Sonntag, 18. September 2022

Glückskeks-Wahrheiten

Ich habe mich immer schon gefragt, wieso Leute Glückskekse kaufen. Glück ist da nur selten drin. 😄 Wenn ich einen geschenkt bekomme, dann schaue ich natürlich nach, was für ein Spruch auf dem Zettel steht. Lecker finde ich diese trockenen und steinharten Bröselkekse nicht. Mit der Plastikverpackung drumherum gehört der Glückskeks für mich zu den Dingen, die die Welt nicht braucht. Aber: Hier in der Nachbarschaft gibt es jemanden, der offensichtlich jeden Samstag exakt einen Glückskeks im nahegelegenen Asia-Laden kauft, und die Verpackung anschließend an der stets gleichen Stelle auf den Boden schmeißt. Wohl bekomm's, das scheint ein echter Glückskeks-Fan zu sein. Oder steckt mehr dahinter? 😁

Das elektrische Schaf hilft gerne, hat mich aber auch ein wenig verwirrt: Kommt der Glückskeks nun ursprünglich aus Japan oder aus China, und was hat Amerika mit seiner Verbreitung zu tun? 

Bei diesem Gebäck handelt es sich anscheinend um ein kulturpolitisches Streitobjekt. Der ausführliche Wikipedia-Artikel dreht sich schwerpunktmäßig um die Fragen "Wer hat's erfunden" und "Warum irgendwann und irgendwo ein falscher Eindruck entstehen musste". Um es kurz zu machen: Die Japaner behaupten sie wären's gewesen, und die Chinesen hätten diese Erfindung später nur weiter produziert - in Amerika.

Wir leben nicht, um zu glauben, sondern um zu lernen. (Dalai-Lama)

Klar scheint zu sein, dass der Siegeszug des modernen Glückskekses in San Francisco begann, ausgehend von asiatischen Einwanderern. Über die USA kam das Keksglück nach Europa, wo es sich über chinesische Restaurants ausbreitete. Deshalb denken die meisten Leute, es sei eine chinesische Spezialität.
Beim unternehmerischen Erfindungsgeist steht Aussage gegen Aussage, weil man mit diesen Keksen gutes Geld verdienen kann. Darum ist es wichtig, wer sie in der Neuzeit in ihrer heutigen Form erfunden hat. In China hingegen soll der Glückskeks völlig unbekannt gewesen, und erst 1990 aus den USA kommend, erstmals eingeführt worden sein. Na sowas.
Für die moderne Keksversion trifft das sicher zu. Während der Kulturrevolution in China hatte man weder Zeit für noch Bedarf an Überraschungsgebäck mit mehr oder weniger weisen Sprüchen fragwürdiger Autoren. Dennoch erwähnt auch Wikipedia eine subversive Geschichte, die auf einer kulinarisch orientierten Glückskeks-Seite als Marketing-Text zu finden ist. Dort heißt es:

"Die Geschichte der Glückskekse reicht ins 13. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit hielten die Mongolen China besetzt, und man plante einen Aufstand, um sich von der Fremdherrschaft zu befreien. Die Informationen mussten heimlich an die Bevölkerung weitergegeben werden, ohne großes Aufsehen zu erregen. So erfand man ein Gebäck, in dem man Zettel verstecken und die strategisch wichtigen Informationen verbreiten konnte." Hui! Darum also keine Glückskekse in China?

Die Wahrheiten, die wir am wenigsten gern hören,
sind diejenigen, die wir am nötigsten kennen sollten.
(chinesische Weisheit) (???)

Das kann jetzt nur Satire sein. 

Wikipedia bezeichnet das historische chinesische "Mondgebäck" aus dem 13. Jahrhundert als "Teil der antimongolischen Propaganda". Uh. Wussten Sie, dass Sie sich im Internet jede Menge Glückskekse bestellen, und die Zettel darin mit Ihren eigenen Texten bedrucken lassen können?  Was für ein Spaß!

Ich überlege gerade, ob ich das machen sollte, kann mich bloß noch nicht entscheiden, welchen Spruch ich nehme. Meine Texte sind immer zu lang. 😂 Wie wäre es mit: Sie sind ein Glückskeks!?

Siehe auch: Jahr des Tigers, Mondfest, Scherzkeks, Vom Sushi wär noch was da, Tropische Nacht, Heute schon gezaubert?, Doch kein Apfel, Na wie wär's?, Da lachen ja die Hühner!

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