Mittwoch, 18. Januar 2023

Negative Gefühle


Gute Gefühle machen Spaß, die wollen wir alle. Wenn wir aber genau hinschauen, sind die richtig guten Gefühle im Tagesverlauf eher die Ausnahme, und halten meist nicht lange an. Negative Gefühle haben die unangenehme Eigenschaft, sich in den Vordergrund zu drängen, manchmal scheinen sie sich auch regelrecht festzusetzen. Wut, Angst, Trauer und Langeweile wollen wir lieber vermeiden. Warum es sie trotzdem gibt, und wofür sie gut sein können, wird in der aktuellen Folge von Planet Wissen anschaulich erklärt. Den Link zur Sendung finden Sie am Ende des Artikels.

Wir befinden uns gerade in einer Phase, in der die meisten Leute "gut drauf sein" wollen. Kratzt man aber einmal an der Oberfläche, wird schnell klar, dass so ziemlich jede*r an irgendeiner harten Nuss zu knabbern hat, manchmal sind es gleich mehrere: Gesundheit, Beruf, Familie oder Partnerschaft, Finanzen... Manchmal läuft alles gleichzeitig rund, und manchmal kracht es in einzelnen Lebensbereichen. Wenn mehrere Bereiche gleichzeitig in den Krisenmodus wechseln, scheint die Welt einzustürzen. 

Der erste Schritt besteht darin, sich selbst einzugestehen, dass es ein Problem gibt. Und ja, ich  nenne es Problem, obwohl man schwierige Situationen auch als Herausforderung oder als Aufgabe bezeichnen kann. Das ändert die Perspektive, kann aber auch eine Beschönigung sein. Was ist wirklich los?
Egal wie wir die Situation nennen: es ist wichtig, die eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen, ohne sie gleich "wegdrücken" zu wollen. Wie fühlen sich Wut, Trauer, Angst und Langeweile an? Das ist bei jedem Menschen anders. Es gibt extrem ängstlich veranlagte Menschen, und andere, die bei der kleinsten Kleinigkeit in die Luft gehen. An den Reaktionen auf negative Gefühle kann man arbeiten, das bedeutet aber nicht, dass diese Gefühle komplett verschwinden. Wenn man sie bewusst wahrnimmt und sich darauf einlässt, hat man mehr Möglichkeiten, damit umzugehen, anstatt sie impulsiv auszuagieren, oder zu verdrängen.

Der Studiogast bei Planet Wissen, Leon Windscheid, sagt: "Es ist wie mit einem luftgefüllten Ball, den man versucht, unter Wasser zu drücken. Je tiefer man ihn nach unten drücken will, desto größer wird der Widerstand." Irgendwann flutscht der Ball nach oben. Bei unterdrückten Gefühlen passiert das oft in Situationen, in denen man es gar nicht brauchen kann. Gefühle verdrängen oder unterdrücken kostet enorm viel Kraft, das erzeugt negativen Stress, und der wiederum ist gar nicht gesund. Wer sich über seine Gefühle im Klaren ist, kann auch eher darüber sprechen. Beides reduziert das Stresslevel, und verringert das Risiko für psychosomatisch/stressbedingte Krankheiten.

Um die eigenen Gefühle wahrzunehmen, braucht man ein bisschen Achtsamkeit. Dieser Begriff ist zum Modewort und ein Trend geworden, genau wie Yoga oder Jogging. Das ist alles gut, wenn man es "richtig" (= bewusst und aus einem inneren Antrieb heraus) macht, und nicht nur, weil es gerade "in" ist. Habe ich da gerade negative Gefühle? Ein bisschen. 😅 Und auch das geht vorbei. Mir gefällt der Spruch: Sieh der Furcht in die Augen, und sie wird zwinkern.

Übung zum Ausprobieren
Ganz wichtig scheint mir auch noch der Hinweis, dass es beim Beobachten der Gefühle nicht darum geht, über die Gefühle nachzudenken. Es reicht für den Anfang, wenn Sie das negative Gefühl erkennen, und sich sagen: Ah, da ist es wieder. Beobachten Sie auch, ob und wie sich das Gefühl verändert, wenn Sie es einfach nur wahrnehmen. So wie gute Gefühle verschwinden, verschwinden auch die negativen.

Fangen Sie am besten mit der Langeweile an: Schalten Sie für zehn Minuten alles ab, womit Sie sich normalerweise beschäftigen oder beschallen lassen. Ja, auch das Handy!!! Setzen Sie sich mit dem Gesicht zur Wand still auf einen Stuhl und machen Sie nichts. Glauben Sie mir, da geht die Post ab. 😏 Wenn das stimmt, was der Experte in Planet Wissen erzählt hat, sind Sie hinterher um Einiges kreativer als vor der Übung. 

Wenn Sie die zehn Minuten nicht schaffen, fangen Sie mit fünf Minuten an. Oder drei. Aber keinesfalls weniger.😊 Schauen Sie anschließend nach, wie lange Sie durch- und das erzwungene Nichtstun ausgehalten haben. Nichtstun ist nicht "chillen"! Beobachten Sie, was in Ihrem Inneren und in Ihrem Körper passiert, dadurch wird es meditativ. Beobachten Sie auch, was mit Ihrem Zeitgefühl passiert.
Gutes Gelingen. 🙏

Nichts für Sie? Dann schauen Sie sich erst einmal auf Planet Wissen die Hintergrundinformationen an.

Siehe auch: Glücklichsein!, Motivation ist (nicht) alles, Arbeit ohne Sinn, Jetzt denken Sie doch endlich positiv!, Pass auf, was du denkst!, Daniel-Day-Lewis-Momente, So wird es nicht bleiben, Langeweile-Loop, Lichteinfall

Weiterführende Links

  • Planet Wissen : Negative Gefühle - Wie wir sie besser verstehen
    abrufbar in der Mediathek, verfügbar bis 16.1.2028 

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