkomplex gäbe es ebenfalls weitere Episoden, die ich Ihnen aber aus guten Gründen erspare. 

Meine Mutter und die 'Oma', ihre Lieblings-Mitbewohnerin, sitzen in ihren Rollstühlen dreimal täglich an einem Vierertisch in der Gemeinschaftsküche. Dort werden sie mittlerweile mit "den beiden Alten aus der Muppet-Show" verglichen. Die Situationen und Ereignisse, die sich während der Mahlzeiten ergeben, nehmen die beiden meistens locker. Sie verstehen sich hervorragend, unterhalten sich auf bairisch, haben immer viel Gesprächsstoff, und müssen wieder sehr viel gelacht haben. 😂😃😄😆 
Das wiederum missfällt der dritten Mitbewohnerin, die am gleichen Tisch sitzt, ungemein. Die hat mittlerweile von meiner Mutter den Spitznamen 'Werwolf' bekommen, weil sie anderen Leuten ihre Hasskommentare direkt ins Gesicht schleudert. Dann fallen so Sätze wie "Weißt du eigentlich, wie blöd du bist?" - und meine Mutter lacht erst recht. 😂 

Ab einem gewissen Alter hat man es nicht mehr nötig, sich hinter irgendwelchen Nicknames wie Elfriede123 oder Hannelore38 zu verschanzen. Inzwischen ist auch klar, warum vorher niemand mit dem 'Werwolf' gesprochen hatte. Meine Mutter hat die Kommunikation mit dieser Haterin inzwischen auf ein Minimum reduziert. Manchmal hat man keine Wahl,  mit wem man das Zimmer teilt oder an einem Tisch sitzt, aber erfahrungsgemäß ist vieles nur eine Frage der Zeit. Hauptsache die "Oma" bleibt am gleichen Tisch, ich besorge als Stimmungsaufheller Erdbeermarmelade zur Erdnussbutter, und bringe nächstes Mal das praktische Buch 30 Minuten Arschlöcher zähmen von Gitte Härter mit. 😅

Siehe auch: BriefwahlStiftausleihe, Liebenswert und fürsorglichJetzt doch!, Zwischenruf, Spielerisch, RedaktionssitzungUnterhaltung(en)Tummidemmi!PillenrevolteEssen (allein) macht nicht glücklich, Soziales MediumSehtestLuftschlangen, SchneegestaltKrachergeschichte, #Foodporn

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