Mittwoch, 2. Februar 2022

Murmeltiertag!

#Bäume  #Natur  #Gesichter
#Aktionstag

Der Murmeltiertag ist ein kulturelles Ereignis, das alljährlich am 2. Februar an mehreren Orten in den Vereinigten Staaten und Kanada begangen wird. Um eine #Wettervorhersage über den weiteren Verlauf des Winters treffen zu können, werden öffentlich und teilweise im Rahmen von Volksfesten Waldmurmeltiere (Marmota monax) zum ersten Mal im Jahr aus ihrem Bau gelockt. Wenn das Tier „seinen Schatten sieht“, also wenn die Sonne scheint, soll der Winter noch weitere sechs Wochen dauern. Die Trefferquote soll in den letzten 20 Jahren bei 59 % gelegen haben. (Wikipedia)

Wenn Sie den Murmeltiertag kennen, dann wahrscheinlich aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" mit Bill Murray, einem echten #Kultfilm. Falls nicht: Murray spielt einen mürrischen Wetteransager, der so überhaupt gar keine Lust hat, mit seinem Team in die Kleinstadt Punxsutawney zu fahren, um von dort über dieses provinzielle und dämliche Ereignis zu berichten. Er will einfach nur weg. Doch dann zieht ein Schneesturm auf. Das Team muss wieder zurück, und in Punxsutawney übernachten. 

Am nächsten Morgen beginnt derselbe Tag, immer wieder ertönt dieselbe Musik aus dem Radiowecker: I Got You, Babe!  Immer wieder machen und sagen die Leute genau dasselbe wie am Tag zuvor. Alle anderen merken nicht, dass immer wieder das gleiche passiert, für sie ist dieser Tag jedes Mal neu. Nur Phil Connors kann sich erinnern, dass das alles schon einmal passiert ist. Durch diese irritierenden #Déjà-vus erkennt Connors, dass er in einer Zeitschleife gefangen ist. Nun muss er sehen, wie er damit klarkommt. Er unternimmt ziemlich viel, um sich aus dieser Situation zu befreien, aber nichts scheint zu funktionieren. Er tritt immer wieder in neue Fettnäpfchen und muss viel lernen - Versuch und Irrtum, sein Weg der Erkenntnis. Dieser Film ist ein buddhistisches Gleichnis, wunderbar inszeniert, unglaublich komisch und berührend zugleich.

Weil mir mein eigenes Leben manchmal auch so vorkommt wie das von Phil Connors, sage ich auch manchmal: "Heute ist wieder Murmeltiertag." Wie komme ich da wieder raus?

Heute ist für mich ein besonderer Murmeltiertag: schon das Datum 2.2.22 ist bemerkenswert. Außerdem feiern mein Mann und ich am 2. Februar seinen lebensverändernden Umzug von Bremen nach München, der genau heute fünfundzwanzig Jahre zurück liegt. Wir kennen uns fast genau so lange, und sind seit 11 Jahren "überwiegend glücklich" verheiratet. Was haben wir nicht schon alles erlebt, in dieser Zeit und davor. Da gibt und gab es auch so manches Déjà-vu.

In der arte Dokumentation Der fantastische Mr. Murray erfährt man interessante Randnotizen zum Film und über den Schauspieler Bill Murray. So nimmt er beispielsweise Stellung zur Grabrede, die er für seinen 1982 verstorbenen Freund John Belushi geschrieben hatte. Darin ließ Murray scheinbar kein gutes Haar an Belushi, und zählte dessen schlechteste Eigenschaften auf: "Er war ein Scheusal. Keiner wird ihn vermissen." Ein Affront, ein Fauxpas? Keineswegs. Belushi selbst hatte oder hätte es so gewollt, und die Tiefgründigkeit dieser Aktion erklärt Murray in einem Interview: "Das kommt von dieser persischen Tradition: Wenn jemand stirbt, kommen alle zusammen, und erzählen sich schlimme Geschichten über ihn. Das habe ich bei John versucht. Man erzählt die ganzen schlimmen Sachen, die er dir angetan hat, die du ihm immer noch heimzahlen würdest. Das erinnert dich daran, dass wir Menschen sind. Man will nicht sentimental sein und den Toten zum Heiligen machen. Man will sagen: Der Typ war eine Ratte, ein Hund, und genau so bin ich auch, und ich sollte besser etwas dagegen tun. Das ist besser, als sich die Seele aus dem Leib zu heulen, denn es ist schon wirklich traurig."

