Donnerstag, 2. Dezember 2021

Daniel-Day-Lewis-Momente

 

Vor einiger Zeit lief auf arte eine Dokumentation über den Schauspieler Daniel Day-Lewis. Er ist bisher der einzige Schauspieler, der dreimal mit dem Oscar in der Kategorie bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. Die Dokumentation zeichnet den Lebensweg und die besondere Arbeitsweise des Schauspielers nach. In vielen Interviews kommt er selbst zu Wort.

1989 spielte er am National Theatre in London den Hamlet. Nach drei Wochen Spielzeit hatte er in der Szene, als Hamlet dem Geist seines Vaters begegnet, auf der Bühne einen Zusammenbruch. Er brach in Tränen aus, verließ die Bühne vor Ende des ersten Akts, und betrat danach nie wieder eine Theaterbühne. 

"An jenem Abend hatte ich den starken Eindruck, einen Dialog mit meinem toten Vater zu führen. Aber nicht deswegen bin ich nie wieder auf die Bühne zurück: Ich war einfach erschöpft, mir war alles egal. Ich hatte es lange genug getan und konnte nicht mehr."

Kennen Sie selbst solche Momente? Manchmal muss man bestimmte Situationen hinter sich lassen, und manchmal braucht es dazu einen so großen emotionalen Druck, dass es nicht mehr anders geht. Die Zeichen dafür, dass eine Veränderung notwendig ist, zeigen sich meistens schon viel früher. Es gibt auch immer wieder Möglichkeiten, rechtzeitig aus einer Situation auszusteigen. Die Kunst des Lebens besteht darin, diese Momente zu erkennen, und den Mut zu haben, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Wenn wir zögern oder kneifen, wiederholen sich bestimmte, meist ungesunde Muster, und das mitunter lebenslang.

Nach einer angemessenen Pause setzte Daniel Day-Lewis seine Filmkarriere fort, und behielt es sich vor, nach jedem Film so lange Pause zu machen, bis er sich wieder in der Lage sah, eine neue Rolle anzunehmen - mit großem Erfolg. 

Siehe auch:  Alles kann zur Kunst werden, Verschnaufpause, Routine ist so angenehm, Drahtseilakt

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