Donnerstag, 22. Dezember 2022

Wetter, Fußball und Champagner

#Sonnenaufgang  #Isarauen  #München  #Sonne

"Es wird so viel Champagner gekauft wie nie zuvor", erfuhr ich heute früh als erstes, und "jetzt gehen die Flaschen aus. Die Hersteller müssen ins Kellergewölbe, und ihre letzten Vorräte aktivieren!"
"Aha", ist immer eine gute Antwort, wenn es im Mutterhome Neuigkeiten aus der Welt gibt.
"Die Leut' scheißen sich nix", fuhr meine Mutter fort, "die kaufen ein wie immer, und andere sitzen an Weihnachten in der kalten Bude. Jetzt reden sie schon wieder von den Gasbehältern, nur weil es ein paar Tage kalt war." Sie schüttelte verständnislos den Kopf.
Das Thermometer in ihrem Zimmer zeigte 23,9° C Grad an, draußen war die Temperatur auf frühlingshafte 10° gestiegen, und ich hatte zwei Flaschen Sekt im Rucksack, Sonderangebot vor dem unvermeidlichen Fest. Ein Discounter schickte fast täglich E-Mails mit dem Betreff "Sparsturz". Was zur Hölle ist das für ein Wort? Egal. Den Sekt hatte ich zufällig entdeckt.
"Ich verstehe ja, dass der Champagner mehr kostet", fuhr die Mutter fort, "weil der länger produziert wird. Aber vom Geschmack her?" 

Ich räumte das Geschirr vom Vortag ab, und brachte ihr den frischen Kaffee. Sie lugte in mein XXL-Haferl mit frisch gebrühtem Earl Grey.
"Dein Tee schaut auch immer armselig aus", meinte sie mitleidig, und griff in die untere Etage des Servierwagens. Dort stehen ihre Servietten und die Flasche mit dem Sprudelwasser stets in Reichweite. Heute lag dort auch ein Weihnachtsgeschenk vom Pflegedienst: eine schöne Weihnachtskarte, und dazu ein transparentes Säckchen mit einer Packung Kräutertee und Kandiszucker.
"Das ist von der Aishe - für dich."
Der Tee war eigentlich für sie, aber meine Mutter und Tee - das geht nicht zusammen. Bei mir ist er in der Tat besser aufgehoben.
"Dankeschön", sagte ich, und ließ die anderen Neuigkeiten des Tages auf mich einwirken.
"In Brasilien haben sie alles kurz und klein geschlagen", berichtete die Mutter.
"Wer?"
"Die Fußball-Fans."
"Aha. Warum?"
"Weil die mit ihrem Helikopter nicht anfliegen konnten."
"Wer?"
"Die Mannschaft."
"Aha. Wieso?"
"Da waren so viele Leute, du glaubst es nicht. Die haben stundenlang gewartet, und dann sind sie wieder abgeflogen. Der Messi und Co. Und dann sind die Leute wütend geworden und haben alles kurz und klein geschlagen."
"Weil sie nicht feiern konnten?"
"Ja."
"In Brasilien?", staunte ich, "war das nicht eher Argentinien?"
"Brasilien, Argentinien... das ist doch ungefähr dasselbe", sagte meine Mutter. "Großes Land in Südamerika - die sind doch Nachbarn."
So kann man das auch sehen.
Dass der Selenski in Amerika ist erfuhr ich auch auf diesem Weg, still und heimlich ausgeflogen, wie die Mutter berichtete, weil er Angst hat, dass er in der Nacht abgeschossen wird. Und er hat eine Fahne als Geschenk mitgebracht.
"Am liebsten würde ich mir diesen ganzen Zirkus gar nicht mehr anschauen", fügte sie hinzu, "aber ich will einfach wissen, wie es ausgeht."
Ich nippte an meinem Earl Grey und dachte: Eigentlich habe ich heute früh schon genug Material für die nächsten fünf Staffeln #Muttergeschichten gesammelt, aber wie es aussieht, ist für reichlich Nachschub gesorgt. Hoffentlich geht der Fernseher nicht kaputt. 😉

Siehe auch: #SonneHoppala..., Sendeschluss, Pornopapst, Finstermond, Schwammerlsarg, Wieviele Finger sind das denn?, Donnerstag, Freitag, Alltag, Heute ist wieder so ein Tag..., Zippi-ZappiHausmittel, Unisono, Konfliktscheu, Wenn Unbeteiligte beteiligt sind, Klare Sicht vor Silvester, Wen interessiert schon der Papst, Ein Pastewka sind drei Anhalter in der Galaxis


 

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