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| 28 mm | 1/120 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone |
#Glas #minimalistisch
#Muttergeschichten #Pflegeheim
Womit fange ich heute an? Die Auswahl an möglichen Themen ist nicht unbeträchtlich, wie so oft. 😅
Das Fotomotiv hätte mehr Bildschärfe aufweisen sollen, aber ich kann ja nicht die ganze Zeit mit meinem Smartie herumfummeln, wenn ich meiner Mutter bei der Redaktionssitzung zuhören soll. Sie hört mir zwar auch nicht immer aufmerksam zu, aber gut... in ihrem Alter?! 😏
Von der Baumfällung vor dem Eichhörnchenbalkon hatte ich ihr berichtet, da hatte sie zugehört und war natürlich entsetzt. 😢 In dieser Angelegenheit habe ich mittlerweile Klarheit: Der Baum - eine Vogelkirsche - war fachkundig begutachtet worden, bereits abgestorben und die Fällung war offiziell genehmigt. Damit ist die betrübliche Sache erst mal abgehakt. Die Hausverwaltung und die Baumbehörde haben beide unglaublich schnell geantwortet, und das ist in diesen Zeiten nicht selbstverständlich, also lobende Erwähnung. 👏 Erleichtert bin ich darüber, dass die Eichhörnchen heute schon wieder ihre Nüsse abgeholt haben, diesmal zu dritt.
Ebenfalls erstaunlich war, dass meine Mutter einen Verbesserungsvorschlag einbrachte, während ich versuchte, durch die Glassäule ihres Weinglases hindurch ein interessantes Foto aufzunehmen. Sie verstand zunächst nicht, was ich vorhatte, also zeigte ich ihr auf dem Smartie meinen ersten Versuch, und erklärte ihr, dass es sich um ein künstlerisches, abstraktes Stillleben handelt.
"Stell das Glas doch auf die pinkische Serviette", meinte sie daraufhin. Gesagt, getan. Der Autofokus hatte trotzdem Probleme mit dem Objekt, und meine Mutter das dringende Bedürfnis, mir von ihrer aktuellen Lebenslage zu berichten. Da muss man sich entscheiden, was wichtiger ist. 😉
Als ich die Weinvorräte 🍷 im Mutterschrank überprüfte, staunte ich nicht schlecht über zwei Flaschen einer neuen Rotweinsorte, die nicht aus meinem Mutterlieferservice stammten. Aha!, dachte ich, da ist nach der langen Eiszeit des grimmigen Schweigens gerade wieder eine Tauwetterphase angebrochen. Die dauert so lange, bis es meiner Mutter erneut zu viel wird. Die Grenzen im Umgang zwischen allen Beteiligten müssen kontinuierlich ausgelotet und immer wieder definiert werden. Das ist ruckelig, es geht auf und ab, hin und her, und so "ist immer was los in dieser Anstalt".
Letzte Woche ist ein Heimbewohner verstorben, der schon sehr lange an einem schweren Gehirntumor gelitten hatte. Obwohl er kaum noch ansprechbar war, hatten ihn die Pflegekräfte tagsüber in den Gemeinschaftsbereich gesetzt, wo er das Kommen und Gehen auf der Station miterleben konnte. Für mich war der Mann mit dem Kopfverband ein gewohnter Anblick, ich grüßte ihn jedes Mal im Vorbeigehen, und manchmal nickte oder blinzelte er zurück.
Nach Todesfällen steht ein Rollwagen vor dem jeweiligen Zimmer, und darauf befindet sich unter anderem ein Kondolenzbuch 📖 🕯 ✝, in das man etwas hineinschreiben und Abschied nehmen kann. Das ist dann eine meiner Aufgaben, weil meine Mutter selbst nicht mehr schreiben kann. Wenn sie die Mitbewohner persönlich gekannt hat, erzählt sie mir etwas über sie.
Sie beobachtet auch sehr genau, wer gerade "abbaut", oder wieder besser aussieht. Todesfälle sind in dieser Umgebung keine Seltenheit, und jedes Mal eine Erinnerung an die eigene Sterblichkeit. Auch wenn es schwierig und bedrückend ist: Der Gedanke, dass der Tod auch als Erlösung empfunden wird, stand diesmal bei den Einträgen im Kondolenzbuch im Vordergrund. 😔
Nach einer gewissen Zeit wird der frei gewordene Heimplatz natürlich wieder besetzt. Nun steht die Frage im Raum, ob der Freund der Zimmermitbewohnerin meiner Mutter vom Erdgeschoss in den vierten Stock hinauf umziehen kann. Er wäre dann "Tür an Tür mit Alice" untergebracht, also unmittelbar im Nebenzimmer. Dann müsste er nicht mehr durch das Damendoppelzimmer laufen, sondern könnte direkt über den barrierefreien Balkon an die Balkontür seiner Angebeteten klopfen. Für das gemeinsame Frühstück auf dem Balkon gibt es bereits einen Klapptisch an der Reling, zwei Stühle, und die Pflegekräfte müssen dann nur noch den sonnengelben Sonnenschirm aufklappen. Mit den Blumenkästen sieht's vor Ort schon beinahe aus, wie auf dem Balkon eines Urlaubshotels. 👙👓🌞 🌴
Ich hatte eine Großtante, die im Alter von 87 Jahren noch ihre Jugendliebe geheiratet hat. Die beiden hatten danach noch zehn gemeinsame Jahre, bevor sie 2021 im Alter von 97 Jahren verstarb. (Wochenanzeiger)
Ob die Mutter-Mitbewohnerin und ihr Freund offiziell heiraten 🔗 müssten, um gemeinsam in einem Zimmer untergebracht zu werden, und was die Kinder von all dem halten, weiß ich momentan nicht. Ich komme nur zum Schluss, dass "Altwerden" eine ziemlich verrückte Sache sein kann, und dass man selbst im Pflegeheim vor keiner Überraschung sicher ist. Veränderungen überall... Wieso muss ich gerade wieder an dieses Feuerpferd denken? 😏
Siehe auch: Magische Lichtreflexion, Redaktionssitzung, Knoblauch und Weihrauch, Zünftig, Erst die Arbeit..., Atsvents 1,2025, Sind Sie alt?, Geistig fit?, Trendthema Feuerpferd,
Alle #Muttergeschichten
Weiterführende Links
- Wir bleiben selbständig - Wochenenanzeiger 2011
- Jung sein ist nicht leichter - Wochenanzeiger 2011

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