Mittwoch, 21. Dezember 2022

Wintersonnwendzeit

#Isar  #München  #Winter

Von der Corneliusbrücke hinter dem Deutschen Museum sieht man Richtung Süden die Türme der Kirche St. Maximilian und die des Heizkraftwerks Süd. Dessen imposante Wärme-Ausdünstungen sind an kalten Tagen stets sichtbar, und man kann  sie auch versehentlich für echte Wolken halten, wenn man die Türme nicht direkt im Blick hat. Was Sie im Foto vielleicht für die blaue Hand Gottes halten, die nach dem Kirchturm greift, ist nur ein riesengroßer Wolkenschatten. 😉 Licht ist schon was Feines,  nicht nur für Fotografen und :gräfinnen. Es hebt die Stimmung, und der biologische Menschenkörper braucht es zur Produktion von Vitamin D.

Als ich dieses Foto am Samstag (18.12.22) aufgenommen habe, war es erst 15 Uhr! Die gefühlte Uhrzeit sagte: Es war viel später, fast schon Abend, aber Gefühle sind bekanntlich trügerisch. Irgendjemand hat einmal gesagt, Zeit sei eine Illusion - oder auch eine Erfindung der Menschheit. Eine bedeutsame Erfindung ist sie auf jeden Fall. 

Wie unwichtig ist das denn? 😴
Der Sonnenuntergang am 18.12.22 war um 16:20 Uhr. Tageslicht hatten wir München immerhin acht Stunden und zwanzig Minuten lang, weiter im Norden war es weniger: Berlin 7 Stunden und 38 Minuten, Hamburg 7 Stunden und 27 Minuten. Nachgemessen habe ich das nicht selbst, diese Daten findet man im Internetz.
Sonnenauf- und -untergangszeiten sind wichtig für Fotobegeisterte, die ihre Touren entsprechend der lokalen Lichtverhältnisse planen, um fotogene Motive ins rechte Licht zu rücken. Es gibt auch spezielle Rechner, mit denen man die Länge der sogenannten Blaue Stunde ermitteln kann. Das hat nichts mit dem Blutalkoholspiegel zu tun, sondern ein Fachbegriff, der die Dämmerungsphase beschreibt.
Die Lichtintensität ist bei strahlendem Sonnenschein und reflektierender Schneedecke am Boden höher, das muss man beim Fotografieren und nicht zuletzt bei der Dosierung der Vitamin D Dosis ja auch mit einkalkulieren. 😅

Wendekreis wieder erreicht
Gestern war Neumond, heute ist Wintersonnenwende und astronomischer Winteranfang. Bei Helena Kleine von fuckluckygohappy.de habe ich einen schönen Text gefunden, zu dem Sie über die weiterführenden Links gelangen. Dieser Ausschnitt hat mich an einen Wissenschaftsbeitrag erinnert:
"Über die Jahrtausende verschiebt sich das Datum der Wintersonnenwende aufgrund der (sehr langsamen) Taumelbewegung der Erde, der sogenannten Präzession. In 26.000 Jahren fällt die Wintersonnenwende wieder genau auf das Datum, auf das sie in diesem Jahr fällt. Dazwischen wandert der Zeitpunkt einmal durch das gesamte Kalenderjahr. Und mit ihm die Jahreszeiten. In 13.000 Jahren ist es hierzulande also im Juni Winter. Solange niemand unseren Kalender anpasst."

Häh? Winter im Juni? 😱
Naja, das ist ja erst in 13.000 Jahren. Es ist schon kompliziert mit dieser Rechnerei, und wahrscheinlich gut, dass niemand von uns so unglaublich alt wird. Sonst würden wir vielleicht sagen: Hm, in meinen besten Jahren vor 13.000 Jahren waren die Sommer irgendwie anders?!  Als humanoide Eintagsfliege mit einer Lebenserwartung von plusminus neunzig Jahren hat man da nicht so viel Überblick. 😉

Interessanterweise beinhaltet der Maya-Kalender ebenfalls einen Zyklus von 26.000 Jahren. Die haben anscheinend weiter gedacht als "wir". 
"Der Kalender der Maya geht von langen Zyklen aus, einerseits dem 5125 Jahre dauernden Geschichtszyklus, einem 26.000 Jahre und einem 104.000 Jahre dauernden Zyklus, alles ungefähr Bruchteile oder Mehrfaches der Präzession." (Quelle: zeitpunkt.ch)
Da ist er schon wieder, dieser Begriff für die Taumelbewegung des Planeten. Faszinierend finde ich, dass es Bauwerke aus grauer Vorzeit gibt, die immer noch (!?) exakt nach den Terminen für die mit den Augen beobachtbaren Sonnwendzeiten ausgerichtet sind. Wie haben die das damals gemacht, so ohne Quantencomputer? Rätsel der Geschichte oder der Mathematik... Verstanden hat den Maya-Kalender sowieso kaum jemand, weil die Konquistadoren die Unterlagen dazu verbrannt haben. Da muss man also weder die Lara Croft noch den Indiana Jones losschicken, die würden nichts mehr finden.

