Montag, 26. Oktober 2026

Ja, mir san mit’m Radl da đŸš”

27 mm | 1/25 s | f1,6 | ISO 800 | Smartphone

#Fahrrad  #BlaueStunde
#MobilitĂ€t  #Muttergeschichten
#Herbst2026 

Ich komme nochmal auf das Thema der letzten Woche zurĂŒck... 😅
Werden wir hierzulande, wie die Chinesen frĂŒher, alle irgendwann mit'm Radl fahren? 😜 Irgendwo in meinem Hirnkastl ist ein inneres Bild abgespeichert, wohl aus den 1970er Jahren, das ich irgendwo in einer Zeitschrift gesehen hatte: Peking im diffusen Morgenlicht, eine breite Straße und zahllose Menschen, die der Kamera auf FahrrĂ€dern entgegenfahren. Es war eine Doppelseite A4, Schwarzweiß. Das hat mich offensichtlich schon als Kind inhaltlich wie auch formal-fotografisch schwer beeindruckt. 😎

Im Juli 2019 hatte ich hier im Blog gefragt, ob die Zukunft begonnen hat. Heute, sieben Jahre spĂ€ter, wĂŒrde ich sagen: Ja, irgendwie schon. Das Straßenbild hat sich eindeutig verĂ€ndert. Mancherorts sieht es in MĂŒnchen aus wie in Amsterdam. Wohin mit all den FahrrĂ€dern? Auch da tut sich was im öffentlichen Raum, weil es gar nicht genug Keller gibt, wo man das Radl unterstellen könnte. Die Gehwege sind eng geworden - zugeparkt, jetzt mit đŸšČ.

Lassen Sie uns, der Gaudi halber, diesen alten Schlager zum Thema anstimmen? đŸŽ”đŸŽ¶đŸ˜œ 

Im Pflegeheim war wieder ein "Musiknachmittag" mit einem Alleinunterhalter, der ein wirklich seniorengerechtes Programm drauf hatte, und zudem in der Lage war, das hochbetagte Publikum zum Mitsingen, Mitklatschen und Schunkeln zu animieren. Arme hoch in die Luft und im Rhythmus mitschwenken - so viel Mobilisierung gelingt nicht mal der Physiotherapeutin meiner Mutter. đŸ˜Č

Beim Konzert war Stimmung, fast wie in einem Oktoberfestbierzelt. Es wurden ja auch die entsprechenden MusikstĂŒcke vorgetragen. 😅 Mittlerweile habe ich die meisten dieser Mitsing-Hits drauf und johle oder jodle laut mit - das wĂ€re frĂŒher völlig undenkbar gewesen. 😖 Es ist immer noch nicht "meine" Musik, aber mei - den Leuten gefĂ€llt's, und wie! FĂŒr meine StimmbĂ€nder ist es ein gutes Training, und keiner hört es, wenn man falsch singt. đŸŽ¶đŸ˜

Nicht im Programm war der Radl-Schlager, der fĂŒr die Zielgruppe auch nicht ganz das Richtige gewesen wĂ€re. Man hĂ€tte den Text umschreiben mĂŒssen: Ja, mir san mit'm Rollstuhl da... đŸŠœ Das wĂ€re doch etwas zu gewagt, wenngleich in den meisten FĂ€llen zutreffend. 

Wenn Sie jetzt zerknirscht oder erzĂŒrnt denken, dass es ein Elend ist, im Rollstuhl zu sitzen: Ja, aus der Perspektive eines gesunden Menschen ist es eine Horrorvision. 😓 Aus der Perspektive eines Menschen, der zu Fuß nirgendwo mehr hinkommt, ist der Rolli ein Segen, weil er den Bewegungsradius betrĂ€chtlich erweitert und sich sicher anfĂŒhlt. đŸ‘”👮 Das Pflegeheim hatte im September einen begleiteten Wiesnbesuch organisiert, fĂŒr all jene, die dazu noch in der Lage sind, und Lust darauf hatten. Einen Rollator als Gehhilfe vor sich herzuschieben ist nicht schön, aber auch eine große Erleichterung. Schließlich hat man seinen Sitz zum Ausruhen mit dabei, und Platz fĂŒr die Brotzeit unterwegs. Nach dem dritten Oktoberfestbier könnte auch so mancher Junior eine stabilisierende Gehhilfe gut vertragen. 😅

Was habe ich in den letzten Jahren durch reine Beobachtung nicht alles dazugelernt! Eine Heimbewohnerin setzt sich auf ihren Rollator, schiebt ihn mit den FĂŒĂŸen an und fĂ€hrt damit rĂŒckwĂ€rts durchs GelĂ€nde, aber in was fĂŒr einem Tempo!? Das ist eine Art kreatives Senioren-Skateboardfahren, nur mit anderen Mitteln. đŸ˜ź Und was man mit so einem Teil alles transportieren kann! Von der gut gefĂŒllten Kaffeetasse bis hin zum Supermarkteinkauf...  

