Donnerstag, 5. Februar 2026

Horizonterweiterung

26 mm | 1/60 s | f2,2 | ISO 64 | Smartphone

 #Hausfigur mit #Violine 
#Architektur #Musik
#München  #Giesing

Kennen Sie Johann Christian Innocenz Bonaventura Cannabich? Ich auch nicht, der ist schon lange tot. Gehört hatte ich seinen Namen noch nie, was daran liegt, dass ich mich nicht besonders für klassische Musik interessiere. Lediglich die Cannabichstraße im schönen Untergiesing ist mir ein Begriff, zumal die Straßenschilder öfter mal humoristisch verunstaltet wurden. Es soll schon Leute gegeben haben, die nicht genau hingehört und nach der Cannabisstraße gesucht haben. 😂

Die Skulptur am Eck der Cannabichstraße hat meinen fotografischen Blick angezogen: Hausfiguren und Kunst am Bau sind ja Teil meiner diversen Langzeitfotoprojekte. Diese hier stellt einen Violinisten dar. Eine Recherche anhand der Straßennamen gibt am schnellsten Auskunft über die historischen Namensgeber*innen. Um es kurz zu machen: Cannabich war ein Zeitgenosse und sehr guter Freund von Wolfgang Amadeus Mozart, und den kennt (fast) jeder. Um Cannabich zuzuordnen, muss man sich aber schon besser mit klassischer Musik auskennen.  

Das wirklich Geniale an unserer modernen Lebenswelt ist, dass man sich einfach zu Youtube durchklicken kann, um sich Werke eines vor über 200 Jahren verstorbenen Komponisten anzuhören. 😲 Eine gewisse Berühmtheit muss man natürlich schon zu Lebzeiten erlangt haben, um im dritten Jahrtausend im Internetz aufzutauchen. 

Cannabich zählt zu den Wegbereitern der Wiener Klassik. 1777/78 betreute er den jungen Mozart bei dessen Aufenthalt in Mannheim und erörterte mit ihm die Entwicklung der deutschen Oper.  
1778 musste Cannabich seine Residenz nach München verlegen (weil sein Arbeitgeber dorthin versetzt wurde 😉). Neben zahlreichen anderen lebte Wolfgang Amadeus Mozart 1777 in seinem Haus (in Mannheim) und erteilte Cannabichs Tochter Rosine Klavierunterricht; Mozart widmete ihr die Klaviersonate Nr. 7 KV 309. In einem Schreiben an seinen Vater vermerkt Mozart „Ich kann nicht beschreiben welch ein guter Freund Cannabich für mich ist“.  (frei nach Wikipedia)

"Die genaue Münchner Straßenadresse bzw. der Straßenname, in der Johann Christian Innocenz Bonaventura Cannabich während seiner Zeit am kurfürstlichen Hof in München wohnte, ist in den gängigen biographischen Nachschlagewerken und Online-Biographien nicht überliefert oder wird dort zumindest nicht genannt." Das hat Perplexity AI für mich herausgefunden. 👍

In der Cannabichstraße hat er eher nicht gewohnt, die wurde erst vor knapp hundert Jahren nach ihm benannt. Außerdem war Giesing seinerzeit ein Ort, an dem sich vor allem Tagelöhner niederließen. Heute wird diese Gegend als "Klein-Venedig" bezeichnet, und hat ein gewisses Potenzial, sich zu einem Szene-Viertel zu entwickeln. Wären da nur nicht diese widerspenstigen Ureinwohner. 😏 

Dank der Hausfigurenskulptur wissen Sie jetzt zumindest, wie der Musiker, Kapellmeister und Komponist ungefähr ausgesehen hat, und das Gscheidhaferl in mir hat wieder einen Happen Zufallskulturwissen am Wegesrand aufgeschnappt. 

Was Sie nun damit anfangen, ist wieder eine andere Frage. 😅

Ich sehe da mehrere Aspekte: 

  1. Sie können den heutigen Beitrag als Inspiration für Fotomotive nehmen, sich in Ihrer Umgebung selbst nach Hausfiguren oder Ähnlichem umsehen, und ein eigenes Fotoprojekt daraus entwickeln. Fotografisches Achtsamkeitstraining... 📷 😊 
  2. Die Methode, sich von Details im Straßenbild leiten zu lassen, könnte auch ein Ansporn sein, sich mit der eigenen Wohn- oder Lebensumgebung anders zu beschäftigen als bisher. 
  3. Lernen macht nicht nur schlau, es hält vor allem den Geist fit, angeblich bis ins hohe Alter. Es wäre also eine Alternative zu Sofasport wie Sudoku und Kreuzworträtsel, die obendrein den Vorteil bietet, dass Sie sich (foto)spazierend im Freien bewegen. 😁
Vielleicht haben Sie selbst dazu noch andere Ideen? 💡✨
 
Selbst mit relativ geringem zeitlichem Aufwand kann man durch die Internetzrecherche viel dazulernen. Ob man das überhaupt will, oder alles im Gedächtnis behält, ist wieder eine andere Frage. In der Schule haben wir ja auch "fürs Leben gelernt", dass man Gelerntes auch anwenden muss, um wirklich davon zu profitieren. Wenn Sie Besuch bekommen, könnten Sie Ihre Gäste mit überraschenden Anekdoten aus Ihrem Stadtviertel oder Ihrer Heimatstadt beeindrucken, und sich zu einem Stadtviertel-TouriGuide weiter entwickeln. 😊  

Während bei mir gerade im Hintergrund Musik von Cannabich läuft, stelle ich fest: Das ist gar nicht so unhübsch! 😲 Youtube hat mir gleich eine mozarteske Violinenkonzert-Playlist dazu geliefert, und die ist fast noch besser als die "Deep Focus" Arbeitsmusik von neulich. 😃 Bei mir hat das Fotomotiv also völlig unerwartet zu einer musikalischen Überraschung geführt, und meinen musikalischen Horizont erweitert. 😎

Rosine Cannabich war übrigens auch Pianistin und hat ein eigenes Werk komponiert. Sie hat es in die englischsprachige Wikipedia geschafft. Dort bescheinigt man ihr mit einem Zitat von Mozart himself: "... ein sehr schönes artiges mädl. sie hat für ihr alter viell vernunft und geseztes weesen; sie ist serios, redet nicht viell, was sie aber redet – – geschieht mit anmuth und freündlichkeit". 
Interessant ist auch, warum Mozart ihr eine Sonate gewidmet hat: "Er (Cannabich) hat eine tochter die ganz artig clavier spiellt, und damit ich ihn mir recht zum freünde mache, so arbeite ich iezt an einer Sonata für seine Mad:selle tochter". 

Quellenstudien sind manchmal schon aufschlussreich hintergründig. 😅

Siehe auch: Hausfigur, vermutlich unheiligKunst am Bau, Hausmittel, Wetterlage, Wissenslücken, RenovierungsbedürftigAuf Empfang, Einmal kärchern, bitte!, Wohin reitet er denn?Gscheidhaferl-Gesetz §1,  Arbeitsmusik, #Musik, #ArchitekturSpitze!Form follows function?

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