Dienstag, 7. Juli 2026

Straßenzüge

27 mm | 1/2400 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone

#Freischankfläche  #Gastronomie  #urban
#Hans-Mielich-Str  #München #Untergiesing
#Sommer2026

Die deutsche Sprache wird von manchen Menschen, die keine Muttersprachler sind, als genial bezeichnet, weil man wie bei einem Baukastensatz mehrere Wörter einfach aneinander hängen kann, um einen Sachverhalt genauer zu beschreiben. So entstehen mitunter Wortungetüme wie zum Beispiel Donau-dampf-schiffahrts-kapitäns-mützen-design. 😂 Inhaltlich ist das sehr genau, solange der Zuhörende oder Lesende in der Lage ist, die einzelnen Wortbestandteile a) zu verstehen, und b) sich so lange konzentrieren kann, bis das lange Wort zu Ende ist. 😅 

Das Kombinieren von verschiedenen Wörtern kann aber auch zu Missverständnissen führen, wie im heutigen Beispiel: Ein Straßenzug ist nicht etwa ein Zug, der - möglicherweise ohne Schienen - durch eine Straße fährt, was ja prinzipiell möglich wäre. Stattdessen bedeutet das Wort Straßenzug einfach nur "eine Straße mit Häuserreihen", oder "eine sich hinziehende, fortlaufende Straße oder Straßenfolge mit Häuserbebauung" (verben.de)

Der Duden und das DWDS bringen als Beispiele für die Verwendung dieses Worts "ganze Straßenzüge werden saniert" und "neue Straßenzüge verändern das Bild unserer Städte", und da sind wir bei meinem Ansatz, die allgegenwärtigen #Veränderungen fotografisch zu dokumentieren. 😊

In meinem heutige Motiv sehen Sie - vordergründig - eine Freischankfläche vor einem Gastronomiebetrieb, mit vom Winde verwehten, vertrockneten Lindenblüten. Eingerahmt ist diese Szene von einem Straßenzug. 😁

Perspektivisch handelt es sich um eine Halbtotale, bei der das eigentliche Aufnahmeobjekt "Biergarten" im Verhältnis zur Umgebung eher klein bleibt. Man sieht viel von der Umgebung, und wo sich das Motiv befindet. Die sogenannte Einstellungsgröße beeinflusst nicht nur die Stimmung eines Bildes, sondern oft auch dessen Bedeutung. 

27 mm | 1/3000 s | f1,6 | ISO 50 
Smartphone
Im #Sommer2025 ging es mir um die Kneipe, die in dieser Straße neu eröffnet hatte, also hatte ich für den Beitrag Sommerburger eine komplett andere Perspektive gewählt. 

Mittlerweile hat sich die Größe der Schankfläche gefühlt verdreifacht und das Platzangebot reicht bis auf die Straße. 😲  Der Laden scheint gut zu laufen, was mir signalisiert, dass ich das damals für möglich gehaltene Schweinebratenessen endlich in die Tat umsetzen sollte. 😉 
Wie groß die Fläche vor einem Jahr wirklich war, weiß ich nicht mehr so genau - ich hatte nur diesen engen und reduzierten Bildausschnitt fotografiert. 
 
"Dinge in deren #Umfeld zu fotografieren, und nicht nur als losgelöste Nahaufnahme, ist ein gestalterisches "Ringen mit dem Motiv". Fotografische Reduktion ist relativ einfach, die Komplexität einer größeren Szene einzufangen, ist gerade eins meiner Übungsfelder", hatte ich im Beitrag Wegwartenwiesenweg geschrieben. 

Deshalb widme ich mich nun auf meinen täglichen Wegen dem "größeren Ganzen", also den Straßenzügen. Das treibt meine Wahrnehmung der "schnöden" Alltäglichkeit auf die Spitze, ist aber auch irgendwie cool, weil ich meine Umgebung auf einmal ganz anders sehe. 😎 
Es ist, als hätte sich in meinem Gehirn ein Schalter umgelegt, aber nicht über Nacht. In der Rubrik "Das ganze Bild" hatte sich diese Entwicklung schon angedeutet. 😉

27 mm | 1/1200 s | f1,6 | ISO 50 | Smartphone
#Oldtimer trifft auf #Biotonne
#Hans-Mielich-Str  #München #Untergiesing
#Sommer2026

Bestimmte Details sind als Blickfänger immer noch da, nur an einer anderen Stelle im Motiv. 😉 Sie müssen mehr danach suchen als ich, aber vielleicht erkennen Sie hier die beiden motivischen Echos aus meinen früheren fotografischen Entdeckungen: Groß... und Stadtverschandelung

Von diesem Selbsterfahrungstrip kann ich Ihnen heute mitgeben, dass 'fotografische Langeweile', die sich im Lauf eines Fotografenlebens phasenweise breitmacht, nur etwas Vorübergehendes ist. Oft ist dieser Zustand ein Zeichen dafür, dass Sie auf dem Weg zu etwas Neuem sind - oder unbewusst danach suchen. Folgen Sie Ihrer Intuition und verlassen Sie ausgetretene Pfade. 
Bei mir sind es momentan die Straßenzüge, die meinen Horizont erweitern, in einem Jahr ist es vielleicht wieder etwas anderes. Manche Themengebiete bleiben, jahre- oder gar jahrzehntelang präsent und interessant, andere sind vorübergehende Erscheinungen. Selbst Langzeitprojekte haben irgendwann ein Ende. 😉

Sollten Sie diese fotografische - oder eine andere Form von - Langeweile bei sich wahrnehmen: Wagen Sie Experimente in einem ungewohnten Genre, halten Sie es eine Zeitlang durch, und erwarten Sie nicht, dass das Neue auf Anhieb perfekt läuft: Der Weg ist das Ziel und Rückschritte Teil der Reise. 😅
Wenn es Ihnen nicht gefällt oder nicht liegt, können Sie jederzeit zu Ihren alten Routinen zurückkehren. Dann werden Sie womöglich feststellen, dass ein vorübergehender Ausflug ins Ungewohnte trotzdem neue Impulse für Ihre altgewohnten Abläufe mit sich bringt, sei es konkret beim Fotografieren, oder in anderen, "eingeschliffenen" Lebenssituationen. 

Albert Einstein meint: "Jeder Fortschritt hat einen unscheinbaren Anfang!" 😎

Siehe auch:   Va PensieroSommerburger, KünstlerbedarfAb- und aufgeräumtStraßenfotografieÄ-hmmm?, (Vor)Gartenkunst, Startklar, Spitze!, BrutalistenpistenWas stand an der Wand?, HeroischRaumgreifendLanger Samstag, München k(l)otzt, Voll hochbegabt, Fotografisches Gedächtnis, Alle ausgeflogenNocturne, Mild und farbenfroh#DasGanzeBildWegwartenwiesenweg

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