Dienstag, 5. April 2022

Baumbruch

#Baumfreunde 
#Frühling  #Wetter  #Natur  #Blüten

"Hals- und Beinbruch!", lautet ein mittlerweile eher selten genutztes geflügeltes Grußwort. Damit wünschen Menschen ihrem Gegenüber genau das Gegenteil von dem, was sie in Worten ausdrücken. Schon irgendwie verrückt, diese #Redensarten. Woher kommen solche Sprüche? Mir gefällt in diesem konkreten Fall folgender Erklärungsversuch: Wenn man glaubt, dass irgendwelche Schicksalsmächte gute Wünsche mit Vorliebe ins Gegenteil verkehren, kehrt man die eigene Wunschäußerung um, um das (bösartige) Schicksal auszutricksen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Umgebung von Berlin Jägern in diesem Sinne Glück gewünscht, während der explizite Wunsch viel Glück! als Unglück bringend angesehen wurde. (Wikipedia) Ja, aber: Was ist, wenn das Schicksal gar nicht bösartig ist, und gar nicht ausgetrickst werden muss?

Mein Mann würde sagen: Das geht von hinten durch die Brust ins Auge. Und außerdem ist das alles Aberglaube, irrationaler Quatsch. Segenssprüche: Da sind wir doch längst drüber hinweg. Oder etwa doch nicht?

Da wünschen wir uns neuerdings "Bleib gesund!", während wir noch vor ein paar Jahren das übliche "Gesundheit!" offiziell abgeschafft haben, wenn jemand niesen musste. "Das sagt man nicht mehr", klärte mich jemand auf, als ich ihm oder ihr von Herzen Gesundheit wünschte. Ich war verwirrt und fragte nach: Wieso eigentlich? Soweit ich mich an die Begründung für die Abschaffung von "Gesundheit!" erinnern kann, hieß es: Wenn man jemandem Gesundheit! wünscht, erinnert man diese Person indirekt daran, dass sie gerade krank ist, oder krank werden könnte, und das wäre nicht so gut. Also besser gar nix sagen. Aha?!

Haben wir demzufolge in den letzten zwei Jahren vielleicht einen Fehler gemacht, und hätten wir uns nicht besser "Stirb!" zurufen sollen, ganz im Sinne der umkehrenden Vorsorge für unsere Mitmenschen? Nein... Wenn einer ruft "Stirb, du Opfa!", dann ist das bestimmt nicht nett gemeint. Dieser Mitmensch hat eher nicht darüber philosophiert, ob der eingesetzte Segensspruch direkt oder indirekt einwirkt.

Es gibt gerade so viele Dinge, die sich in ihr Gegenteil verkehren, dass die geneigte Beobachtende gar nicht alles aufschreiben kann. Bleiben wir also erst mal beim Niesen: Ein humorbegabter ehemaliger Arbeitskollege hat mir vor dreißig Jahren "Zerplatz!" zugerufen, als ich während der Pollenflugsaison einen mächtigen Niesanfall hatte. Als ich das hörte, musste ich so lachen, dass die Niesattacke jäh endete. Ja, der Spruch war gut - weil er so aus dem Nichts kam, und so unerwartet, dass mein Allergiezentrum für einen Moment total verwirrt war. Häh?! 😆 Es war ein gezielt initiierter "Filmriss" in den physiologischen Mechanismen. Das war schon beeindruckend, zumindest für diesen kurzen Moment. Es hat nur ein einziges Mal funktioniert, danach war es nicht mehr so lustig.

Und was machen wir jetzt mit unseren gut gemeinten Segenswünschen? "Gesundheit!" besser nicht, "bleib gesund" aber schon, und vielleicht ist beides suboptimal? Da brate mir eine:r einen rosaroten Elefanten! Die modernen Segenswünsche sind Floskeln, die sich irgendwann abnutzen, weil sie nur mechanisch wiederholt werden, "weil man das halt so macht". Grüß Gott, sagt man in Bayern immer noch, und humorige Zeitgenossen fügen hinzu: wenn Du ihn siehst. Darf man das sagen? In meiner Kindheit wäre es in bestimmten Kreisen Gotteslästerung gewesen, aber ich kam mit einer Rüge davon. Was dieses Gesundheitsgequatsche angeht, bin ich konsequent und verzichte auf beide Varianten.

Ast- und Blütenbruch!
Dem kleinen Bäumchen am Wegesrand kann das alles egal sein. Dem ist gestern ein Drittel seines Volumens komplett weggebrochen. Autsch. Ob Vandalismus im Spiel war, ob es die temporäre Schneelast des Wochenendes auf dem blühenden Ast, oder der nachfolgende Nachtfrost war, die den Ast weggesprengt haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht hat das Bäumchen eine genetisch ungünstige Prädisposition oder Vorerkrankungen - man weiß es nicht. Es spielt auch keine Rolle. Zwei Drittel sind noch da. Und daran erkennen Sie meine Grundhaltung: Das Glas ist voller, als es das geknickte Bäumchen vermuten ließe.

Es wird den Bruch überleben: Das gleiche ist nämlich schon mal passiert, am anderen Stamm, und aus der alten Bruchstelle sind längst neue Zweige herausgewachsen. Auch die Stadtgärtner:innen machen hier wirklich gute Arbeit. Also Kopf hoch, und auf die  #Anpassungsfähigkeit und #KraftderNatur vertrauen. Im Irrsinn des Alltags kippt mein Glas auch manchmal um. Dann lasse ich nachschenken. 🍺😊

Siehe auch: Kraft tanken, Mutmachung, Holzauge 

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