Freitag, 25. September 2026

Heimvorteil 🍺🥨

27 mm | 1/120 s | f1,6 | ISO 100 | Smartphone

#Oktoberfest  🍺🥨
#Herbst2026 

17°C sind ein bisschen kühl, aber sonnig war's diesmal bei unserem Wiesnbesuch. Mein Bremer will jedes Jahr hin, und hat mal wieder gefragt, ob ich als Münchnerin nicht irgendein halbwegs geeignetes Outfit für das Ereignis im Schrank hätte. Nein, habe ich nicht und werde ich mir auch nicht zulegen. Da bin ich stur wie ein Esel. 😤 
Mein Mann hätte mir ein Original Oktoberfest Touri T-Shirt kaufen können. Die sind nicht alle hässlich, die Qualität fühlt sich erstaunlich gut an, und so eins würde ich auf Reisen tragen, und zwar genau dann, wenn ich Bayern zeitweise verlasse.😁

Hätte mein Mann mich nicht von den Souvenirständen weggezerrt, wäre ich mit so einem Shirt nach Hause gekommen. Die beliebte, elektrisch betriebene Wiesnhendl-Kopfbedeckung für 29 EUR hatte ich auch im Visier: super für Pflegeheim-Besuche. Meine Mutter würde sich schlapplachen. 😂🐔
Für's etwa gleiche Geld bekommt man zwei Maß Bier 🍻, und die haben wir uns natürlich gegönnt. Dazu gehört mindestens eine, wenn nicht gar zwei Wiesn-Riesenbrezen 🥨, je nach Appetit - das Stück zu 7 EUR. Außerhalb des Festgeländes bekommt man die traditionelle Backware günstiger, aber die Frage ist, ob man sie mit auf die Wiesn hinein bekommt. 👮

Weder vom Hochsicherheitszaun war etwas zu spüren, noch von der erhöhten Präsenz von Sicherheitskräften. Hier und da patrouilliert ein Polizei-Trupp übers Gelände, schön in Formation, so wie ich das seit Jahrzehnten kenne. Die anderen sind offensichtlich unsichtbar. 😏

In mein kleines Handtäschchen 👀 gucken die Kontrolleure am Eingang schon seit Jahren jedes Mal rein, nur um nichts zu finden außer Geld und Smartphone. Mehr braucht man auf der Wiesn nicht, außer man wäre Fotogräfin, aber das ganze tolle Equipment ist wirklich hinderlich beim "richtigen" Wiesnbummel.  Es liegt also zuhause, gut und sicher im Schrank. 

Ein Ordner wollte mir tatsächlich den Zutritt zu einem Festzelt-Biergarten verwehren, weil ich vorsorglich mit einer dieser Riesenbrezen ankam. Nachdem wir letztes Jahr unser Bier schon fast ausgetrunken hatten, bevor uns jemand eine Breze dazu verkaufte, wollte ich diesmal kein Risiko eingehen, denn ich hatte nicht gefrühstückt. Ein Oktoberfeststarkbier auf nüchternen Magen ist kein passender Auftakt für alles, was danach noch kommt. 😵 Da braucht man eine Unterlage, wie es so schön heißt. 😋🥨

Meine Super-Brezel hatte ich unmittelbar am Zugang zu ebendiesem Festzelt käuflich erworben, also nicht von außerhalb des Festgeländes mitgebracht, und mein spontaner Ausbruch "Ey! Die hab ich hier gekauft!" nebst meinem erstaunt-erzürnten Blick 😠 brachte den Ordner zum Einlenken. Vielleicht lag es auch am Batman T-Shirt, das mein Mann unter seiner Trachtenjacke trug, oder dem Umstand, dass der Ordner einen halben Kopf kleiner war als ich, und ich kleiner bin als der Batman Bodyguard hinter mir. 😅 Ich rate Ihnen trotzdem, sich nicht mit Wiesn- und Bierzelt-Aufpassern anzulegen. Da kenne ich auch ungute Geschichten. Wenn wir wegen der Brezen-Lappalie nicht reingelassen worden wären: einfach weiter zum nächsten Zelt. 

27 mm | 1/6400 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone

Auch das gibt's... erstmals bewusst wahrgenommen. 😉

Ob Sie es glauben oder nicht: am frühen Montagnachmittag war es noch ziemlich leer auf dem Gelände, und es standen viele freie Plätze in den Außenbereichen der Bierzelte zur Auswahl. Sogar drinnen konnten wir uns eine Zeitlang hinsetzen, weil die Tische erst ab 17 Uhr reserviert waren; im reservierungsfreien Bereich wäre auch noch Platz gewesen. 😲 Die Mittags-Wiesn ist besonders bei Einheimischen beliebt. Da ist das Ambiente zwar nicht so bunt beleuchtet, aber es ist auch noch keine so "bsoffene Sach" wie abends.

