Freitag, 26. März 2021

Umentschieden

 

Ostern naht. Man steht mit dem obligatorischen Einkaufswagen in der Abstandsschlange an der Discounterkasse und wartet sehnsüchtig auf den Moment, bis man raus und den Gesichtslappen wieder runter nehmen kann. Es dauert, die Kunden warten mit gesenkten Köpfen. Der Blick schweift suchend über die Auslagen. Ist alles an Bord?

Die ersten Erdbeeren sahen beim Betreten des Geschäfts so verheißungsvoll aus, so süß... naja, aber wenigstens so frisch, und so gesund. Diese roten Früchte künden auch vom nahenden Frühling und vom Spargel, aber bis dahin ist es noch weit. Es ist erst Ende März, und die Infektionswelle im zweiten Frühjahr nicht gebrochen. Die Vitaminbombe im Wagen ist eine beruhigende Rückversicherung: Gesundheit über alles! 

Auf der Zielgeraden zur Kasse passiert es dann doch. Die Nase trieft, die Seele hungert, die Osterruhe steht bevor. Vier Tage lang nicht einkaufen!? Da werden die Beine schwach, der Magen knurrt, der Körper schreit nach schnell verwertbaren Kohlenhydraten, das Belohnungszentrum im Gehirn sendet schrille Signale: Lass die sauren Erdbeeren! Nimm die bunte Tüte mit, reiß sie auf und iss die Eier auf dem Weg zum Parkplatz. Eine zweite für Zuhause. Ostern ist lang. Das hast du dir verdient, so viele Entbehrungen liegen hinter und noch vor dir, das brauchst du jetzt, das muss einfach sein. Wer weiß, wie lange die Erdbeeren halten... Die sehen auch so sauer aus. Man lebt nur einmal!  Kurzentschlossen umgedacht. Der Versuchung erlegen. 

So ungefähr muss es gewesen sein. Die Wahrheit kennt nur die Erdbeerpackung.

Siehe auch: Fluchtgedanken, Maskenwechsel, Bloß keine Diät!, Dramaturgisch notwendig, Nicht jugendfrei, aber dramaturgisch notwendig, Hat da jemand gepupst?, Unter'm Tresen, Nur solange der Vorrat reicht, Ungenießbar, Gender-Hähnch-innen?, Tabasco!

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