Montag, 31. Januar 2022

Jadegrün

 

#Siebenbrunn  #Quellbach #Kiesel  #Algen 

Bunte Kiesel im Quellwasser nahe des Münchner Tierparks. Bei meiner Joggingrunde am Wochenende fiel mir dieser einzelne, leuchtend grüne Stein auf. Der Stein ist nicht grün, er ist nur auf der Oberseite von einer dünnen Schicht Algen bedeckt. Aber warum nur dieser, und die anderen daneben nicht? 🔍

Solche Phänomene interessieren mich. Jetzt wüsste ich gerne, was an diesem prinzipiell banalen und grundsätzlich hellen Kiesel so anders ist, dass sich auf ihm irgendwelche (welche?) Algen besonders gerne niederlassen. Der schmeckt ihnen anscheinend besonders gut. 😋 Mineralien - welche? Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich im Internetz Nachforschungen anstellen.

Eine Lebensspanne reicht leider nicht aus, um all den interessanten Fragen nachzugehen, die es auf und in dieser Welt gibt. Um nur die wichtigsten Fragen halbwegs hinreichend zu untersuchen und zu klären, muss man sich spezialisieren. Das war nie mein Ding, oder es ist nur phasenweise gelungen.

Wäre ich dem Rat unseres Biochemielehrers gefolgt ("Leben außerhalb der Erde ist unmöglich"), würde ich heute vielleicht in einem Forschungslabor oder in einer Sternwarte hocken. Eine meiner Mitabiturientinnen hat diesen wissenschaftlichen Weg eingeschlagen. Sie war immer schon sehr klug, hat ihren Doktor in Tiermedizin gemacht, und sich in ihrer Laufbahn offensichtlich lange mit Viren beschäftigt, die Ferkel und Mastschweine befallen. Das ist schon wichtig, aber ... dafür "muss man gemacht sein". Echte Forschung ist mühsam, aufwändig und langwierig. Da müssen akribisch Daten erhoben und analysiert werden, man kann nicht wie ein hakenschlagendes Kaninchen auf Speed täglich das Thema wechseln, oder sich an irgendwelchen Unstimmigkeiten im Datensalat stoßen.

Wenn die beobachtete Realität den Erwartungen widerspricht
Bei meiner Facharbeit zum Thema "Auswirkungen der chemischen Düngung auf das Pflanzenwachstum" kam nicht das raus, was im Lehrbuch meines Onkels stand, der von Beruf Gärtner war. Meine angeblich optimal gedüngten Pflanzen ließen alle Blätter hängen und blieben mickrig. Die ungedüngten hingegen gediehen prächtig. Ich konnte nur mutmaßen, dass der angeblich neutrale Sand, in dem meine Testpflänzchen damals wuchsen, mir unbekannte Bestandteile enthielt, die das laut Chemielehrbuch zu erwartende Ergebnis verfälscht hatten. Keine Zeit neu anzufangen, oder eine chemische Analyse des Substrats vorzunehmen. Schlechter Versuchsaufbau, amateurhafte Materialien, aber für's Abi hat's gereicht. Es ging ja um's Prinzip des Experimentierens. 

Dabei wurde mir klar, dass Forschung widersprüchlich sein kann. Fehlersuche: Anhand des dokumentierten Pflanzenwachstums konnte ich jetzt Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Substrats ziehen. Das war nicht der ursprüngliche Plan, aber auch interessant. In meinem Kopf gingen Türen auf: Was war das für ein Saatgut? Vielleicht hätte ich noch klären sollen, ob der Weizen aus den 1980ern gar nicht so viel Düngemittel brauchte, wie im Buch aus den 1950er Jahren angegeben war? Mein Onkel meinte, dass er sich da immer noch dran hielte, und dass das schon so stimme. Seine Tomaten waren lecker und keiner redete von Bio. Ob seine spätere Parkinson-Erkrankung vielleicht mit den chemischen Keulen zu tun hatte, die er im Gewächshaus ganz natürlich und ohne Schutzausrüstung über Jahrzehnte eingesetzt hatte, hat niemand hinterfragt.

An einigen meiner Blogartikel werden Sie vielleicht erkannt haben, dass in mir eine neugierige Forscherinnenseele wohnt. Dazu ein vorlautes, ironisches Lästermaul, und eine begeisterte Fotografin, um nur die wichtigsten "Teilpersönlichkeiten" zu erwähnen. Der gute alte Goethe seufzte, dass ach, zwei Herzen in seiner Brust schlugen. Bei mir sind es fünfundzwanzig, und alle wollen dass ich irgendwas für sie tue. Am besten geht das, indem ich hier an meinem betrachtenswerten "Panoptikum" bastle, und wenigstens die Mosaiksteinchen sammle, die mir meine fünfundzwanzig Herzen täglich vor die Füße schmeißen. Von den Menschen in meinem Umfeld mit ihren Erwartungen ganz zu schweigen: Was koche ich denn heute? 

Ich glaube Algensuppe wäre eine fantastische Idee. 😈 

Mein Mann fände das gut, meine alte Mutter nicht, und ich habe Bedenken wegen meiner Schilddrüse: extra Jod im Essen bei mir eher nicht. Es ist also kompliziert mit dem Speiseplan. Den veganen Hafertrunk, den ich meiner Mutter heute früh zum Probieren gereicht hatte, hat sie erwartungsgemäß verschmäht. Der ist unerwartet süß, und sieht auch ein bisschen grünlich aus. Vermutlich hat die alte Dame recht: Hafertrunk ist Chemie pur. Für ihren Frischkäse-Aufstrich und den Vanillesahnepudding gilt das natürlich nicht. 😅 Den hatte ich schon lange auf die rote Liste gesetzt, irgendwie muss ihr Blutzuckerwert runter.  Haferflocken-Müsli? Nein, da isst sie lieber Knäckebrot zum schwarzen Kaffee, und dazu gibt es das morgendliche Lachyoga bei Fit mit Philipp im ORF.  Lachen ist definitiv gesund - Puls 130. Andere Leute müssen dafür auf die Joggingstrecke, und stolpern unterwegs über grüne Steinchen. #Muttergeschichten

Zufällig gestern im TV: 42 - die Antwort auf fast alles: Können Algen die Welt retten? (arte)

Verbraucherzentrale: Oft zu viel Jod in Meeresalgen-Produkten

Andere Frage: Wie reagieren Algen auf Abwässer aus kaputten Atomreaktoren?  
Nori, Kombe, Wakame und andere Meeresalgen sind für Sushi unverzichtbar. Nach dem Reaktorunglück in Fukushima im März 2011 wurde in einigen Algen eine erhöhte Radioaktivität gemessen. Essbare Algen aus Japan werden daher besonders scharf kontrolliert. (fairberaten.net)

Wir verständigen uns auf Knäckebrot.

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