Samstag, 26. März 2022

Killerphrasen

Dieser Artikel ist Teil der Serie: Manipulationstechniken, die Sie kennen sollten.    

Methode 10: Killerphrasen

"Das haben wir immer schon so gemacht. Das geht sowieso nicht. Alle machen das so. Das sind doch alles Idioten, die keine Ahnung haben." Welche Killerphrase hören Sie am häufigsten? Welche verwenden Sie selbst gerne? Da hat jeder seine eigenen Strategien. Ich habe jetzt keine Zeit, das weiter auszuführen. Sie wissen schon, was ich meine. 😏

Killerphrasen sind Sätze und Redensarten, die zum Ziel haben, eine Diskussion abzuwürgen, indem Argumente pauschal oder mit fadenscheinigen Begründungen abgeschmettert und abgewertet werden. Einen sachlichen Bezug sucht man vergebens. Es gibt im Deutschen auch das gruslige Wort Totschlagargument. Egal wie man es nennt: Bei dieser Technik wird generell abgeblockt, oder es kommen Scheinargumente zum Einsatz.  Dadurch wird die Aufmerksamkeit des Diskussionsgegners bzw. des Publikums vom Kern des Themas auf einen irrelevanten Nebenaspekt abgelenkt. Es findet kein konstruktiver Austausch statt, als Gesprächspartner:in rennen Sie gegen eine Wand, und das immer wieder.

Sie kennen die aktuellen Kampfbegriffe aus den Medien: Verschwörungstheoretiker, Aluhutträger, Putin-Versteher, Gutmenschen, Öko-Terroristen - suchen Sie sich was aus, es funktioniert. Achten Sie einmal ganz bewusst auf die Sätze von Politiker:innen und Presseprecher:innen. Es ist das reinste Feuerwerk der Killerphrasen, und die sind auch im Beruf und im Privatleben häufig anzutreffen. Auch Sie werden einsehen müssen, dass das keine echten Argumente sind, und an Ihrer Stelle würde ich mich auch mit so einem genialen rhetorischen Trick herausreden. Was Sie vorschlagen, haben wir alles schon  versucht. Wir wissen das, aber es geht nicht. Unsere Lösung ist alternativlos, außerdem sind Sie viel zu jung (zu alt, zu unerfahren oder nicht kompetent genug), um das beurteilen zu können. Sie müssen noch viel lernen, es gibt Wichtigeres zu tun, und überhaupt: Haben Sie keine anderen Sorgen?

Alle diese Sätze haben eins gemeinsam: sie erzeugen höchst unangenehme Gefühle. Frustration, Ohnmacht, Wut.

Im Umgang mit meiner pflegebedürftigen Mutter habe ich die allerbeste Killerphrase kennengelernt, die Sie sich merken sollten. Sie lautet: "Was soll ich dazu sagen?" Mit dieser Scheinfrage endet jedes schwierige Gespräch. Ich könnte ihr natürlich sagen, was sie meiner Meinung nach sagen sollte, aber das kommt gar nicht gut. Und auch das ist eine Killerphrase.

Was macht man mit Leuten, die ständig abblocken oder ausweichen? Ein Tipp lautet, dass man die fadenscheinigen Aussagen in Fragen umwandeln soll, zum Beispiel: "Was genau meinen Sie damit?" Mit geschickt gestellten Fragen kann man das Gegenüber auf die Sachebene holen, und findet danach einen Ansatz, um das Gespräch konstruktiver zu gestalten. 

Eine andere Methode besteht darin, dem Gegenüber zunächst Recht zu geben, und im nächsten Satz die eigene Idee oder Ansicht trotzdem zu präsentieren. Je nachdem, wie die Person "gestrickt" ist, folgt darauf sofort das nächste Totschlagargument. Solche Gespräche sind anstrengend und so zermürbend, dass die meisten Menschen irgendwann aufgeben.

Wer richtig mutig ist, thematisiert die Killerphrase in ihrer Methodik und adressiert die Beziehungs- oder Gefühlsebene: "Ich habe den Eindruck, dass Sie nicht daran interessiert sind, meine Meinung anzuhören", oder noch konkreter: "Ich empfinde diese Aussage als persönlichen Angriff, und frage mich gerade, was Sie damit bezwecken."

Bei dieser Konfrontationstrategie müssen Sie sich warm anziehen, denn solche Gespräche können schnell aus dem Ruder laufen. Sie führen zu Streit, zu tiefen Gräben in der Beziehung, und kosten Sie womöglich den Job oder die Partnerschaft. Deswegen ist es besser, möglichst früh zu erkennen, wie der Hase läuft. Machen Sie einen großen Bogen um Menschen, die dauernd mit Killerphrasen um sich werfen. Im besten Fall können Sie die seltenen Momente abwarten, in denen Ihr Gegenüber wirklich bereit für ein konstruktives Gespräch ist. Bis dahin ist Ihre Frustrationstoleranz gefragt, und das bedeutet hohen emotionalen Stress. In der Folge entwickeln sich unter Umständen Depressionen oder andere gesundheitliche Probleme.

Überlegen Sie sich, ob Sie solche Personen auf Dauer in Ihrem persönlichen Umfeld ertragen wollen und können. Wenn Sie es aus irgendwelchen Gründen müssen: Von meiner Mutter habe ich noch eine andere gute Strategie gelernt. Wechseln Sie abrupt das Thema. Das funktioniert hervorragend: Ach, guck mal: Ein Eichhörnchen. Oder auch: Haben Sie schon die neuesten Nachrichten gehört?

Wenn Sie den Spieß umkehren, nimmt das den Druck aus der konkreten Diskussion heraus, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass man mit Argumenten nicht weiterkommt. Deshalb: Verschwenden Sie Ihre wertvolle Zeit nicht mit sinnlosen Diskussionen. Schweigen Sie, lächeln Sie innerlich, wenn Sie das können, und suchen Sie sich ein konstruktiveres Umfeld.

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