Nachdem wir uns eine Zeitlang dem tosenden Bierzelt-Höllenlärm ausgesetzt, der Musik - einem traditionellen Walzer - gelauscht, und ein bisschen Atmosphäre getankt hatten, nahmen wir draußen einen ruhigeren Sonnenplatz ein, mit Aussicht auf das bunte Kommen und Gehen. 
Da braucht man kein Netflix, trotzdem sitzen viele Gäste vor ihrer Maß, und scrollen auf ihren Smarties herum. "Sieben Leute am Tisch, fünf glotzen aufs Handy", fasste mein Mann die Szene zusammen. "Touris aus China" heißt sie bei mir. Da ist es natürlich schwieriger, ins Gespräch zu kommen - außer vielleicht mit KI-Übersetzung? 😅

Wer nicht aufs Smartie starrt, kommt schnell in Kontakt mit - ja, tatsächlich Einheimischen. Bairisch-Konversationsstunde auf der Bierbank für mein Bremer Ehegesponst, Fortgeschrittenenstufe 3. Ein Unternehmer aus der Oberpfalz, eine Trachtengruppe aus dem Erdinger Holzland - echt fesch und Smartie-frei, obwohl sie sicher welche in den Taschen hatten. Das Bier wurde schnell serviert und kühl getrunken - zünftig. Dass an den Tischen draußen dicke Zigarren oder Zigarillos geraucht werden, gehört mit dazu. 

Wir haben im Lauf des Nachmittags zwei verschiedene Festzelte und somit Biersorten genossen und festgestellt, dass die Gravuren am gläsernen Wiesn-Bierkrugboden anders aussehen als die im Biergarten. Diesmal hat eine Aufnahme gereicht und ist auf Anhieb gelungen. 😁

27 mm | 1/450 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone

 

Oft ist man auf dem Oktoberfest froh, wenn man überhaupt irgendwo einen Sitzplatz bekommt - "wegen Überfüllung geschlossen" ist eher Standard. Wenn man es sich aussuchen kann: Nicht jedes Bier ist gleich lecker, aber natürlich eine individuelle Geschmackssache; auch die Preise variieren. Falls möglich: nicht ins erstbeste Festzelt reinstürmen. 😊

Am Montag gab es keine langen Warteschlangen - weder an den Eingängen noch an den Fahrgeschäften. Nur gegen Abend, am Zugang zur Oidn Wiesn hätte man ein bisschen anstehen müssen. Dazu hatte mein Mann dann doch keine Lust mehr, denn wir hatten schon den großen Rundgang und die beiden Bierzelte hinter uns. Es fehlte nur noch unser persönlicher, traditioneller Tagesordnungspunkt: Irgendein krasses Fahrgeschäft, die alljährliche Mutprobe. 😱

Diesmal waren es sogar zwei, weil uns die erste nicht überzeugt hatte. Es gibt eine Virtual Reality Bahn mit 3D-Brillen, das Ding heißt Dr. Archibald - Master of Time. Sieht von außen interessant aus, fotografisch reizvoll ist auch die Wartezone, die wir zügig durchschritten. Es war mal wieder eine Möglichkeit, sich einen Eindruck davon zu verschaffen, was in Sachen 3D-Freizeitvergnügen (so halbwegs) "State of the Art" ist. 12 EUR pro 3D-Nase und Fahrt sind sportlich, selbst für meine Rubrik Fortbildungskosten. Um es kurz zu machen: Das T-Shirt für 22,50 (bester gesehener Preis unter dem 25 EUR Standard) wäre eine bessere Investition gewesen. Zwei Shirts für 40 EUR sind natürlich auch ein Schnäppchen, aber wenn der Mann den Partner-Look nicht will - sinnlos. 😆

In Sachen Fahrgeschäfte-Fahrspaß habe ich sowohl im Disneyland in Los Angeles (1994) wie auch im 3D-IMAX-Kino in München vor über 20 Jahren mehr Gaudi gehabt als bei Dr. Archibald, den es seit 2019 gibt. Ab 19 Uhr hätte das Erlebnis in einer Grusel/Horrorvariante stattgefunden, die meinem Mann eventuell besser gefallen hätte. Das normale Programm ist eher was für Kinder oder 3D-Unerfahrene, die es zum ersten Mal ausprobieren wollen. 

