Donnerstag, 30. Juni 2022

Halbzeit 2022. Und jetzt?

Die Facebook-Timeline hat eine boshafte Funktion. Sie heißt "Du hast Erinnerungen, auf die du heute zurückblicken kannst." Manchmal mache ich das, und es ist wirklich interessant, was ich an diesem oder jenem Tag vor zwei, vier, acht oder zehn Jahren gepostet habe. Verglichen mit den Fotomotiven und Erinnerungen, die im Hintergrund weiter schlummern, sind solche Posts nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs.

Meinen Fotoanny-Blog gibt schon seit über zehn Jahren: Was war denn im Juni 2012? Sehenswürdigkeiten fotografieren! Da war ich gerade zurück aus Südengland. Auf dieser Reise hatte ich zwei verschiedene Kameras im Gepäck. Unterwegs hatte ich abwechselnd damit fotografiert, weil noch nicht feststand, zu welchem Modell ich  anschließend mein erstes Kamerahandbuch schreiben würde. Der Verlag hatte mir beide Kameras zum Ausprobieren mitgegeben.

Zehn Jahre später wirken diese Erinnerungen beinahe surreal, wie aus einem anderen Leben. Nein, nicht wie. Es war ein völlig anderes Leben. Das gleiche gilt für die Lebensphase vor meiner Selbständigkeit. Alles verändert sich - ständig. Wie ist das bei Ihnen? Vermissen Sie manchmal Teile einer bestimmten Lebensphase, oder haben Sie gar keine Lust oder Zeit, der Vergangenheit nachzuhängen? Wenn Ihre Gegenwart Ihre volle Aufmerksamkeit erfordert, sind Sie vielleicht genau da, wo Sie am besten aufgehoben sind: Im Hier und Jetzt. Wie fühlt es sich an? Alles gut, oder nicht - und wenn nicht: Was müssten oder könnten Sie jetzt aktiv verändern?

Wenn sich die Vergangenheit meldet, kommt man gelegentlich ins Nachdenken. Als meine Lieblingsturnschuhe neulich in der Wäsche waren, habe ich zu einem Paar Schuhe gegriffen, das ich seit anderthalb Jahren nicht mehr getragen hatte. Die alten Treter fühlten sich an, wie die eines fremden Menschen, merk-würdig. Dieses Erlebnis passt so wunderbar zum Zitat, dass man erst mal soundso lange in den Schuhen eines anderen laufen solle, bevor man ein Urteil über diese Person fällt - Indianische Weisheit. Wenn sich die eigenen Schuhe fremd anfühlen, ist das schon ein spezieller Moment.

Wie läuft's denn so?
Üblicherweise macht man erst zum Jahresende eine Bilanz, aber in vielen Unternehmen gibt es einen Quartalsbericht. Das Jahr 2022 ist nun zur Hälfte vorbei. Haben Sie einen Moment Zeit für Ihre eigene Zwischenbilanz?

Bei  mir sind trotz aller Veränderungen und Belastungen der letzten Jahre die wichtigsten Konstanten geblieben: Fotografieren und schreiben. Die persönliche Zielvorgabe lautete Anfang 2022 ein- bis zweimal im Monat einen Artikel als Fotonanny, und hier im Blog jeden Tag einen Beitrag posten. Die Zielerreichung liegt aktuell bei 100%. Das ist ein sehr gutes Zeichen in Sachen Disziplin, und es schlägt sich auch in den Zugriffszahlen nieder. 💪 Dennoch fehlen ein paar wichtige Elemente in meinem Leben. Unzufriedenheit ist unangenehm, aber sie ist oft der Auslöser, den es braucht, um Kurskorrekturen vorzunehmen. Beten hilft nicht, also gilt die Devise DIY - do it yourself.

Das Leben schreibt die besten Geschichten, aber wer führt Regie?
Meine #Muttergeschichten entwickeln sich ständig weiter, und gehen bald ins zweite Jahr. Mittlerweile haben sich in meiner Materialsammlung neben komödiantischen Momenten auch viele Elemente für einen Psychothriller angesammelt. Da wird mir das Lektorat auf die Finger hauen, und mich auffordern, die verschiedenen Erzählstränge strikt zu trennen. Will ich einen Psychotriller, einen Ratgeber für Angehörige, oder eben doch eine Tragikomödie abliefern? Da sage noch einer man habe im Leben keine Entscheidungsfreiheit. Es sind nicht die Dinge an sich, sondern unsere Gedanken und Bewertungen, die uns glücklich, traurig oder wütend machen.

Glaubenssätze hinterfragen

Wünsche dir nicht, dass es einfacher wird.
Wünsche dir, dass du stärker wirst.

    Jim Rohn

Dieses Zitat zum Jahreswechsel vom 27. Dezember 2021 sehe ich mittlerweile mit anderen Augen. Es ist ein schöner Motivationsspruch, aber heute frage ich mich: Wie stark muss man denn werden, bis es einfacher wird? Mit so einem Glaubenssatz bürdet man sich unbewusst immer noch mehr auf. Das geht eine Weile gut, es ist lehrreich, und es macht stärker. Man kann es aber auch übertreiben mit diesen Muckis. Irgendwann sieht man aus wie ein Koffer auf Beinen. Oder man ist mental so abgehärtet, dass man gar nicht mehr merkt, wie viele Bretter man vor dem Kopf hat. 

Nehmen Sie's mit Humor
... und arbeiten Sie mit Bildern, sogenannten Visualisierungen. "Aus den Brettern vor dem eigenen Kopf kann man sich eine schöne Hundehütte zimmern, oder auch ein Vogelhäuschen." Es kommt drauf an, wie viele Bretter man erntet, oder auch, was man gerade basteln will. Holzpaneele an der der Zimmerwand sind gerade nicht in Mode, aber man könnte die Bretter im kommenden Winter zum Heizen verwenden. Das spart Energiekosten. Wenn die Bretter vor'm Kopf nachwachsen, dann wäre das im Sinne der Energiegewinnung sogar nachhaltig. Im Hinblick auf die persönliche Weiterentwicklung und aus wirtschaftlichen Aspekten tendiere ich zu einer schicken Holzskulptur. Die könnte ich bei Sotheby's als Meisterwerk versteigern.

Wie lautet Ihr (aktuelles) Lebensmotto?
Welcher Sinnspruch passt momentan zu Ihrem Leben? Ist es an der Zeit für einen neuen? Mir hat heute ein Fahrradfahrer unterwegs einen schönen Satz zugerufen. Mehr dazu an einem anderen Tag. 😊
> Mutmachung

Siehe auch: Die 2020er stehen vor der Tür, Zwischen den Jahren, Tunnelblick, Daniel-Day-Lewis-Momente, Heute ist wieder so ein Tag, Drahtseilakt, Manche mögen's wild, Wegbegleitung, Kopf hoch, Nasse Füße, So weit die Füße tragen

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