Mittwoch, 15. Dezember 2021

Hat da jemand gepupst?

Entschuldigen Sie den Ausdruck. Ich war mir nicht ganz sicher, wie man das Wort pupsen schreibt, und ob es wirklich gebräuchlich ist. Deswegen habe ich eine Google-Suche losgeschickt, und ... nein, Sie wollen nicht wissen, welche "ähnlichen Fragen" von Internetbenutzer:innen dazu gestellt wurden. Oder doch?

 


 

Ja, wie komme ich auf dieses Thema? Es ist so: Weihnachten steht vor der Tür, und ich will über die Feiertage meine Ruhe haben. Deshalb tätige ich bereits jetzt diverse Einkäufe, um unsere Vorräte aufzustocken. Nein, ich bereite mich nicht auf einen Blackout vor, es ist wirklich nur die klassische Vorratshaltung, nebst einigen hochprozentigen Zutaten für den Gabentisch, damit wir uns das zweite einsame Maskenfest in Folge ein bisschen schöner saufen können. 

Ich stehe also beim Aldi vor dem Regal mit den ungesunden Knabbereien, hinter mir lauern die Zwiebeln und Kartoffeln in der Auslage. Die Ananas für 99 Cent aus Costa Rica, unverschämt billig und wahrscheinlich genauso mit Pestiziden verseucht wie die Weintrauben aus keine-Ahnung-wie-weit- weg, habe ich schon liegen gelassen. Wenn schon ungesund, dann bitte richtig - also irgendwas hoch Verarbeitetes, mit richtig viel Gewürzen und Geschmacksstoffen, die auf den Zungenknospen eine Explosion verursachen und die Sinne so betäuben, dass man innerhalb kürzester Zeit süchtig nach diesem Zeug wird. Genau so etwas suche ich, denn heute bin ich ... ja, ich weiß auch nicht. Gut drauf?

Und dann passiert es: Links von mir, in einigen Metern Entfernung, genau bei den Salzletten, die auch auf meinem Einkaufszettel stehen, ertönt ein Sound, der meine Aufmerksamkeit schlagartig in andere Bahnen lenkt. Ich denke: Nein, das kann nicht sein! Woher kam dieser langgezogene, helle Ton, der in einem satten Flartsch endete? Ich überlege, ob ich mich der Frau am Salzlettenregal nähern und sie fragen soll, ob sie wirklich gepupst hat. Wenn man eine Maske trägt, ist man ja geschützt... naja, aber nicht vor Gerüchen, wie ich immer wieder irritiert feststellen muss. Das will ich doch lieber nicht riskieren. Ich halte also Abstand, räumlich und zeitlich, bis sich die Wolke verzogen hat. Jetzt verstehe ich noch viel besser, warum Maskentragen und Abstandhalten so gut sind. Wie verwegen ist es, im Supermarkt vorm Salzlettenregal laut zu pupsen? Ist es ein göttlicher Fingerzeig, der mich vor möglichen Folgeschäden - heftigen Pups-Attacken - warnen will, wenn ich mir auch dieses Junk-Food kaufe und an den Feiertagen genüßlich reinziehe? Ich bin verunsichert. Zwiebeln, Lauch und Bohnen sind auch keine Alternative. Die Frau ist weg, ich greife ins Junk-Food-Regal. Eine oder zwei Packungen? Besser drei. Es sind ja zwei Haushalte, für die ich einkaufe.

Siehe auch: Unter'm Tresen, Situationskomik, Nicht jugendfrei, aber dramaturgisch notwendig

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