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| 27 mm | 1/180 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone #nachgereicht |
#Hauptverkehrszeit #Mobilität
#Candidberg #Candidstraße #MittlererRing
#München #Giesing
Heute sehen Sie die Stelle, an der ich gestern früh das "Blendwerk" aufgenommen hatte: Ungefähr an der Stelle rechts oben, an der eine Gruppe von Passanten entlang läuft. Bei dieser Gelegenheit ist mir ein Textentwurf im "Backend" meines Blogs in die Hände gefallen, den ich 2023 geschrieben, aber nie veröffentlicht hatte. Ich denke, es ist an der Zeit, das nachzuholen. 😁
Um Ihnen die Location zu verdeutlichen, an der sich die kleine Begebenheit ereignet hatte, musste ich für mein Foto auf einen Tag warten, an dem ausreichend Verkehrsteilnehmende im Bild zu sehen waren. Es geht um den Radweg auf der rechten Seite, der (ausnahmsweise) angenehm breit und übersichtlich ist, so dass zwei klassische Fahrräder beim Überholvorgang gut aneinander vorbei kommen. Das war und ist in Baustellen-City nicht überall der Fall, aber man arbeitet weiterhin kräftig an einer Verbesserung. 🚴👍 Zufußgehende sieht man an dieser Stelle eher selten, was im Fall der nun folgenden Begebenheit von Vorteil war. 😅
Auf dieser Strecke am Candidberg geht es bergab, erst ganz sanft, dann etwas stärker. Am Ende des Gefälles, hinter der unübersichtlichen Biegung, in die sich der abendliche Stau hineinschiebt, befindet sich die große Kreuzung am Candidplatz. Folglich gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Mit vollem Schmackes runterbrausen, um es vielleicht bei Dunkelrot noch über die Ampel zu schaffen, oder ganz gemütlich den Berg runter rollen. 😌
Oben am Hang rollt das Radl auch ohne Pedalantrieb zügig voran, und je weiter es rollt, desto schneller wird es - klassische Physik in praktischer Anwendung. Manche Menschen treten bergab nicht extra in die Pedale, andere bremsen vorsichtshalber, und wieder andere geben Gas.
Ich gehöre zum Typus mittelschnell, und so rollte ich eines schönen Mittags, vom Zahnarzt kommend, hangabwärts. Da hat man noch eine wehe Backe und ist einigermaßen bedröppelt von der Spritze, also lieber gemütlich fahren. An der anderen großen Kreuzung, von der ich kam, hatte ich an der roten Ampel zufällig die Pole-Position eingenommen, also führte ich das Feld erst mal an. 😏
Schulterblick: den hat man in der Fahrschule gelernt, der ist auch beim Fahrradfahren nicht verkehrt. Wenn jemand überholen will, mache ich gerne Platz. Es gibt nichts Schlimmeres als diese lautlosen Überholer, die urplötzlich mit zwei Zentimeter Ellenbogenabstand an einem vorbeizischen. 😩
Während ich noch in die Pedale trat, merkte ich schon, dass ein E-Roller von hinten rasch aufholte. Damit er überholen konnte, hielt ich mich rechts. Ich wartete und wartete, der Roller überholte aber nicht. 😕 Nochmal ein prüfender Blick über die Schulter: Es war ein junger Businessmann, vielleicht so Mitte zwanzig, also Zielgruppe E-Roller. Er rollerte elektrisch in einem schicken Anzug und Krawatte vor sich hin, was elegant hätte aussehen können, hätte er nicht gleichzeitig einen überdimensioniert wirkenden, weißen Sturzhelm leicht schräg auf dem Kopf gehabt. Er fuhr beinahe gleichauf mit mir, so dass ich ihn mir anschauen konnte - ein sympathischer Typ, der seinen Aktenkoffer vorne auf dem E-Roller quer im Fußbereich positioniert hatte. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um dieses Ensemble vor Ihrem inneren Auge zu visualisieren...
Während wir uns gleichauf dem steileren Gefälle näherten, erklärte mir der Businessman entschuldigend: "Das ist eine blöde Geschwindigkeit bei diesem Roller: zu langsam zum Überholen. Das macht die Radfahrer immer ganz nervös." 😟
"Ich hab's nicht eilig", meinte ich, schenkte ihm ein Lächeln, und sah aus dem Augenwinkel einen zweiten E-Roller von
hinten herandüsen. Im Gegensatz zum Modell, das der Businessmann fuhr, war der zweite Roller definitiv kein Leihfahrzeug, gelenkt von einer helmlos sportlichen Frau: groß, muskulös, Kurzhaarschnitt. Flott wäre ein altmodisch-harmloses Wort für das, was da von hinten auf uns zukam; dynamisch cool trifft es schon eher.
Für drei den Berg hinunter Rollende ist der Radweg definitiv zu schmal, also wich ich auf den Fußweg aus. Es war ja keiner da, der ihn gerade zum Zufußgehen brauchte, und beim E-Roller-Rennen wollte ich nicht mitmachen. Ich bin ja auf einem Radl mit klassischem Pedalantrieb unterwegs, und mein damaliger Pegasus war sowieso nochmal eine andere Fahrzeugklasse. 😂
Als wir den Abschnitt mit dem stärkeren Gefälle erreichten, wurde auch der Business-Roller deutlich schneller. Er holte auf, ich dachte Ja, jetzt... doch dann setzte unvermittelt die automatische Bremse ein! Beim modernen Verleih-E-Verkehrsmittel greifen Sicherheitsvorkehrungen!? Ich hörte noch ein überraschtes, langgezogenes "Ohhh!" aus dem Munde des Anzugträgers, 😕 dann fiel der behelmte Businessman im Rennen erneut zurück, unfreiwillig ausgebremst, während mein Fahrrad nun, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, ohne mein Zutun beschleunigte.