Nach diesem Schuss in den Ofen brauchten wir noch einen wirklich krönenden Abschluss, also Adrenalin pur. Mein Mann schlug die Fünfer-Looping-Achterbahn vor, aber die kennen wir schon zu gut. Darum sind wir einfach weiter zum Fahrgeschäft gegenüber des Master of Time, irgendsoein Gondel-Schaukelzeug mit Rotationseffekt. 😏

21 mm | 1/7500 s | f2,2 | ISO 50 | Smartphone


Es sah nicht direkt harmlos aus, aber auch nicht so krass, wie andere Beschleunigungsfahrten, bei denen man vorübergehend auch über Kopf durch die Luft gewirbelt wird. Am Eröffnungswochenende war gerade eins dieser Fahrgeschäfte zwei Minuten lang stehengeblieben, und die Leute mussten aus ihren Kopfüber-Positionen herausgeholt werden. Vielleicht war das der Grund, warum am Montag danach kaum jemand in so ein Ding einsteigen wollte? Wir mussten also nicht in einer Warteschlange stehen, dafür aber eine ganze Weile in der Gondel sitzen, bis sich genug Mutige für das bierselige Astronautentraining gefunden hatten. 

XXL Höhenrausch heißt das Vergnügen: 120 km/h Maximalbeschleunigung auf dem Weg von Kipp-Punkt zu Kipp-Punkt in jeweils 45 Metern Höhe. Zwischendurch abbremsen, kurzes Schwerelosigkeitsgefühl, dazu eine ständige Rotation mit Blickmöglichkeiten in sämtliche Richtungen... Ja, es war krass! 😎 

Auf die Frage "Wollt ihr nochmal?" rief ein Mann in der Gondel gegenüber "Nein!", ich nahm telepathisch Rücksprache mit meinem Mageninhalt und dachte: Passt noch. Am besten hält man das Geschaukel aus, wenn man sich die Leute anschaut, die in den gegenüberliegenden Sitzen festgeschnallt sind. Sobald man den Blick schweifen lässt, und entweder den Boden oder den Himmel auf sich zukommen sieht, ist es aus... 😱😆😯😄 
Wenn Sie mich kreischen hören wollen, dann genau dort. 😂 Mein Mann hatte vom kalten Fahrtwind Tränen in den Augen und wahrscheinlich wenig sehen können. Nächstes Mal sollte er seine Schwimmbrille mitnehmen. 😁 120 km/h ist schon schnell, selbst wenn man nicht rotiert und zwischendurch auf 0 km/h runterbremst. Beim fotografierten Konga-Schaukelmodell hätte es noch schöne Urwald-, Licht- und Nebeleffekte obendrauf gegeben. Nächstes Mal dann. 😅

Die 8 EUR pro Kopf für den Höhenrausch haben sich definitiv gelohnt, und jetzt können Sie zusammenrechnen, wieviele T-Shirts ich heute im Schrank hätte, wenn wir uns den anderen Spaß nicht gegönnt hätten. Man muss halt wissen, was im Leben wirklich wichtig ist - Erlebnisse, an die man sich für den Rest des Lebens erinnert. Oder auch nicht. 😜 

Oktoberfest ist kein Muss, kann aber Spaß machen, wenn man gute Rahmenbedingungen erwischt. Als Münchner Kindl vor Ort, mit Wetter-App und Live-Cam Überblick im Netz, hat man einen echten Heimvorteil. 😌 Nun hoffe ich, dass es auf der Wiesn ruhig und sicher weiter geht. Ich verstehe auch alle Mit-MünchnerInnen, die es vorziehen, während der Wiesnzeit einen großen Bogen ums Gelände zu machen, oder gar in Urlaub zu fahren. 

Anzumerken ist außerdem, dass ich auch heuer nicht die sonst übliche Reizüberflutung (Lärm, Gedränge und 'zu viel des Guten') erlebt habe, und das finde ich ausgesprochen bemerkenswert. Fazit: Heuer hat es richtig Spaß gemacht.👍

Wie gut kommen Sie mit potenziell reizüberflutenden Situationen klar? Suchen Sie manchmal den Trubel? 😹

Am nächsten Tag war das frühabendliche Chaos an der Tegernseer Landstraße in Giesing so krass, dass ich kaum noch wusste, wo und wie ich mit meinem Fahrrad die Straße überqueren sollte: Rückstau von der neuen Schmalspur-Kreuzung am Giesinger Berg. Busse, hupende PkW, Taxis und Lieferwagen waren stehend im Stau so ineinander verkeilt, dass nichts mehr weiterging. Fußgänger, Radler und E-Roller zwängten sich dazwischen durch, dazu der Sound einer langanhaltend und hochgradig wütend bimmelnden Straßenbahn, während sich von irgendwo noch ein Lalü-Lala-Krankenwagen dazu gesellte. Erhöhtes Verkehrsaufkommen ist eben auch, aber nicht nur ein Nebeneffekt von 'Oktoberfest'.  😜

Siehe auch: Festgelände, Massvoll fotografieren 🍺, Allgemeiner Lagebericht, Alles unter Kontrolle?, Hey Baby, wo geht's zum Kornfeld?, Sommerwetter!, O'zapft is!, Zerknautscht, Betreutes Staunen, Tradition und Moderne, Gscheide Haferlschuhe, Wonach trachten Sie?, Reizüberflutung, Erlebniskarussell, Langer Samstag

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