Montag, 26. Januar 2026

Luftschlangen

27 mm | 1/100 s | f1,6 | ISO 200 | Smartphone

 #Deko  #Kitsch
#Weihnachten trifft auf  #Fasching
#Muttergeschichten #Pflegeheim

Luftschlangen bestehen weder aus Schlangen noch aus Luft, aber ihr Name ist trotzdem sinnstiftend, weil schlangenförmig aufgerolltes Papier durch die Luft fliegt. 😄 In der modernen Variante kann es auch ein schnell aushärtender Kunststoff sein, der "luftschlangenähnliche Fäden" zieht, wenn er aus einer mit Treibgas gefüllten Dose kommt. Der sieht nicht so prickelnd aus, brennt hervorragend, und der Dosensprühkopf verklebt ziemlich fix. Fürs Pflegeheim ist die klassische Luftschlange definitiv besser, wenngleich die Dekorateure noch ein wenig an ihren Arrangements feilen könnten.

"Was sagst du?!", rief meine Mutter 😤, als ich sie in ihrem Rollstuhl an der Deko vorbei schob. Nein, mir gefällt das auch nicht, aber es passt in die Rubrik skurriler Kitsch. 

So eine Kombination aus unbeflügelten Weihnachtsfigürchen und wild gewordenen Papierschlangen hat die Welt wahrscheinlich noch nicht gesehen. Als mir die krude Luftschlangendeko vorletzte Woche bereits ins Auge gesprungen war, dachte ich: 'Oh-oh... Was wird wohl die Mutter dazu sagen?' Beim darauffolgenden Heimbesuch hatte meine Mutter längst selbst Hand angelegt, und die Sachen eigenmächtig entfernt. Auf die Faschingsfeier freut sich meine Mutter schon, auch wenn sie noch ein wenig skeptisch ist. 😔

Letztes Jahr war die Festivität mit Musik 🎶 das erste große Highlight, das sie dazu veranlasst hatte, zum ersten Mal an einem Event im Pflegeheim teilzunehmen. Ich hoffe, dass das Biene Maja Team 🐝 auch heuer wieder gute Arbeit leistet, und die richtige Kapelle aufspielen lässt. Der Auftritt der "Don Kosaken" letzte Woche muss schon mal überraschend gut gewesen sein. 😀

Ich freue mich über jede positive Äußerung, denn so insgesamt ist die Lage derzeit ... gemischt. Meine Mutter hat in der Gemeinschaftsküche einen neuen Sitzplatz an einem anderen Tisch bezogen, was nicht bei allen Mitbewohner*innen gut ankommt. Die Gruppendynamiken von Menschen, egal welchen Alters, sind schon speziell: Neid, Eifersüchteleien, Ratsch und Tratsch, üble Nachrede, Mobbing, alte Fehden und neue Allianzen - "es ist immer was los", und nicht immer sind die dadurch losgetretenen Ereignisse angenehm. 

Mitunter habe ich den Eindruck, dass insbesondere (Hoch)Betagte kaum noch ein Blatt vor den Mund nehmen. Die hauen Dinger raus, wie es ihnen gerade so einfällt. Dass es sich dabei  nicht um Einzelfälle handelt, wurde mir im Buch Mutti baut ab von Kester Schlenz bestätigt. Das hat mir wirklich gefallen, und ist ein Lesetipp für alle, die meine Muttergeschichten verfolgen. 😊

Jeder Kommunikationspsychologe würde ohnmächtig zusammenbrechen, wie da miteinander und übereinander gesprochen wird. 😯 Dabei ist es genau die Generation, die uns Mittelalten beigebracht hatte, wie man sich artig benimmt, und was man nicht sagen darf!? Scheißegal. 😤
Dass sich manche Bewohner*innen das Essen konsequent aufs Zimmer bingen lassen, weil sie sich dem Gepöbel Einzelner und dem allgemeinen Getratsche nicht aussetzen wollen, ist nachvollziehbar. 

Eine relativ neue Mitbewohnerin, die auch seit einiger Zeit in der Gemeinschaftsküche sitzt, und nun meine Mutter als Gegenüber hat, findet in ihr wohl erstmalig jemanden, der es wagt, mit ihr zu sprechen. Als "soziales Medium" nimmt meine Mutter Kontakt auf, und sprengt dabei so manche Gepflogenheit im "Rudel". Über gewisse Verhaltensnormen scheint dann doch wieder ein stillschweigendes Einverständnis zu herrschen, das meine Mutter entweder nicht kennt, oder einfach ignoriert. Die Retourkutschen muss sie dann natürlich ausbaden. 

"Du bist eine Pessimistin", muss die Neue zu ihr gesagt haben - was ich bestätigen kann, woraufhin meine Mutter mit "Ich bin eine Realistin" antwortete. Worum es bei dem Gespräch genau ging, hat sie mir nicht erzählt. Vielleicht kommt das noch, aber ich vermute, dass sich bis zum nächsten Besuch schon wieder ganz neue Entwicklungen und Wendungen ergeben. 

Zwei der drei anderen ehemaligen Tischgruppenmitglieder sind traurig über den Sitzplatzwechsel meiner Mutter, und die Pöbelantin, deren Verhalten vermutlich der Auslöser für die neue Sitzordnung war, ist hochgradig verärgert. Es bilden sich Fraktionen, die gegeneinander arbeiten - Friede, Freude, Eiersuchen ist derzeit also nicht angesagt. Derweil nehme meine Aufgabe wahr, mir in unseren Redaktionssitzungen die hoch emotionalen Ereignisberichte anzuhören, wer gerade mit wem im Clinch liegt. 😁😒😡💥😠😟😏💥😇😓😭😬 

Da ich nie ins Heim gehe, ohne irgendetwas mitzubringen, habe ich mir erlaubt, die Übergangsdekoration für ein Erinnerungsstillleben kurzfristig zu ergänzen. 
"Was sagst du?!"
"Das kann man sich nur schönsaufen..." 😜
Der Produkttest hat ergeben, dass die Alternative zu "Mon Cherie" und den "Edlen Tropfen in Nuss" elegant schmeckt, und auch bei momentan beleidigten Mitbewohnerinnen stimmungsaufhellend wirkt. Das liegt wahrscheinlich am blumigen Lavendelaroma der Schnapspralinen. ☮ 😅 Das Verpackungsdesign hat mich zum Kauf verführt, und die Verpackung der Mutter wahrscheinlich besser gefallen als der Inhalt. 

27 mm | 1/100 s | f1,6 | ISO 160 | Smartphone

Vielleicht nehme ich nächstes Mal ein paar Luftschlangen und zur Aufheiterung eine dieser Papiertröten mit, die sich beim Pusten nach vorne ausrollen. 😜🎊🎉

Siehe auch: Friede, Freude, Eiersuchen, Oh Marylin!, Soziales Medium, Tädäääh!, TummidemmiPillenrevolteImprovisationsadventJetzt doch!, HausmittelZünftig#Deko, #Kitsch, #Muttergeschichten

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