Der Moment für die coole Sportlerin war gekommen: Sie gab mächtig Gas, überholte den Business-Roller und mich in einem wahrhaft eleganten Bogen, und hatte freie Bahn auf dem Weg zur Kreuzung. Sie wischte gerade noch bei Gelb hinüber, hatte die an der Ecke wartenden Passanten und Rechtsabbieger souverän in Schlangenlinien umfahren, und verschwand irgendwo im jenseits der Ampelgrenze weiterfließenden Verkehr. Für mich war die Ampel natürlich rot. 🚦
Sekunden später stoppte der ausgebremste Businessman direkt neben mir, und lachte mich vergnügt an. "Es ist genau, wie meine Großmutter immer gesagt hat: An der nächsten Ampel treffen wir uns wieder." 😃
Zwar hatte die dynamische Frau mit ihrem schnelleren Roller das Rennen eindeutig gewonnen und war längst weg, doch ich nickte zustimmend: "Ja, das ist der Klassiker. Dazwischen kommt es natürlich auf den Fahrspaß an." Den hatten wir an diesem Tag, jede*r auf seine Weise. 😉
Spaß macht es meistens nicht, wenn man in München unterwegs ist, egal mit welchem Verkehrsmittel. Irgendwie hatte ich (vor drei Jahren) den Eindruck, dass die Stadt, als sie noch auf Autos ausgelegt war, besser funktioniert hat, auch wenn sie für Radfahrer die Hölle war. Wir kannten es nicht anders. 😒
Jetzt ist es egal, wie man sich fortbewegt: Es ist ein einziger Hindernislauf und mutet bisweilen chaotisch an. Mehr Platz wird hier nicht, und den verfügbaren müssen sich alle irgendwie teilen. Es sind deutlich mehr Menschen, und mehr - vor allem auch unterschiedliche - Verkehrsmittel geworden. Es fahren erheblich mehr Busse, die Autos sind größer, die Parkplätze verschwinden zugunsten von Radwegen, und darauf drängelt sich alles, vom E-Roller über das extrabreite oder extralange Lastenfahrrad bis zum Trike. Auch als Fußgänger braucht man stellenweise starke Nerven und stets den Schulterblick, bevor man die Spur wechselt, denn das Mobile kann aus allen Richtungen daherkommen. 😯
Die Baustellenhindernisse sind jeweils nur ein Übergangsphänomen, tauchen aber ständig irgendwo anders auf. Kaum ist das eine Hindernis weg, steht man schon vor einem neuen. Ob und wie die seit Jahren fortlaufenden Umbaumaßnahmen von Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln Früchte tragen? Irgendwie schon, aber es dauert. Die bauliche Rundumerneuerung und Nachverdichtung ist gewöhnungsbedürftig, und wenn OlympiJa kommt, und die Stadionerweiterung... 😅 Eine unendliche Geschichte.
2026 fällt mir auf: Obwohl stellenweise unkonventionelle Verhältnisse herrschen, kommt man irgendwie klar: Es motzt kaum noch jemand, wenn irgendein Vehikel auf dem Rad- oder Gehweg in der Gegenrichtung daherkommt. Das ist erstaunlich, und liegt vielleicht auch daran, dass (noch) nicht alle, aber viele "Falschfahrende" dabei umsichtiger geworden sind, und doch etwas mehr Rücksicht nehmen. Man will und muss ja irgendwie weiterkommen. Entspannt geht das einfacher, als mit Dauerhupe und gegenseitigem Anbrüllen. Auch das erlebt man bisweilen. 😒
Fernwärme-Anschlüsse könnten nicht nur wir in unseren Viertel brauchen, aber was bedeutet das im Straßenbild? Kaum ist die Parkspur-wird-zu-Fahrradweg-Baustelle fertig, reißen wir den Radweg zum Verlegen neuer Leitungen wieder auf, und schicken die Radler und E-Roller derweil auf die Autospur? Das wäre dann der Zustand wie in den 1980er/1990er Jahren, nur mit doppelt so viel Verkehr und halb so vielen Parkplätzen. Dass es Fortschritt gibt, zeigt sich zumindest im E-Antrieb. 😜
Sich unterwegs auf Radl und E-Roller fahrend mit Fremden zu unterhalten kommt selten vor, finde ich aber ausgesprochen cool. 😀 Sprechen Sie gelegentlich mit völlig fremden Menschen? Man hat uns ja schon in der Kindheit beigebracht, dass man das nicht machen soll. Als erwachsener Mensch kann man diese verhaltenstechnische Vorgabe nochmal überdenken. 😊
Siehe auch: Idyllische Ruhe?, E-Roller Hype, Lustig, Hindernislauf, Mobilmachung, Schön abgestellt, Regelwerk, Es ist wieder Stau, Gehen oder radeln?, Straßenfotografie, Überraschung: Fahrbahnerneuerung!, #Mobilität, OlympiJa, Erneuerung, Trike!, Hoch innovativ, Bin Laden, Guerilla!
Weiterführende Links
- Radfahren in München - muenchenunterwegs.de
- Radtouren in München und Umgebung - muenchen.travel
- Kidical Mass: ADFC München bringt am 11.10.2026 Kinder und Familien auf die Räder - Radl-Demo bei nachrichten-muenchen.com

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