Dienstag, 3. März 2026

Hinterglasputzerei

27 mm | 1/40 s | f1,6 | ISO 500 | Smartphone

#Glas #Spüli #Schaum #detailverliebt

Alles kann zur Kunst werden, und der Vorgang des Saubermachens ist auch eine Kunst. Entweder man kann es, oder man kann es nicht? 😅 Es hilft ja nichts. Schmutz und Staub sind wiederkehrende Begleiter des alltäglichen Lebens, das weiß jeder, der ein Auto sein eigen nennt; wer Kinder oder Haustiere hat, sowieso. 

Schmutz auf Glas ist eine spezielle putztechnische Herausforderung. Wie lange können Sie in einen vertappsten Spiegel blicken, oder sich an fotografischen Bildmotiven erfreuen, die hinter von Staub getrübten Glasscheiben an der Wand hängen? Man kann sich angewöhnen, an gewissen Dingen vorbeizuschauen, vor allem, wenn andere Dinge wirklich wichtiger sind. 😏

Im ehemaligen Mutterhome hingen sehr viele kleinformatige Bilderrahmen an der Wand: Die Familiengalerie, die Hundegalerie, aber auch andere Fotomotive, die meine Mutter bei mir gesehen hatte, und als Wandschmuck für ihre Wohnung haben wollte. So war über mehrere Jahrzehnte eine kleine Galerie entstanden. Als ich letztes Jahr sämtliche Wände für die Renovierungsarbeiten freiräumen musste, wurde mir bewusst, wieviele Bilder selbst an eine kleine Wand passen. 😲 Wohin damit, und sei es nur vorübergehend?

Ich hatte weder den Nerv noch die Zeit mich um Details zu kümmern, also sortierte ich die Bilder/Rahmenbestände nur grob vor. Arbeiten auf später verschieben ist keine grundsätzlich gute Strategie, aber notwendig, wenn es andere, klare Prioritäten gibt. Prokrastination ist etwas anderes: Da schiebt man wirklich wichtige Dinge viel zu lange auf. Das Putzen abgehängter Bilderrahmen gehört nicht dazu.
Als leidenschaftlich Fotografierende kann ich diesen Fundus weiter verwenden, aber dazu müssen die Objekte, die jahrzehntelang an der Wand gehangen waren, erst mal gründlich gereinigt werden. 😒

Weil ich mich nicht jeden Tag um die 'Altlasten' aus dem Mutterhome kümmere, und mir dafür auch nur ein begrenztes Zeitfenster einräume, zieht sich das Gesamtprojekt entsprechend in die Länge. Das nervt manchmal, führt aber auch zu interessanten Erkenntnissen und Aha-Erlebnissen. Was ich vor drei Monaten noch wegwerfen wollte, ergibt auf einmal einen neuen Sinn?! 😕 Schon spannend.

Reste von abgelöstem Bildmaterial, das an der Rückseite von Glasrahmen klebt, lässt sich im Wasserbad leicht entfernen - das war die erste gute Erfahrung. Die Fotoabzüge kann man natürlich wegwerfen. Während ich mit dem Schwamm meditativ vor mich hinschrubbte, erinnerte ich mich an die vielen Stunden, die wir im Fotoclub mit dem Reinigen von Bilderrahmen zugebracht hatten: Vorbereitungen für die zweimal jährlich wechselnden Gruppenausstellungen. Dort war Glasreiniger im Einsatz, diesmal war es Spüli, und das erzeugt erst mal einen tollen Seifenschaum. Später soll das Glas natürlich glänzen und keine Schlieren haben, aber... 
Wie sähe der Schaum wohl aus, wenn man Lebensmittelfarbe ins Spülwasser gibt? Und: könnte man daraus nicht ein eigenes Kreativprojekt entwickeln? Hinterglasspülimomentaufnahmen! Neue Kunstform. Handy raus, Foto machen! Und so wird eine eher lästige Aufgabe mal wieder zum Flow-Erlebnis. 😊 

Ich hätte die Rahmen natürlich auch an den Straßenrand stellen können, um mir Zeit und Arbeit zu sparen. Und in einem halben Jahre fahre ich dann wieder ins Möbelhaus oder kaufe online neue Rahmen nach? Das wäre dann "Sparen an der falschen Stelle". Abgesehen davon reduziert das Wiederverwenden die Menge an Wohlstandsmüll. Upcycling ist zudem eine ausgesprochen kreative Angelegenheit. Aus dem Designer-Möbelhaus haben wir nicht nur Weingläser mitgebracht, sondern auch einige interessante Ideen. Das ehemalige Mutterhome ist jetzt eine Kreativwerkstatt, es fehlt nur noch der passend bestückte Werkzeugkasten. 😁 

Beim heutigen Fotomotiv ist mir natürlich auch die Hinterglasmalerei eingefallen. Diese Technik, die sich bis in die Hochkunst der Antike zurückverfolgen lässt, hatten wir im Kunstunterricht in der Schule einmal ausprobiert. 

"Im Zeitalter der Industrialisierung geriet das volkstümliche Hinterglasbild ins Abseits, es galt als unmodern und kunstlos. Die Künstlergruppe Der Blaue Reiter schuf in Murnau ab 1905 dann wieder etwa 50 Werke in dieser Technik. [...]
Der Trend zur Nostalgie bescherte der Hinterglasmalerei seit den 1970er Jahren ein neuerwachtes Interesse, das sich in Publikationen, Ausstellungen und auf anderer Ebene, in Hobbymalkursen zu diesem Thema äußerte. Und immer wieder fanden professionelle Bildende Künstler auch in jüngerer Zeit noch in der Hinterglasmalerei ihr adäquates Ausdrucksmittel", erläutert Wikipedia. 

Wussten Sie, dass selbst Gerhard Richter ein Bild hinter Glas gemalt hat? Zuletzt gab es 2022/23 eine Ausstellung im Schaezlerpalais Augsburg: "Vorsicht, zerbrechlich! Hinterglasgemälde aus vier Jahrhunderten." 

Dass von den ganz alten, antiken Werken so gut wie nichts übrig geblieben ist, liegt in der Natur der Bildträger: Glas ist eben sehr zerbrechlich. Mit den Pressspanplatten von modernen Bilderrahmen, deren dazugehörige Gläser kaputtgegangen sind, kann man auch mehr anfangen, als sie zu verheizen. Beweisfoto folgt. 😎

Siehe auch:  Spüli, Noppensocken, Kreative KücheIst das ein Nasobehm?Nicht kleckern, sondern putzen!Alter KrimskramsAusgemustert, Bild gefällig?Das Bild hängt schiefAuf den zweiten Blick, Wo ist das Wurmloch?Grüße aus DigitalienLucy in the Sky oder so ähnlichDie Farben Japans, #Kreativität, #Kunst

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