Elektrisch betriebene RollstĂŒhle sind im Wohnbereich, in dem meine Mutter lebt, die Ausnahme. Einen gibt es, und der wird nachts in einem Nebenraum geparkt. Das erledigen die PflegekrĂ€fte, und mir wurde zugetragen, dass es unter denen welche gibt, die sich abends und morgens mit VergnĂŒgen in das per Joystick steuerbare GefĂ€hrt setzen, und einen Heidenspaß beim Ein- und Ausparken haben. 
Ja sicher, es ist nicht lustig mit schweren EinschrĂ€nkungen leben zu mĂŒssen. Es ist aber auch tröstlich zu sehen, wie man selbst in dieser misslichen Lage doch noch Lebensfreude finden kann. 

WĂ€hrend des Schlagernachmittags machte ein schönes Echtfotobuch die Runde, das ein Angehöriger fĂŒr seinen Vater erstellt hatte - auch ein Rollstuhlfahrer. FĂŒr solche AusflĂŒge braucht man Begleitpersonen, ich wĂ€re mitgekommen, aber meine Mutter hat leider zu viel Angst, sich außerhalb der sicheren Mauern der Pflegeeinrichtung zu bewegen. Das Thema Barrierefreiheit jenseits der geschĂŒtzten Heimumgebung kam bei dieser Gelegenheit auch mal wieder zur Sprache. Es betrifft ja nicht nur die Alten und Fußkranken, sondern auch junge Menschen mit ihren KinderwĂ€gen, oder Reisende jeden Alters, die mit schwerem GepĂ€ck an einer Bahnhoftreppe stehen, oder sich in einen ĂŒberfĂŒllten Bus hineinquetschen mĂŒssen. 😒 Da versteht man das Verlangen nach einem gerĂ€umigen SUV, auch wenn der an der Bahnhoftreppe scheitert. 😉

Ich bleibe ĂŒberwiegend bei meinem Radl, und so lange es geht, ganz bewusst ohne Elektro. Dass ich dauernd von den Elektrifzierten ĂŒberholt werde, lĂ€sst mich kalt. E-Bikes gab es zu Zeiten des Radl-Schlagers nicht - hĂ€tte sich damals jemand unsere "heutige MobilitĂ€t" vorstellen können!? Wohl die wenigsten. 

"BezĂŒglich der Originalfassung dieses deutschen Schlagers und seiner Text-Autoren existieren unterschiedliche Angaben. Laut Recherchen des WDR wurde das Lied erstmals 1971 von den Wachauer Buam aus Krems an der Donau eingespielt.
Die Musik ist von dem US-amerikanischen Gospel Just over in the Gloryland ĂŒbernommen worden, der 1906 veröffentlicht wurde. Die Komposition stammt von dem methodistischen Kirchenmusiker Emmett Sidney Dean (1876–1951)." (Wikipedia) 

😕 Ich meine, ich hĂ€tte die deutsche Liedversion schon vor 1971 gehört - vorgesungen von meiner Mutter!, aber das sind vielleicht nur falsche Erinnerungen. Darum ist es immer gut, Erinnerungsfotos oder auch -videos zu machen. 😄 Hatten Sie auch schon mal falsche Erinnerungen und auf einen Fotobeweis zurĂŒckgegriffen? 

Wenn ich jetzt mit der KI total firm wĂ€re, wĂŒrde ich sie das Radl-Lied als Techno-Version im Stil von Kraftwerk und dazu ein Video mit E-FahrrĂ€dern erstellen lassen. Vielleicht haben Sie ja Lust, so etwas zu generieren? 😁 Ach ne, das  gibt's schon! Sekt am Spreeufer war schneller. 😂  

FĂŒr den Fall, dass Ihnen die Wachauer Buam nicht so zusagen, habe ich noch eine Country-Version des Originals Just over in the Gloryland von der Dalton Gang herausgesucht und unten verlinkt. Die gefĂ€llt mir eindeutig besser, und ich freue mich schon auf das nĂ€chste Konzert im Pflegeheim: Da kommt wieder die Country-Band Lost In Bavaria.  đŸŽ¶đŸ˜… 

Bei welchen Liedern singen Sie gerne mit? 

Siehe auch: Die Zukunft hat begonnen?, Mit dem Lastenfahrrad ins Weltall?, Trike!, Mobilmachung, Schön abgestellt, Danke!, Rastplatz am Radl-Highway, #Fahrrad, #MobilitĂ€t, #Musik

Zu den #Muttergeschichten, zum Beispiel Ausruhen?!, WundertĂŒte, Sicher!, Country Road, Rudelsingen, Zufall?, Feuertanz đŸ”„

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