Murray will zeigen, dass er als Schauspieler nicht nur Komödien spielen kann. Im Film "Auf Messers Schneide" spielt er einen buddhistischen Mönch - die Sinnsuche eines Veteranen aus dem ersten Weltkrieg in Tibet. "Hollywood findet dieses Projekt genauso verrückt wie ein Musical mit Silvester Stallone", und finanziert es nur, wenn Murray  in Ghostbusters mitspielt. Auf Messers Schneide floppt in den Kinos, aber die Dreharbeiten in Tibet hinterlassen bei Murray einen tiefen Eindruck. "Es hat dich still werden lassen, dich denken lassen, dich fühlen lassen. Eine unglaubliche Erfahrung." 

Danach muss er zurück nach New York und weiter Faxen machen. Auf die Science Fiction Komödie Ghostbusters hat er genauso wenig Lust, wie die Figur Phil Connors, die er später verkörpern wird. Er sieht die Gefahr, dass er womöglich den Rest seines Lebens mit seichtem Komödienmainstream verbringen muss. Er benimmt sich am Set wie ein Arschloch. Der Blockbuster wird für ihn jedoch eine gute Geldquelle. Murray klinkt sich aus, zieht nach Paris und erfüllt sich einen Kindheitstraum. Er studiert an der Sorbonne inkognito Geschichte und Philosophie. Er ist weiter auf der spirituellen Suche, und bezeichnet das "schwarze Loch in seiner Biographie" später als das Beste, was er je gemacht habe. Er findet keinen Gefallen mehr daran, nur komisch zu sein.

Als er das Drehbuch für das Murmeltier-Projekt bekommt, sieht er das humanistische Potenzial der Geschichte, sorgt sich aber auch, dass der Regisseur daraus erneut eine überdrehte Komödie machen wird. Er übernimmt die Führung, verhält sich weiterhin wie ein Ekel, und hinterfragt die Umsetzung. Er will, dass sich die Geschichte um die Frage dreht, wie wir mit der Zeit umgehen, und welche Folgen das hat. Der Regisseur Harold Ramis und der Drehbuchautor Danny Rubin schreiben das Drehbuch nach Drehbeginn noch einmal um. 

Harold Ramis, ein praktizierender Buddhist, sagt, dass die Figur Phil Connors etwa 10.000 Jahre in Punxsutawney verbringen muss, um aus dieser Falle wieder herauszukommen. Der buddhistischen Lehre zufolge soll es 10.000 Jahre dauern, bis eine Seele vollkommen sei. Und so beobachten wir im Film die Verwandlung eines Menschen, vom Arschloch zu einem netten Kerl. Im echten Leben hat der Schauspieler Bill Murray offensichtlich noch Nachholbedarf. Die 10.000 Jahre sind noch nicht vorbei, bei keinem von uns. Und so feiern wir heute den Murmeltiertag.

"Die Leute in der Stadt wissen, dass es ein bekloppter Feiertag ist, wie Karneval. Einmal im Jahr zieht man sich etwas Lustiges an und ist albern. Man feiert das Murmeltier, oh, großes Murmeltier! So ist das, die Leute lieben es." Nun denn. Wer den tieferen Sinn dahinter (noch) nicht erkennt, bekommt bestimmt weitere Murmeltier-Gelegenheiten mit Déjà-vus vom Feinsten.

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