Der taumelnde Planet
Denken Sie jetzt nicht, dass unser seit Jahrhunderten nachjustierter Kalender eine Art "Matrix" sei, mit der wir die Illusion aufrechterhalten, dass es im Winter schneit, und im Sommer warm sein muss. Das hat andere Gründe, und die Azteken haben das auch schon gemacht.
Wenn die Erde durch die Gegend taumelt, dreht sie sich auch manchmal langsamer oder schneller um die eigene Achse. Die Wissenschaft ist darüber gerade etwas verwirrt. Man ging früher von einer berechneten Rotationsgeschwindigkeit aus, und ist - dank Raumfahrt - erst jetzt in der Lage, diese Bewegungen präzise zu messen. Da merkt man erst, wie der Planet holpert und stolpert, und die Tageslänge schwankt. Ein großer Vulkanausbruch, und zack, schon ist der Tag etwas kürzer. Aber keine Gefahr: wir merken das eh nicht. Im Vergleich zur Umstellung auf Sommer- und Winterzeit sind diese Schwankungen lächerlich, auch wenn ab und zu Schaltsekunden eingelegt werden, damit unsere Alltagsuhren weltweit wirklich präzise laufen. Wie Sie bekomme ich diese Angaben aus dem Internetz, und die werden das schon alles richtig machen.

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ab 2035 werden diese gelegentlich eingefügten Schaltsekunden wieder abgeschafft: Diese Korrekturen verursachen beim Hochgeschwindigkeitshandel an der Börse Probleme. Da kann man sich international relativ schnell einigen, es geht ja auch nicht um eine ganze Stunde, die den Biorhythmus fertig macht, sondern um hoch empfindliche Hochleistungscomputer. Für die ist eine Sekunde, die wir kaum wahrnehmen, ausgesprochen lang. Angesichts der Taumelbewegung des Planeten hatte man sogar über negative Schaltsekunden diskutiert. Was es nicht alles gibt! 😮
Wenn sich der blöde Planet über die Jahre und Jahrhunderte nicht exakt so bewegt wie er laut Präzisionsuhr soll, müssen spätere Generationen hoffentlich nicht die Erdrotation korrigieren. Üben wir erst mal mit dem Klima. Wenn man an den Computeruhren dreht, könnte das Internetz kaputtgehen, und das gefällt Mark Zuckerberg nicht. Erinnern Sie sich noch an den Jahrtausendwechsel von 1999 auf 2000? Da mussten alle Flugzeuge am Boden bleiben, weil keiner wusste, ob die Computer die Zeitumstellung korrekt durchführen. Heute ist das alles noch viel komplizierter, und da sollte man sich besser nicht verrechnen.

Ob man künftig die Termine für Reisen nach Stonehenge oder Newgrange entsprechend verschieben muss, um die faszinierenden Lichteffekte auf den alten Bauwerken mit eigenen Augen zu sehen, weiß ich nicht. Unsere Nachfahren werden vielleicht nur noch im Metaversum leben, da gehen die Uhren immer richtig, egal wo die Sonne steht, und virtuelle Animationen sind ja auch schön anzugucken. 😏

Tick-Tock
Komplexe Kalenderberechnungen und globale Uhrzeitkorrekturen sind nichts für Laienwissenschaftler:innen. Bevor Sie vollends verwirrt sind, würde ich vorschlagen: Kleben wir uns jetzt mit Sekundenkleber an einem Glühweinbecher fest, oder selbigen an uns, damit wir ihn beim Weihnachtsumtrunk nicht irgendwo stehenlassen. 😁

Waren Sie schon auf einem dieser innerstädtischen Budenfeste, mit XXL-Bratwurst und alpinem Hüttenzauber-Flair? Nein? Beeilen Sie sich, in drei Tagen versinkt diese wunderbare Fassadenwinterwelt für ein weiteres Kalenderjahr im Nebel des Vergessens. Denken Sie nach dem Weihnachtsshopping an den Sale, und bereiten Sie sich rechtzeitig auf den Valentinstag vor. Den hatten die Maya in ihrem 104.000 Jahre-Zyklus noch nicht auf dem Schirm, darum ist dieser Langzeitkalender heute auch nicht mehr gültig. Mit mit den alten Unterlagen verschwanden auch fiese Maya-Rituale wie Menschenopfer. Wer sich nicht zum neuen Glauben der Eroberer bekennen wollte, wurde hingerichtet. Über die Logik von Hexenverbrennungen sprechen wir dann ein andermal.

Siehe auch: Wow, Wintersonnenwende, Der längste Tag, Sonne über Äquator, Equinox, Tag- und Nachtgleiche, Die Rückkehr der alten Götter, Modernes Schamanentum, Müde?, Artefakt 2022-001, Mondfest, Mit dem Lastenfahrrad ins Weltall?

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